Probleme mit der Schwiegermutter – normal?

Die Mutter des Partners kann man sich nicht aussuchen. Aber wieso ist das Verhältnis zur Schwiegermutter manchmal so schwierig?

von Julia Schulters, aktualisiert am 03.05.2016

Hochzeit mit dem Traummann? Die Schwiegermutter ist im Paket mit drin


Das Schlimmste ist, dass man sie nicht so schnell wieder loswird. "Eine böse Schwiegermutter ist nun mal keine lästige Affäre, zu der man den Kontakt abbricht, indem man einfach ihre Telefonnummer verliert", sagt Felicitas Heyne, Psychologin und Autorin aus Gran Canaria. Wer den Mann seiner Träume heiratet, bekommt seine Mutter mit dem Eheglück dazu – und muss sich mit ihr arrangieren.

Selbsthilfegruppen für Schwiegermutter-Geschädigte

Dass das nicht immer so einfach ist, kann man tausendfach in Internetforen sehen. Da liest man von geizigen, grässlichen Frauen, die das Leben ihrer Schwiegertöchter zur ­Hölle ­machen. Von Plagegeistern, die sich in ­alles einmischen, vor allem in die Kindererziehung. Und von Schwiegermonstern, die sogar nicht davor zurückschrecken, dem Sohn ans Herz zu legen, sich bitte von seiner Liebsten zu trennen. Es gibt hierzulande sogar Selbsthilfegruppen, die sich nur mit ­diesem Thema beschäftigen. Umso über­­raschender sind die Ergebnisse einiger repräsentativer Um­fragen aus den letzten Jahren. Die zeigen nämlich: Schwiegermütter sind viel besser als ihr Ruf. "Gut zwei Drittel aller Frauen haben zu ihren Schwiegermüttern ein gutes Verhältnis", sagt Psychologin Dr. ­Andrea Kettenbach von der Fern-Universität Hagen. Männer übrigens scheinen mit ihrer Schwieger­mama sogar besonders zufrieden zu sein.

Schwieger­mütter sind viel besser als ihr Ruf

Aber wieso ist er dann so schlecht, der Ruf der Schwieger­mütter? Kettenbach vermutet, dass historische Gründe eine Rolle spielen. "Noch vor nicht einmal hundert Jahren zog die Frau nach der Hochzeit in das Elternhaus des Mannes ein", erklärt sie. Die Schwiegermutter sei eine Art Lehrmeisterin für sie gewesen – und eine Hausherrin, die ihre eigenen Töchter nicht selten bevorzugte. Dazu kommt: "Wenn es mit der Schwiegermutter tatsächlich kracht, zerrt das extrem an den Nerven", sagt Felicitas Heyne. Genau ­diese Frauen tummeln sich dann im Internet und machen ­ihrem Ärger Luft.

Probleme? Ursachen meist Missverständnisse

Dabei sind die Auslöser für einen Streit meistens ganz banal. "Frauen neigen leider dazu, Gedanken zu lesen und Blicke zu deuten", sagt Heyne. Aus einem "die hat mich aber komisch angeschaut" oder "hast du gehört, in welchem Ton sie das schon wieder gesagt hat?" wird dann manchmal ein handfester Konflikt – der von beiden Seiten ausgehen kann. Das passiert vor allem, wenn zwei völlig unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen: die kühle norddeutsche Schwiegermutter und die red­selige Rheinländerin zum Beispiel. "Da sind Missverständnisse meist nur eine Frage der Zeit", meint Heyne. Kritisch wird es, wenn der unterdrückte Ärger jahrelang in der Luft schwelt – bis er irgendwann zum Buschbrand wird. Besser ist es da, sich gleich offen die Meinung zu sagen, findet Heyne. "Aber bitte sachlich und konstruktiv und auf keinen Fall mit Gefühlsausbrüchen und Tränen."

Vier verschiedene Schwiegermütter-Typen

Offenheit und Ehrlichkeit sind also die Garantie für ein harmonisches Miteinander? So einfach ist es dann doch nicht immer, auch wenn man versucht, gelassen und verständnisvoll miteinander umzugehen. Schließlich existieren sie eben doch: jene Schwiegermütter, die um ­ihren Sohn buhlen wie eine eifersüchtige Ehefrau. Nicht selten stecken eigene Probleme dahinter: das "­Empty-Nest-Syndrom" etwa, die Angst vor Einsamkeit, wenn die Kinder das Haus verlassen. Schwiegermütter, die sich so verhalten, gehören zu Typ zwei der Schwieger­mütter-Typologie, die Andrea Kettenbach für ihre Doktorarbeit erstellt hat: verlogen, missgünstig und neidisch. 34 Frauen hat sie über ihre Schwiegermütter befragt, die sie dann vier verschiedenen Typen zuordnen konnte. Neben dem bösen Typ, gibt es die liebe, fürsorgliche Schwieger­mutter, die nervige, aber nützliche Schwiegermama und die defensive, aber auch desinteressierte Mutter des Partners.

Partner hat eine Schlüsselrolle

Wie schwierig sich die Beziehung zur Schwiegermutter gestaltet, hängt auch vom Partner ab. "Wenn er zulässt, dass die eigene Mutter seine Frau schikaniert, ist er definitiv mitschuldig", findet Heyne. Sätze wie "Macht das mal unter euch aus" lässt sie nicht gelten. "Der Mann muss seine Mutter in die Schranken weisen, wenn es eskaliert", sagt sie. Damit es erst gar nicht dazu kommt, empfiehlt sie die Erwartungen am Anfang nicht zu hoch zu schrauben. "Die Schwiegermutter muss nicht gleich die ­beste Freundin sein", sagt Heyne. Das erwarte man bei einer neuen Arbeitskollegin ja auch nicht. Lieber lernt man sich erst mal in Ruhe kennen und konzentriert sich auf die Gemeinsamkeiten, die man hat: die Liebe zum gleichen Mann zum Beispiel.


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