Mumps

Mumps – im Volksmund Ziegenpeter genannt – ist eine Kinderkrankheit. Gegen die hoch ansteckende Infektion gibt es eine Impfung
aktualisiert am 05.10.2017

Unangenehm: Entzündete Speicheldrüsen sind schmerzhaft

Banana Stock/RYF

Mumps – kurz zusammengefasst

Mumps ist eine hochansteckende Viruskrankheit, die typischerweise zu einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüsen führt. Mumps kann gefährliche Komplikationen, wie eine Hoden-, Gehirn- oder Hirnhautentzündung zur Folge haben und in manchen Fällen bleibende Schäden zurücklassen. Eine Impfung kann vor der Erkrankung schützen.

Was ist Mumps?

Mumps ist eine durch ein Virus hervorgerufene Erkrankung, die vor allem die Ohrspeicheldrüsen betrifft. Ihre Schwellung führt zu den typischen dicken Backen und den abstehenden Ohrläppchen. Es besteht die Gefahr, dass das Mumpsvirus weitere Drüsen und Organe befällt und möglicherweise bleibende Schäden an Ohren, Gehirn, Hoden und Bauchspeicheldrüse hinterlässt.

Als klassische Kinderkrankheit tritt die Erkrankung typischerweise zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahr auf, aber auch Jugendliche und Erwachsene können betroffen sein. Jährlich werden derzeit in Deutschland etwa 700 Fälle gemeldet. Neugeborene und Säuglinge sind in der Regel noch durch die Antikörper der Mutter geschützt, die sie während der Schwangerschaft mitbekommen haben. Mumps in der Schwangerschaft führt nicht zu angeborenen Missbildungen und auch eine erhöhte Rate von Fehlgeburten im ersten Schwangerschaftsdrittel wurde bislang nicht bestätigt.

Die Ständige Impfkommision (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen Mumps. Da der Mensch der einzige Wirt für das Mumpsvirus ist, könnte der Erreger durch konsequentes Impfen auch in Deutschland ausgerottet werden.

Zeichnung eines Mumps-Virus

W&B/Britta Henseler

Ursachen

Krankheitserreger ist das Mumpsvirus. Die sehr ansteckenden Viren werden auf dem Tröpfchenweg verteilt, also durch Niesen, "feuchtes" Sprechen oder Husten, denn Speichel und Nasensekret sind Überträger.

Das Virus wird mit den Tröpfchen eingeatmet und befällt zuerst die Schleimhaut der oberen Luftwege und die umliegenden Lymphknoten. Hier vermehrt es sich und dringt dann in die Blutbahn ein. Die ersten Symptome machen sich erst nach gut zwei Wochen (Inkubationszeit) bemerkbar. Ist die Erkrankung überstanden, sind die Betroffenen lebenslang gegen eine erneute Mumpsinfektion immun.

Dicke Backe: Eine Schwellung der Ohrspeicheldrüse ist typisch für Mumps

W&B/Martina Ibelherr

Symptome

Nach einer Ansteckung dauert es etwa 16 bis 18 Tage (maximal zwölf bis 24 Tage), bis sich die ersten Symptome bemerkbar machen. Der Betroffene ist aber bereits etwa eine Woche vor Auftreten der Speicheldrüsenschwellung ansteckend. Mumps beginnt mit allgemeinen Krankheitszeichen, ähnlich wie bei einer Erkältung. Der Erkrankte fühlt sich abgeschlagen und unwohl, hat keinen Appetit und oft auch Kopfschmerzen. Nach weiteren ein bis zwei Tagen beginnen die Ohrspeicheldrüsen (Glandula parotis) schmerzhaft anzuschwellen, zuerst auf einer Seite, ein bis drei Tage später meist auch auf der anderen. Fieber und Halsschmerzen können dazu kommen.

Die Speicheldrüsen produzieren den Speichel, der den gekauten Bissen gleitfähig macht. Deswegen löst eine Entzündung Beschwerden beim Kauen, Schlucken, aber auch beim Sprechen oder Bewegen des Kopfes aus. Besonders anfällig sind die beiden Ohrspeicheldrüsen. Sie münden im hinteren seitlichen Bereich der Mundhöhle. Der Drüsenkörper liegt vor dem Ohr auf dem Kaumuskel und dem Unterkieferfortsatz. Die Ohrspeicheldrüsen können so stark anschwellen, dass die Ohrläppchen abstehen und die Kieferkante sich nicht mehr abzeichnet. Von der Infektion können auch die Unterkiefer-Speicheldrüsen (Glandula submandibularis) und die Unterzungenspeicheldrüsen (Glandula sublingualis) betroffen sein.

