Wie läuft eine Adoption ab?

Meist hegen Paare, die ein Baby adoptieren wollen, ihren Kinderwunsch schon lange vergeblich. Doch auch der Weg zum Adoptivkind ist lang

von Aglaja Adam, aktualisiert am 21.11.2016

Komplizierte Bewerbung, lange Wartezeiten – das Familienglück entschädigt für alles


Sex nach Zykluskalender, Hormontherapie, künstliche Befruchtung – Paare, bei denen sich der Kinderwunsch nicht erfüllt, versuchen oft über Jahre hinweg alles, damit es mit der Schwangerschaft doch noch klappt. Das ist ganz schön kräftezehrend. Und manchmal bleibt der Schwangerschaftstest trotzdem negativ. Für viele ist eine Adoption dann die letzte Chance auf ihr Familienglück. Doch auch hier sind wieder Geduld und starke Nerven gefragt: Denn der Weg zum Adoptivkind ist langwierig.

Sich die Situation bewusst machen

Bevor sie die Entscheidung für eine Adoption treffen, sollten sich Paare viel Zeit zu zweit nehmen und einige Fragen ehrlich beantworten: Warum wollen wir ein Kind? Ist das adoptierte Kind eine Art Ersatz? Wie würde unser Leben nur zu zweit aussehen? "Die eigene Kinderlosigkeit muss verarbeitet sein", erklärt Claudia Flynn, Leiterin der zentralen Adoptionsstelle am Bayerischen Landesjugendamt.

Wie läuft die Bewerbung ab?

Paare, die in Deutschland ein Kind adoptieren wollen, müssen zunächst eine Vermittlungsstelle – das Jugendamt am Wohnort der Bewerber oder einen anerkannten freien Träger wie Caritas, Diakonie oder Sozialdienst katholischer Frauen – kontaktieren und ein Eignungsverfahren absolvieren. Die Zuständigen überprüfen genau, wer als Adoptiveltern in Frage kommt. So müssen die Partner mindestens 25 beziehungsweise 21 Jahre alt sein. Sie sollten mindestens zwei Jahre verheiratet sein. Zwischen dem Kind und den Eltern sollten zudem nicht mehr als 40 Jahre Altersunterschied liegen. Sind die Eltern älter als 40 Jahre, schwinden die Chancen, ein Kind vermittelt zu bekommen, doch eine gesetzlich festgelegte Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Daneben sind natürlich auch zahlreiche Dokumente erforderlich, wie Gesundheitszeugnis, Einkommensnachweis, polizeiliches Führungszeugnis und Geburts- und Heiratsurkunde und ausführliche Lebensläufe. Während das Eignungsverfahren für Inlandsadoptionen kostenlos ist, werden für ein Kind aus dem Ausland je nach Bundesland bis zu 1200 Euro veranschlagt.

Sind wir gute Eltern?

Manche Bewerber zittern vor dem ersten Hausbesuch des Jugendamts: Ist die Wohnung groß genug? Ist sie kindgerecht und ordentlich? Diese Sorgen sind meist unbegründet. "Wichtig ist, dass ein Kinderzimmer da ist", erklärt Flynn. Zwar dürfen die künftigen Adoptiveltern nicht von staatliche Leistungen leben, doch reich müssen sie auch nicht sein, beruhigt die Expertin. Zeit und Zuwendung sind das Wichtigste für das Kind in der Familie. In Gesprächen ermitteln die Fachkräfte außerdem, ob die Partnerschaft der künftigen Adoptiveltern stabil ist und welche Vorstellung diese von Erziehung haben – all das gehört zum Eignungsverfahren. Das Bewerbungsverfahren nimmt einige Monate in Anspruch.

Das Warten beginnt

Wird ein Paar als geeignet befunden, steht einer Adoption eigentlich nichts mehr im Weg. Doch nun beginnt das lange Bangen und Warten. Denn auf ein Kind kommen in Deutschland derzeit rund neun Bewerberpaare. Das heißt: Durchschnittlich ein bis zwei Jahre Wartezeit. Im Jahr 2014 wurden 3805 Kinder adoptiert, davon hatten 3183 Kinder die deutsche und 622 eine ausländische Staatsbürgerschaft. Bei mehr als der Hälfte handelte es sich aber um Stiefelternadoptionen, teilt das Statistische Bundesamt mit.

