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Keine Angst vor Kortison

Kortison hilft zum Beispiel bei Neurodermitis oder Allergien. Doch viele Eltern haben Bedenken, den Entzündungshemmer einzusetzen

von Franziska Draeger, aktualisiert am 18.01.2019
Neurodermitis

Kortisonsalbe hilft zum Beispiel bei Neurodermitis. Möglichst dünn auftragen!


"Wie oft gebt ihr euren Kindern­ ­ei­gentlich Kortison?" Das ist eine­ der brennendste­n Frage in Foren­ von­ Eltern­ kleiner Neurodermitiker. Es scheint,­ als wollten sie einander im Kortisonverbrauch­ unterbieten. "Es gibt­ eine regelrechte Kortison-Phobie", sagt­ Professorin Regina Fölster-Holst­,­ Haut­­ärztin und Allergologin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Prof. Dr. Renate Fölster-Holst

"Jede zweite­ Mutter reagiert skeptisch, wenn ich den Wirkstoff verschreibe. Doch diese­ Angst gründet auf einem gefährlichen Halbwissen", sagt die Medizinerin.

Was ist dran an der Angst?

Brüchige Knochen, Infektanfälligkeit und ein aufgequollenes Gesicht fürchten viele Eltern, wenn sie Kortison hören. "Diese Nebenwirkungen kann man nicht leugnen", erklärt Dr. Katja Renner,­ Apothekerin in Wassenberg. "Aber man muss sie relativieren."

Solche Folgen drohen nur, wenn Kortison über längere Zeit täglich­ als ­Tablette eingenommen wird. Bei schwerem Rheuma zum Beispiel, oder­ einer­ gravierenden Autoimmun­erkrankung. Bei lokaler Anwendung, als Salbe oder Asthma­spray, sind meist nur lokale­ Effekte zu erwarten.

Dr. Katja Renner

So kann die Haut vom Cremen auf Dauer dünn und empfindlich werden, im Rachenraum können sich Pilze vermehren, weil das Immun­­system dort geschwächt wird. "Diese große Angst vor dem Wirkstoff begründet das noch nicht", so Katja Renner.

Körpereigenes Hormon

Viele besorgte Eltern­ kann sie in ihrer Apotheke beruhigen, indem­ sie ihnen erklärt: "Kortison ist ein körpereigener Stoff." Daraus entsteht das sogenannte Stresshormon Cortisol,­ das die Nebennierenrinde jeden Tag mehrmals ausschüttet, zum Beispiel auch, wenn man kalt duscht. Das Hormon erfüllt viele Aufgaben im Körper: Es beeinflusst den Blutzucker, den Fettstoffwechsel, und es wirkt entzündungshemmend.

Wie wirkt Kortison?

Kortison wird im Stoffwechsel zu Cortisol verarbeitet, einem körpereigenen Hormon. Dieses sorgt dafür, dass in Stresssituationen möglichst viel Energie bereitgestellt wird, und verstärkt unter anderem den Abbau von Eiweiß und Fetten. Im Immunsystem dämpft es überschießende Reaktionen. Es hemmt die Aktivität und die Bildung bestimmter­ Zellen der Körperabwehr. So hält es Entzündungen in Schach.

Welche Bedeutung hat Kortison in der ­Behandlung?

Die entzündungshemmende Wirkung machen sich Ärzte zunutze. Kortison dämpft Immunreaktionen, die bei Allergien oder Neurodermitis aus dem Ruder laufen. "Ohne den Wirkstoff ­wären mir schon viele Patienten gestorben", sagt Regina Fölster-Holst. Wenn ein Kind zum Beispiel von einer Biene gestochen wird und einen allergischen Schock erleidet, ist Kortison gemeinsam mit Adrenalin lebens­­rettend. Asthmatiker können durch regelmäßiges Inhalieren ruhig atmen und sind voll belastbar. Das Kortison schwächt die allergische Immunreak­­tion ab, die dazu führt, dass sich die Bron­chien verengen, bis man glaubt zu ersticken. Kinder, die schwere Neurodermitis haben, profitieren, weil Kortison binnen Stunden den Juckreiz vertreibt. Schon am nächsten Tag sieht die Haut deutlich besser aus. "Dann ändert sich auch die Hautflora", sagt Fölster-Holst. "Schädliche Bakterien gehen zurück."

Erst wenn man das Mittel über ­einen langen Zeitraum anwendet, wird die Haut dünn und verletzlich. "Man kann sich das so vorstellen: Das Kortison gibt den Immun­zellen eins drauf", sagt Fölster-Holst. "Aber auch anderen Zellen in der Haut." Katja Renner: "Es gibt aber ein paar Tricks, um die Neben­wirkungen von Kortison möglichst gering zu halten."

Was sollte man bei der ­Anwendung beachten?

Tabletten nimmt man am besten morgens. Dann ist der körpereigene Kortisonspiegel am höchsten. Asthmatiker­ sollten sich nach einer Spraydosis den Mund ausspülen.­ Das senkt das Risiko­ eines Pilzbefalls. Kortisonsalbe sollte dünn­ aufgetragen werden. Offene Haut braucht zusätz­lich eine antibiotische Salbe, damit eindringende Bakterien das geschwächte Immunsystem nicht überrumpeln.

Manchmal verschreibt der Arzt neben einer Kortisoncreme eine Creme mit sogenanntem Calci­neurin­inhibitor. "Dieser ist auch gegen Entzündungen wirksam", so Fölster-Holst. "Jedoch ist die Wirkung etwas schwächer. Dafür treten an der Haut aber auch nicht die Nebenwirkungen auf, die für die Kortisonpräparate bekannt sind." Deshalb wählt der Arzt diese Medikamentengruppe für empfindlichere Hautareale, wie das Gesicht, die Anogenitalregion oder die Leistengegend. "Nicht einfach die Salbe­ des älteren­ Geschwis­­ters verwenden", warnt Fölster-Holst. Für alle­ Kortisonpräparate­ gilt: nicht abrupt absetzen,­ sondern aus­schleichen.­ Nur so kann die Haut regenerieren und den Nebenwirkungen entgegenwirken. Grundsätzlich sollte eine Kortisontherapie immer mit dem Arzt abgesprochen sein.


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