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Nach der Geburt: Keine Lust mehr auf Sex?

Seit die zwei Kinder da sind, herrscht bei Lydia und ihrem Mann Flaute im Bett. Seit über einem Jahr haben sie keinen Sex mehr. Sie fragt sich: Haben wir als Paar versagt?

von Annett Zündorf, aktualisiert am 14.10.2016
Paar sitzt auf dem Bett

Lust und Liebe kommen bei frisch gebackenen Eltern oft zu kurz


Wir hatten lange Zeit guten Sex. Wir waren wahn­sinnig neugierig aufeinander und haben uns viel Zeit genommen. Damals waren wir uns sehr nah und vertraut. Mein Mann und ich sind Wissenschaftler. In unseren ers­­ten Jahren bestand unser Kosmos nur aus unseren Jobs und uns. In welches Restaurant gehen wir, wohin fliegen wir in den Urlaub? Wir waren spontan und frei. Die ­ersten zehn Jahre waren wir wirklich ein Traumpaar. Natürlich gab es da auch schon Phasen, in denen wir seltener miteinander geschlafen haben – weil wir in unterschiedlichen Städten wohnten oder so viel arbeiteten, dass wir zu erschöpft waren.

Nach den Geburten: Ein Jahr keinen Sex mehr

Aber jetzt bin ich frustriert. Seit über einem Jahr läuft gar nichts mehr. In 365 Tagen haben wir kein einziges Mal miteinander geschlafen. Aus unserem Liebessturm ist eine Flaute geworden.

Mit der Geburt unseres ers­ten Kindes wurde es ruhiger um uns. Ich bin eine Mutterglucke geworden. Dann kam noch ein Kind. Mein Mann rutschte immer weiter ins Abseits. Ich hätte das vorher nie geglaubt, aber genauso ist es passiert. Und es tut mir leid, gerne würde ich es rückgängig machen. Denn das Grundgefühl, dass ich in meinen Mann verliebt bin und ihn cool finde, ist eigentlich noch da.

"Als läge ein Fremder neben mir"

Wir sind wieder schüchtern geworden. Ich weiß nicht mal mehr, wie ich küssen soll. Ich fühle mich unbeholfen. Es ist, als läge ein Fremder neben mir. Früher haben wir einfach ausprobiert, was dem anderen gefällt, heute weiß ich gar nichts mehr. Wenn ich mich anpirsche, gähnt er. Damals ­konnte er die Finger nicht von mir lassen, heute rührt er mich nicht mal mehr an. Ob uns einfach die Zeit fehlt? Aber die haben wir nicht.

Ein Gedanke lässt mich nicht mehr los: Wie konnten wir uns nur so verlieren? Manchmal denke ich, mein Mann ist frustriert. Er ist zu Hause und kümmert sich um die Kinder. Ich gehe arbeiten. Wir reden auch nicht mehr so viel. Sein Tag ist schnell erzählt: Haushalt erledigt. Mit den Kindern unterwegs gewesen. Gespräch Ende. Ob er vielleicht eine Affäre hat? Ich bin mir nicht sicher, was er tags­über so macht. Ich frage auch nicht mehr. Dabei fände ich es gar nicht schlimm, wenn er eine Geliebte hätte, wenn dadurch unsere Beziehung wieder besser würde.

Trennen – oder eine Affäre anfangen?

Trotzdem bringt er mich noch oft zum Lachen, wenn ich manchmal gestresst nach Hause komme. Im Grunde funktioniert unsere Beziehung doch ganz gut. Wir können streiten, wir können uns entschuldigen, wir machen viele Dinge als Familie. Aber reicht das? Obwohl ich mich eigentlich wohlfühle, würde ich mich ohne Kinder wahrscheinlich von ihm trennen. So sehr fehlt mir unser sexuelles Leben und das Begehrtwerden.

Immer öfter erwische ich mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, wenn ich einen Liebhaber hätte. Angebote und Gelegenheiten gäbe es genügend. Doch ­irgendetwas hält mich davon ab. Tief in meinem Herzen weiß ich, dass ich das eigentlich gar nicht will. Sex mit einem Fremden befriedigt nicht emotional. Ich will meinen Mann und keinen anderen. Und Selbstbefriedigung ist auf Dauer auch nicht das Wahre. Reden ­wäre wohl die beste Lösung. Aber wir sind uns so fremd geworden. Es ist mir peinlich, darüber zu sprechen. Ich schaffe es nicht. Sind wir schon ein Fall für den Paartherapeuten? Schnell verwerfe ich diesen Gedanken. So weit bin ich noch nicht.

Gibt es noch Hoffnung?

Momentan wundere ich mich, wie Nähe einfach so verschwinden kann. Das liegt doch nicht nur am Alltag und am Stress. Oder doch? Ich habe Angst vor der Zukunft. Werden wir uns noch fremder? Lachen wir bald auch nicht mehr miteinander?

Einen Funken Hoffnung gibt es noch. Da sind diese kleinen ­Gesten im Alltag, die zeigen, dass wir noch da sind: eine Umarmung, ein flüchtiges Über-den-Arm-Streicheln, ein sanfter Kuss im Vor­übergehen. Und manchmal hat mein Mann so einen sehnsüchtigen Gesichtsausdruck. Dann denke ich, er hat doch auch Lust. Es ist total verrückt. Zwei Leute wollen dasselbe und schaffen es nicht.


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