W&B/Dr. Ulrike Möhle

Auch die Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüse können bei Mumps entzündet sein. Typisch ist jedoch vor allem eine Schwellung der Ohrspeicheldrüsen.

Im Normalfall ist die Krankheit drei bis acht Tage nach dem Auftreten der Symptome überstanden. 50 bis 70 Prozent aller Mumpserkrankungen ziehen jedoch weitere Folgen und Komplikationen nach sich (siehe dort). 

Eine Ansteckung mit dem Mumpsvirus führt nicht immer zu allen Krankheitssymptomen. So kann die Schwellung der Ohrspeicheldrüsen fehlen, aber andere Symptome können vorhanden sein. Bei 40 bis 50 Prozent der Infizierten verläuft die Krankheit stumm. Die Betroffenen merken gar nicht, dass sie Mumps haben, können aber trotzdem andere anstecken. Der Schweregrad der Symptome nimmt mit dem Alter zu.

Komplikationen 

Auf dem Blutweg oder von den befallenen Lymphknoten aus kann das Virus zu verschiedenen anderen Drüsen und auch ins Zentralnervensystem – sprich Rückenmark und Gehirn – weiterwandern. Dann kommt es zu weiteren Erkrankungen, die entsprechend bezeichnet werden.

Mumps-Pankreatitis: So wird eine begleitende Bauchspeicheldrüsenentzündung genannt. Sie ist selten (4 von 100 Fällen), führt aber zu Appetitlosigkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden und einer erhöhten Fettaussscheidung im Stuhl (Fettstuhl). In der Regel heilt die Bauchspeicheldrüsenentzündung folgenlos, sie kann aber auch sehr selten zu einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus führen. 

Mumps-Meningitis: Dies ist eine nichteitrige Entzündung der Hirnhäute (seröse Menigitis). Anzeichen dafür können leichte Kopfschmerzen sein. Diese Hirnhautentzündung heilt fast immer ohne bleibende Schäden wieder ab.

Mumps-Enzephalitis: Hier ist das ganze Gehirn vom Mumpsvirus befallen. Dies kann zu starken Kopfschmerzen und Erbrechen führen. Möglichen Folgen sind Schwerhörigkeit oder Epilepsie, im Einzelfall sogar der Tod. Bleibende Hörschäden sind besonders bei Patienten über 18 bei jedem zehnten Erkrankten die Folge. Deshalb sollte nach jeder überstandenen Mumpsinfektion ein Hörtest gemacht werden. 

Mumps-Orchitis: Damit ist eine Entzündung der Hoden gemeint. Sie tritt bei jedem vierten männlichen Mumps-Patienten, der nach der Pubertät erkrankt, auf. Vor der Pubertät ist nur ein Prozent der Jungen von dieser Komplikation betroffen. Bei einem Drittel der Patienten mit einer Mumps-Orchitis sind beide Hoden entzündet. Weil eine Hodenentzündung zu einer Rückbildung (Nekrose) der samenbildenden Zellen führt, gefährdet sie die Zeugungsfähigkeit. Aus diesem Grunde war man lange Zeit der Meinung, eine Impfung sei nur für Jungen sinnvoll. Das ist aber falsch. Denn auch die Eierstöcke können sich entzünden, und vor den anderen Komplikationen sind Mädchen ebenfalls nicht geschützt.

Diagnose

Die Diagnose ist relativ einfach, wenn die charakteristischen Merkmale wie Krankheitsgefühl und Schwellung der Ohrspeicheldrüse vorhanden sind. Allerdings hat nicht jeder Mumps-Patient eine Ohrspeicheldrüsenentzündung, und nicht jede Schwellung der Ohrspeicheldrüse bedeutet Mumps, sondern sie kann auch andere Ursachen haben (zum Beispiel eine Infektion durch Bakterien oder Viren oder einen Sekretstau aufgrund von Speichelsteinen).

Bei Verdacht auf Mumps gibt der Nachweis von spezifischen Antikörpern gegen das Mumpsvirus im Blut Gewissheit. Wegen der Seltenheit der Erkrankung wird heute meist ein Nachweis des Viruserbgutes durchgeführt, um die Diagnose zu sichern.