Ein Kind aus einem anderen Land

Möchte ein Paar ein Kind aus dem Ausland adoptieren, gibt es einige Besonderheiten zu beachten. Die künftigen Eltern sollten sich zunächst Gedanken darüber machen, aus welchem Land sie adoptieren wollen und mit der Heimat ihres Kindes vertraut sein, die Sitten und Bräuche kennen, vielleicht sogar die Sprache sprechen oder Freunde oder Verwandte dort haben, rät Claudia Flynn. Dann kann sich das Paar bei einer Auslandsvermittlungsstelle bewerben. Die Expertin warnt vor Privatadoptionen auf eigene Faust und vor dubiosen Vermittlern im Ausland. Auf der Homepage der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption gibt es eine Liste aller staatlich anerkannten Vermittlungsstellen.

Der Bewerbungsweg ist bei einer Auslandsadoption zunächst der gleiche wie in Deutschland: Die meisten Vermittlungsstellen verlangen ein abgeschlossenes Eignungsverfahren beim Jugendamt. Manchmal dauert es weniger lange, bis ein Kind gefunden wird. Je nach Herkunftsland und Einzelfall sind es fünf Monate bis vier Jahre. Auch die Voraussetzungen, die Eltern erfüllen müssen, sind von Land zu Land unterschiedlich und manchmal nicht so streng, wie in Deutschland. Aber eine Auslandsadoption ist teuer: Rund 15.000 bis 18.000 Euro kostet sie. Neben dem Eignungsverfahren, das bei geplanten Adoptionen aus dem Ausland bis zu 1200 Euro kostet, müssen die Eltern die Vermittlungsgebühr in Deutschland von 800 bis 3000 Euro zahlen und die Übersetzung, Beglaubigung sowie den Versand der Dokumente. Ein weiterer Kostenfaktor sind die Flüge und der Aufenthalt im Herkunftsland.

Die erste Zeit zu dritt

Kommt dann endlich der langersehnte Anruf mit der Nachricht, dass ein Kind gefunden ist, beginnt das Abenteuer zu dritt. Bei Inlandsadoptionen ist im ersten Jahr Zeit, sich gegenseitig zu beschnuppern und kennenzulernen. "Matching" heißt diese Phase in der Fachsprache. Erst nach einem Jahr bei Säuglingen und entsprechend länger bei älteren Kindern kann das Paar das Kleine adoptieren. Vor diesem Zeitpunkt hat es den Status einer Pflegefamilie, das Kind ist immer noch den leiblichen Eltern zugehörig. Bei Auslandsadoptionen ist diese sogenannte "Anbahnungsphase" meist kürzer, je nach Herkunftsland lernen die Eltern das Kind in seiner Heimat während eines Zeitraums von einer Woche bis zu sechs Monaten kennen. 
Es gibt drei Arten der Adoption: Die Inkognito-, die halboffene und die offene Adoption. Bei der Inkognito-Adoption hat die Herkunftsfamilie keinerlei Informationen über die Adoptiveltern und umgekehrt. Bei einer halboffenen Adoption können sich die Adoptiv- und leibliche Eltern Briefe über das Jugendamt oder die Adoptionsvermittlungsstelle schreiben und bei der offenen Adoption lernen sie sich persönlich kennen.

Endlich eine richtige Familie

Vater, Mutter, Kind – macht eine Familie? Ganz so einfach ist es bei einer Adoption nicht: Die Liebe braucht Zeit zu wachsen. Denn der kleine Mensch ist sehr verletzlich und sensibel, weil er schon den Bruch der Beziehung zu den leiblichen Eltern erlebt hat. "Ein Elternteil sollte möglichst nicht arbeiten und ganz für das Kind da sein", rät Flynn. Bei den ersten Belastungsproben stehen die Mitarbeiter vom Jugendamt oder der jeweiligen Vermittlungsstelle zur Seite. "Wenn Probleme auftauchen, sollten sich Adoptiveltern sofort rühren", rät Flynn. Denn dass es Schwierigkeiten geben kann, ist klar: Adoptiveltern müssen nicht besser sein als andere Eltern.


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