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Der Mama-Coach: Mütter gegen Stress

"Unser Stress meint es gut mit uns", ist Tanja Misiak, Mutter dreier Kinder, überzeugt. In ihrer Arbeit als Coach hilft sie Eltern, ihre Stresskompetenz zu verbessern. Worauf es ankommt, sagt sie hier

von Stefanie Becker, 30.01.2019
Tanja Misiak

Tanja Misiak kennt aus eigener Erfahrung die täglichen Herausforderungen von Eltern – und weiß, wie wir sie gelassen meistern


Frau Misiak, Sie arbeiten viel mit Eltern zusammen. Warum fühlen wir uns so gestresst?

Ich kann nur für die Eltern sprechen, die ich in meiner Arbeit erlebe. Alle belasten die immer gleichen Prob­leme: Der Stress aus der Arbeit überträgt sich in die Familienzeit und umgekehrt, angespannte oder enge Verhältnisse führen zu alltäglichen Konflikten mit den Kindern, Partnern, Eltern oder Schwiegereltern und Kollegen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine tägliche Heraus­forderung. Viele Eltern haben Gefühle des Alles-zu-viel-Seins, des Getrieben-Seins und können ihre Kinder zu wenig wirklich genießen.

Woher kommt das?

Wir Mütter und Väter spüren die Angst, nicht gut genug, nicht wertvoll genug, nicht schön genug, nicht perfekt zu sein. Dahinter stehen viel zu hohe Erwartungen an uns selbst. Wir machen uns mit inneren Glaubenssätzen selbst das Leben schwer: Es muss anstrengend sein, ich darf nicht glück­lich sein, ich muss stark sein/darf mir nicht helfen lassen. Wir wollen zu viel und bekommen folglich zu wenig hin. Das führt zu unterdrückter Wut und großen Vorwürfen, zu Stress und Angst vor Stress. All diese Dinge kenne ich auch von mir, habe ich selbst alles erlebt.

Inwiefern?

Bevor mein erstes Kind zur Welt kam, besuchte ich beruflich und privat gerne Seminare für Persönlichkeitsentwicklung, auch das ein oder andere Medi­­tationsretreat. Währenddessen war ich immer total begeistert und kam voller guter Vorsätze nach Hause oder zurück ins Büro. Ich dachte: ,Dieses und jenes werde ich nun anders machen. Ich werde nie wieder gestresst sein.‘

Und war es so?

Nein, meine Enttäuschung kam schnell. Ich merkte, ich bin gar nicht so erleuchtet. Eine beliebige leicht herausfordernde Situation konnte mich unter gewissen Umständen aus dem Gleichgewicht werfen: ,Blöde S-Bahn, dass sie wieder zu spät kam und meine Pläne zunichte machte.‘ ,Blöder Chef.‘ ,Blöder Partner.‘ ,Ohne würde es mir besser gehen‘ … So richtig durchgerüttelt wurde ich, als ich mit meinem ersten Baby zu Hause war und gefühlt gar keine Zeit mehr hatte, zu mir zu kommen und Dinge zu tun, die mir in meinem Leben vor dem Kind Energie gaben. Heute stehe ich woanders. Nicht wegen meiner Zeit in Seminaren und Retreats, sondern dank der mich stark fordernden Zeit im Job- und Familienalltag mit mittlerweile drei Kindern, die zwischen ein und sieben Jahre alt sind.

Wie meinen Sie das?

Bevor mein erstes Kind zur Welt kam, hatte ich ein anspruchsvolles Berufs­­leben, mit Reisen und Vorträgen. Aber für einen anderen Menschen Verantwortung zu übernehmen, mit Schlafmangel klarzukommen und von einem kleinen Wesen völlig bestimmt zu werden, darauf war ich nicht vorbereitet. Ich wusste aber aus meiner Meditationserfahrung, dass ich es in der Hand habe, mein Gestresstsein zu ändern. Ich habe mich in der Zeit sehr viel selbst beobachtet und Dinge ausprobiert. Ich habe meinen Fokus auf das gesetzt, was ich habe, und das wertgeschätzt. Nach außen hin bin ich heute fremdbestimmter als je zuvor. Nach innen hin bin ich vor allem eines: glücklich und erfüllt. Und ja, herausfordernde Situationen habe ich nach wie vor, jedesmal potenzieller Stress. Doch ich gehe zunehmend anders damit um. Ich weiß für mich: Es gibt einen Weg, trotz allem Trubel im Alltag glücklich und erfüllt zu sein. Hinter jeder Angst, jedem Ärger und Stress steckt am Ende der Appell, uns selbst mit mehr Liebe und Mitgefühl zu begegnen. 

Wie soll das funktionieren?

Über Stress gibt es viele wissenschaftliche Definitionen. Für mich ist eines wesentlich: Mit Stress versuchen wir uns zu schützen, das heißt Stress ist nicht böse. Auf tieferen Ebenen erleben wir bei Stress teilweise einen Überlebenskampf: Wir fahren hoch und sind bereit zu kämpfen, wegzulaufen – oder zu erstarren. In der Steinzeit mag das auch wichtig gewesen sein. Im heutigen Job- und Familienalltag ist es wenig zielführend. Wichtig finde ich, dass wir unseren Stress erst einmal wertschätzen. Er meint es gut mit uns. Mit dieser Haltung können wir dann neue Wege finden, die uns glücklicher machen als unsere bisherige Art mit Stress umzugehen.

Braucht es nicht einfach nur ein gutes Zeitmanagement?

Tipps und Ratgeber zur Stressprävention mit Zeitmanagement sind gut und wichtig. Aber sie helfen nur an der Oberfläche, wenn ich unbewusst an schwierigen Überzeugungen hänge. Zum Beispiel, dass ich mich anstrengen muss, um etwas zu erreichen oder dass ich keine Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Oder dass die Kinder sowieso nicht mitmachen werden. Dann werde ich mich auch mit ­gutem Zeitmanagement in den Stress hineinmanövrieren. Deshalb kommt es vielmehr darauf an, sich mit der ­­eigenen Persönlichkeit und eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern auseinanderzusetzen. Da führt kein Weg dran vorbei. Und dabei hilft ­unsere neue Serie "Mama-Coach".

Worauf kommt es vor allem an?

Der eigene Alltag ist der beste Wegweiser zu sich selbst, zu Erfüllung und Glück. Starten kann jeder jetzt und hier. Bitte nicht auf den nächsten Urlaub warten! Wenn wir im Alltag bewusst agieren anstatt emotional gestresst zu re-agieren, profitieren auch unsere Kinder davon.

Was erwartet Eltern in der Serie?

Viele Impulse und Reflektionsübungen für das Jetzt und Hier im Berufs- und Familienalltag. Die Inhalte sind so konzipiert, dass sie für Eltern realistisch sind. Das heißt, es gibt keine Übungen für ein freies Wochenende, das wir ­­ge­fühlt nur einmal im Jahr haben. ­Keine Empfehlungen für neue Hobbys, wo man schon den alten nicht mehr hinterherkommt, keine Medita­tions-Morgenroutinen, die eineinhalb Stunden ­dauern. Die Tipps und Übungen, die ich für die Serie zusammengestellt habe, sind aus der Mitte des normalen Familien­alltags heraus gedacht. Aus den täglichen Herausforderungen bie­ten sie die Möglichkeit, kontraproduk­­tive Gewohnheiten, Überzeugungen und ihre Wechselwirkungen mit anderen Menschen zu hinterfragen und anders zu gestalten. Die Serie ermutigt dazu, Stress vorzubeugen und mehr noch: Glück und Erfüllung im Berufs- und Familienalltag zu entdecken.


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