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Beziehung: So bleiben Eltern ein Liebespaar

Schon wieder Zoff! Wenn ein Paar Eltern wird, ist das ein Härtetest für die Beziehung. Wie Sie diese Zeit so streitfrei wie möglich meistern

von Monika Murphy-Witt, aktualisiert am 28.05.2019
Familie

Ein echter Balanceakt: Eltern werden und trotzdem eine gute Partnerschaft haben


Endlich zu dritt – und jetzt? Nach der Euphorie der ers­ten Tage kehrt allmählich Alltag ein. Und der sieht nicht immer so rosig aus, wie ihn sich werdende Eltern ausmalen. Windeln wechseln statt gemeinsamem Kochen, ­­Stillen und schlaflose Nächte statt gemüt­lichem Kuscheln. Das Baby­geschrei nervt, kinderlose Freunde machen sich rar, spontane Unternehmungen fallen flach, und an Sex ist nicht zu denken. Der Sturz von Wolke sieben kann heftig sein und stellt ein Paar auf eine Probe.

Baby steht nun im Vordergrund der Beziehung

"Mit der Geburt des ersten Kindes verlagert sich der Schwerpunkt einer Beziehung – weg von der Zweisamkeit hin zur Familie, von der leidenschaftlichen Liebe hin zur partnerschaftlichen", sagt ­Michael Mary, Paarberater aus Hamburg und Autor zahlreicher Beziehungsratgeber. Im Vordergrund stehen jetzt nicht mehr die eigenen Belange, sondern die Bedürfnisse des Babys. Jedes Paar muss für sich individuell herausfinden, wie das Projekt Familie am bes­ten gelingt. Keine leichte Aufgabe! Da wundert es kaum, dass 67 Prozent aller Eltern in den ers­ten drei Jahren nach der Geburt mit ihrer Beziehung weniger zufrieden sind als vorher, wie der amerikanische Psychologe John Gottman festgestellt hat.

Paare unterschätzen Aufgabe in der Regel

"Das erste Jahr mit Kind ist ­eine extrem schwierige Zeit", sagt auch Barbara Reichle, ehemalige Profes­sorin für Entwicklungspsychologie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. "Das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt. Man ist nicht mehr selbstbestimmt, sondern fremdgesteuert. Vieles ist unbekannt, eine Planung anfangs kaum möglich. Die unterschiedlichen Bedürfnisse von drei Menschen müssen unter einen Hut gebracht werden." Da bleiben Probleme nicht aus. Für vieles gilt nicht länger das Lustprinzip, ­­etliche Auf­gaben müssen einfach erledigt werden – auch solche, die un­­attraktiv sind, nicht bezahlt oder belohnt werden. "Die zentrale Frage ist: Wer muss wann was wie oft und wie viel tun? Die Umverteilung von Prioritäten und Pflichten und die Koordination des veränderten Alltags stellen hohe Anforderungen an Paare", weiß die Expertin aus ­ihrer langjährigen Forschung zu dem Thema. Dabei hat sie immer wieder festgestellt: Beide Partner unterschätzen vorab deutlich, wie viel Kraft und Zeit ein ­Baby erfordert. Und fast jeder erwartet vom anderen mehr, als dieser zunächst selbst zu leisten bereit ist.

Aufgaben gerecht teilen vermeidet Streit

Damit die Familiengründung nicht im Dauerstreit endet, sollte deshalb frühzeitig über die Aufteilung des Zeitkuchens mitein­ander verhandelt werden: Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung, Hobbys, Zeit zu zweit, schlafen. Manches muss notgedrungen erst einmal zusammengestrichen oder auf später vertagt werden. Wichtig ist, dass beide konstruktiv nach Lösungen und einem gerechten Ausgleich suchen. Reichles Tipp: Jeder Partner sollte seine eigene Zeit und die des anderen in Stücke eines Kuchens einteilen. Dann wird verglichen und versucht, gemeinsam eine Regelung zu finden.