Bei Mumps lieber im Bett bleiben

PhotoDisc/ RYF

Therapie

Wenn ein Kind die ersten Symptome zeigt, ist ein Besuch beim Kinder- oder Jugendarzt sinnvoll, der die Erkrankung bestätigt und mit den Eltern geeignete Maßnahmen bespricht. Bei Mumps ist Bettruhe angesagt, damit der Körper selbst seine Kräfte sammeln und gegen das Virus kämpfen kann. Eine direkte Behandlung gibt es nicht. Steigt das Fieber über 40 Grad können in Absprache mit dem Arzt fiebersenkende Medikamente gegeben werden.

Der Patient sollte ausreichend trinken. Manche Betroffenen kauen gerne Kaugummi, da sie dies als erleichternd empfinden. Ein kühler Halswickel ist wirkungsvoll und schmerzlindernd. Ein weiterer Arztbesuch wird dann notwendig, wenn die Erkrankung nach ein paar Tagen nicht besser wird oder noch andere Bereiche zu schmerzen beginnen.

Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten kann nach Abklingen der klinischen Symptome, jedoch frühestens fünf Tage nach dem Beginn der Mumps-Erkrankung erfolgen. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.

Zweimal geimpft? Der Impfpass gibt Auskunft

W&B/Achim Graf

Impfung

Die Mumpsimpfung sollte zweimal durchgeführt werden, einmal zwischen dem 12. und 15. Monat und ein weiteres Mal, möglichst vor dem zweiten Geburtstag. Wer vorschriftsmäßig geimpft ist, bleibt in der Regel lebenslang gegen das Mumpsvirus immun. In seltenen Fällen kann Mumps auch trotz einer zweimaligen Impfung auftreten. Heutzutage wird die Impfung in Kombination mit den Wirkstoffen gegen Masern und Röteln (MMR-Kombinationsimpfung) oder sogar einschließlich Windpocken (MMRV-Kombinationsimpfung) verabreicht.

Versäumte Mumps-Impfungen können und sollten zu jedem Zeitpunkt nachgeholt werden, außer in der Schwangerschaft. Die Impfstoffe sind für alle Altersgruppen geeignet. Die Impfung ist auch dann unbedenklich, wenn schon eine symptomlose Mumpsinfektion durchgemacht wurde und bereits – unwissend – eine Immunität besteht.

Bei einer sehr schweren Allergie gegen Hühnereiweiß können eventuell spezielle Schutzmaßnahmen nötig sein, wenn die Impfung durchgeführt wird. Sprechen Sie als Allergiker daher in jedem Fall mit Ihrem Arzt über die Allergie und die Möglichkeit einer Impfung. Nicht geimpft werden sollten Kinder mit schweren Immunschwächen. Bei ernsten Erkrankungen sowie nach Gabe von Bluttransfusionen und antikörperhaltigen Arzneimitteln muss die Impfung in der Regel verschoben werden.

Unser Experte: Dr. Guido Krandick

W&B/Privat

Beratender Experte

Dr. med. Guido Krandick ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Nach Studium in Bonn, Wien und Würzburg folgte eine fast zehnjährige Tätigkeit an der Kinderklinik Schwabing der TU-München. Seit 2000 führt er eine eigene Praxis südlich von München. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


Bildnachweis: W&B/Achim Graf, PhotoDisc/ RYF, W&B/Dr. Ulrike Möhle, W&B/Britta Henseler, W&B/Privat, Banana Stock/RYF, W&B/Martina Ibelherr
Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß am Laptop

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Mutter mit Kind arbeitet vor dem Laptop

Entwicklungsnewsletter

Erhalten Sie alle zwei Wochen Infos zum ersten Lebensjahr Ihres Kindes »

Klassische Kinderkrankheiten

Kind mit Fieber

Dreitagefieber

Dreitagefieber ist eine Kinderkrankheit, die mit Fieber und Hautausschlag einhergeht »

Zum Thema

Mutter tröstet Baby

Richtig Fieber messen

Hat das Kind Fieber? Es gibt mehrere­ Möglichkeiten, die Temperatur zu messen: Im Po, im Ohr, im Mund, an der Stirn oder unter der Achsel. Nicht jede eignet sich gleich gut »

Haben Sie den Geburtsmonat Ihres Kindes geplant?

Sind Sie empfindsamer, seit sie ein Kind bekommen haben?

Können Sie sich vorstellen, Ihre Eizellen einfrieren zu lassen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages