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Macht die Corona-Impfung unfruchtbar?

Die Behauptung, dass die Impfung gegen Covid-19 die Fruchbarkeit beeinträchtigen könnte, hört und liest man derzeit häufig. Doch was ist dran? Wir haben nachgefragt

von Nele Langosch, 26.01.2021

Mehr als eine Million Menschen haben in Deutschland bereits einen der neuen Corona-Impfstoffe erhalten. Doch vor allem Jüngere sind laut ARD DeutschlandTrend unsicher, ob sie sich immunisieren lassen wollen. Dazu tragen Meldungen über mögliche Gefahren der Impfung bei, zuletzt die Annahme, die Impfung könne Frauen unfruchtbar machen. 

Die Theorie dahinter: Auf der Oberfläche des Virus sitzen Eiweißstoffe, sogenannte Spike-Proteine, mit denen das Virus an menschliche Zellen andockt und sie infiziert. Impfstoffe sollen dem Immunsystem dabei helfen, Antikörper gegen diese Spike-Proteine zu bilden. Mithilfe dieser Antikörper kann der Körper das Virus erfolgreich bekämpfen.

Keine Hinweise auf mögliche Unfruchtbarkeit

Einige Fachleute befürchten, dass der Impfstoff nicht nur das Virus bekämpft, sondern möglicherweise auch die Plazenta einer Schwangeren. Der Grund: Auf der Plazenta befinden sich sogenannte Syncytin-1-Eiweiße, die dem Spike-Protein ähneln. Die Annahme: Wenn das Immunsystem durch die Impfung lerne, das Spike-Protein anzugreifen, könne es auch Syncytin angreifen – und somit die Plazenta. Stimmt das?

"Das ist extrem unwahrscheinlich", beruhigt Prof. Dr. Dr. Luka Cicin-Sain vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. "Das würde nämlich bedeuten, dass auch jede Frau, die eine Corona-Infektion überstanden hat, danach unfruchtbar ist. Auch ihr Immunsystem hat ja Antikörper gegen das Spike-Protein gebildet." Man könne ein Restrisiko, auch wenn es noch so unwahrscheinlich ist, natürlich nie ganz ausschließen. "Doch es gibt inzwischen Millionen Frauen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, und bei ihnen ist kein erhöhtes Risiko für eine Unfruchtbarkeit festgestellt worden", so Luka Cicin-Sain. Bislang gäbe es aber keinerlei Hinweise, dass es bei Frauen nach einer SARS-CoV-2-Infektion zu Fruchtbarkeitsstörungen gekommen sei.

Auch Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel) stellte auf einem Pressebriefing klar: "Die Daten schließen solche Probleme momentan aus."

Berufsverband empfiehlt jungen Frauen die Impfung

Die ungestörte Funktionsweise der Plazenta ist entscheidend für die Entwicklung des Kindes. Dass eine Impfung unfruchtbar mache, sei jedoch noch nie bekannt geworden, erklärt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte: "Die Fruchtbarkeit einer Frau wird am stärksten von ihrem Alter beeinflusst. Auch Unter- und starkes Übergewicht, Rauchen und bestimmte Erkrankungen beeinträchtigen sie maßgeblich."

Christian Albring rät Frauen, die jetzt schon eine Impfung erhalten können, die Chance wahrzunehmen, auch wenn sie einen Kinderwunsch haben. In der Schwangerschaft empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung jedoch nicht, weil aktuell keine Daten zur Anwendung der mRNA-Impfstoffe in der Schwangerschaft vorliegen. Aus ethischen Gründen nehmen Schwangere in der Regel nicht an den ersten Studien zu einem Impfstoff teil. Mitte Dezember verkündete der Impfstoff-Hersteller Biontech jedoch, dass Studien nun auch mit Schwangeren geplant seien.

Sachliche Aufklärung hilft gegen Impf-Ängste

Der Psychologe Prof. Dr. Peter Kirsch vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim hat am Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg gemeinsam mit Kollegen im Sommer und Spätherbst 2020 eine Umfrage zur Wahrnehmung der Corona-Maßnahmen und zur Impfbereitschaft durchgeführt. Im Sommer waren etwa 45 Prozent der Befragten skeptisch oder unsicher, ob sie sich impfen lassen würden. Zum Jahresende stieg die Zahl der Unentschlossenen und derjenigen, die sich nicht impfen lassen wollten, auf 54 Prozent an. Was die Menschen dazu bewegt, sich lieber nicht impfen zu lassen, kann nicht sicher gesagt werden. Kirsch vermutet, dass unter anderem die schnelle Entwicklung und Zulassung des Impfstoffs viele Menschen verunsichert hat.

"Die Ängste und Sorgen vor Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Impfung sind absolut nachvollziehbar", sagt der Psychologe. "Gerade die Vorstellung einer möglichen Unfruchtbarkeit kann sehr stark verunsichern, weil die Folge massiv in die Lebensplanung der Betroffenen eingreift. Deshalb ist eine sachliche Aufklärung so wichtig." Denn in unsicheren Situationen sei es nur natürlich, dass Menschen versuchen, so viele Informationen wie möglich zu sammeln, um so ihre Angst wieder unter Kontrolle zu bringen, so der Psychologe. Das das gelingen kann, lässt eine aktuelle Umfrage des ARD DeutschlandTrends hoffen. Demnach nimmt die Impfbereitschaft in der Bevölkerung derzeit wieder zu.


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