Viele rutschen zurück in klassische Rollen

Ein entscheidender Punkt ­dabei: über die Rollen­verteilung sprechen. Bis zur Geburt des ers­ten Kindes sind meist beide Partner voll berufstätig. Jetzt gilt es zu entscheiden: Wer bleibt wann wie lange zu Hause und kümmert sich um den Nachwuchs? Zwar nahmen laut dem Väterreport des Familienministeriums im Jahr 2015 rund 35 Prozent der Neu-Väter Elternzeit, 58 Prozent von ihnen aber nur die Minimaldauer von zwei Monaten. Experten beob­achten nach wie vor ein Zurückrutschen in die klassischen Rollen, sobald Kinder kommen: Papa verdient das Geld, Mama kümmert sich um Baby und Haushalt, Karriereknick inklusive – oft sogar, wenn sie beruflich erfolgreicher war als ihr Partner. "Viele Frauen fühlen sich kompetenter in Sachen Haushalt und Kindererziehung. Und die Männer geben gern die Verantwortung ab, aus Bequemlichkeit und Unsicherheit. So, wie Frauen gern die Verantwortung für die Steuererklärung oder die Auto­­inspektion abgeben", sagt Psychologin Reichle. "Jeder hat seinen Zuständigkeitsbereich, in den der andere nicht hineinfunkt." Sind sich beide einig und wirklich zufrieden mit dieser Lösung, birgt dieses Modell das geringste Konfliktpotenzial.

Gleichberechtigtes Modell birgt Konfliktpotenzial

Streben die Partner jedoch eher eine egalitäre Verteilung der Familienaufgaben an, können Abwasch und Babybrei schnell zum Zank­apfel werden. Pickt sich einer nur die "Rosinen" heraus, hängt bald der Haussegen schief. Auch wenn das Belastungspendel eindeutig in eine Richtung ausschlägt, macht sich Frust breit. Oder wenn einer bei Beruf und persönlichen Bedürfnissen stärker zurück­stecken muss, als ihm lieb ist.

Andererseits halten Mütter, die meinen, ­in allem kompetenter zu sein, und extrem ­hohe Standards in Sachen Kinderbetreuung, Sauberkeit und Ernährung aufstellen, willige Väter oft auf Abstand zum Kind. Besser ­wäre es aber, offen zu bleiben, dem Partner etwas zuzutrauen und die Entlas­tung, die dadurch möglich wird, zu genießen. Und statt sich schmollend zurückzuziehen und vor den Computer zu setzen, wenn etwas nicht gut läuft, sollten Paare lieber im Gespräch bleiben. Und mitein­ander darüber reden, was ihnen wichtig ist, und gemeinsam planen, wie und wann sich die Umsetzung organisieren lässt.

Konflikte konstruktiv lösen schützt die Beziehung

Dazu gehört auch, sich einzugestehen, dass etwas nicht in Ordnung war, und sich beim anderen zu entschuldigen oder ihm zu verzeihen. Sonst hat die junge ­Familie keine guten Ausssichten. Auch wenn alte Konflikte neu aufbrechen, die Partner Streitigkeiten aggressiv austragen oder jede Aus­­einandersetzung vermeiden, wird es schwierig. "Im ersten Jahr wird der Samen für spätere Trennungen gelegt", hat Barbara Reichle festgestellt. "Wer in dieser Zeit nicht lernt, konstruktiv miteinander umzugehen und den Alltag zu bewältigen, riskiert die Beziehung." Spätestens, wenn ständiges Streiten wegen Nichtigkeiten, Vor­würfe und ein respektloser Umgang zu Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit und Rückzug führen, sollten Paare diese Signale ernst nehmen und professionelle Hilfe suchen.

Ein glückliches Kind braucht glückliche Eltern

Besser ist jedoch, sie lassen es erst gar nicht so weit kommen. "­Junge Eltern sollten deshalb über allen Pflichten die Paarliebe nicht vergessen. Das Kind sollte nicht zum absoluten Lebensmittelpunkt werden", meint Paarberater Mary. "Ihm wird es nur gut gehen, wenn es den Eltern gut geht – auch als Liebespaar." Wichtig sei es deshalb, Zeit zu zweit zu verbringen und sich einander zuzuwenden. Schlafmangel und Erschöpfung werden zwar zumindest anfangs zu einer Flaute im Bett führen. Ein Spaziergang, ein Bad oder ein Abend zusammen auf dem ­Sofa schenken aber auch neue Energie. Regelmäßig ­einen Babysitter zu engagieren und als Paar etwas zu unternehmen, hält die Liebe ebenfalls frisch: Ob Tanzkurs, Sport oder Kino – gemeinsame Aktivitäten schweißen zusammen und beleben die Beziehung.

Letztendlich sind viel Geduld, Gelassenheit und Toleranz nötig, bis sich das Familienleben eingespielt hat. Auch wenn viele oft kurz davor sind – Paare trennen sich nach dem Übergang zur ­Elternschaft nicht häufiger als in anderen Lebensphasen. Entscheidend sind der Zustand der Beziehung vor der Geburt und die Konflikt­fähigkeit der Partner. War die Beziehung stabil und nicht durch größere Konflikte belastet, so Barbara Reichle, werden junge Eltern auch das erste Jahr danach gut meistern.


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