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Kinderwunschbehandlung: Diese Methoden gibt es

Trotz Kinderwunsch nicht schwanger zu werden – das ist der Albtraum vieler Paare. Hormontherapie oder Methoden der künstlichen Befruchtung wie IVF oder ICSI können helfen

von Stephanie Arndt, aktualisiert am 27.10.2020

Bange Minuten. Dann ein hoffnungsvoller Blick auf den Schwangerschaftstest, gefolgt von Tränen der Enttäuschung: wieder kein Baby unterwegs. Etwa jedes zehnte Paar in Deutschland gilt als ungewollt kinderlos. Viele Betroffene erleben das als Zerreißprobe in ihrem Leben und in ihrer Partnerschaft. Die bundesweit über 130 Kinderwunschzentren erfahren einen steten Zulauf von Paaren, die auf medizinische Unterstützung hoffen, um auch bald endlich ein Baby im Arm halten zu können. Laut Deutschem IVF-Register stieg die Zahl der Behandlungen zwischen 2014 mit etwa 88.300 auf über 105.000 Behandlungen im Jahre 2018. Rein statistisch gesehen, saß 2017 in jeder Schulklasse mindestens ein Kind, das außerhalb des Körpers seiner Mutter gezeugt wurde. Insgesamt waren es 23.550 Kinder. Die Diagnostik, um den Grund einer Fruchtbarkeitsstörung zu finden, wird grundsätzlich von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Die Kosten für Kinderwunschbehandlungen (zwischen ein und vier Versuchen) werden dagegen je nach Bundesland und Krankenkasse anteilig übernommen, und auch nur wenn ein Paar:

  • heterosexuell und verheiratet ist (in einigen Bundesländern werden auch Unverheiratete finanziell unterstützt).
  • die Frau jünger als 40 und der Mann jünger als 50 Jahre ist.
  • die Unfruchtbarkeit ärztlich diagnostiziert wurde.

Privatdozent Dr. Ulrich A. Knuth, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und kommissarischer Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren e.V. (BRZ), erklärt, welche Behandlungsmethoden es bei unerfülltem Kinderwunsch gibt und welche Vor- und Nachteile sie haben. "Ich plädiere im Vorfeld für eine ausführliche Diagnostik durch einen gut geschulten Frauenarzt", sagt Knuth. Dazu zähle bei der Frau eine ausführliche Befragung nach vorherigen Schwangerschaften, die Untersuchung der Eierstöcke auf mögliche Entzündungen, ein Hormoncheck. Auch der Partner sollte sich beim Urologen vor der Behandlung genau untersuchen lassen. "Die männlichen Befunde sollten im Zuge der Behandlung mit einbezogen werden", sagt Knuth.

Zyklusoptimierung und Hormontherapie

Nicht immer ist eine komplizierte Behandlung notwendig, damit es mit der Schwangerschaft klappt. Manchmal braucht der Arzt nur einen kleinen Impuls zu geben. Bei der Zyklusoptimierung überwacht der Gynäkologe mittels Ultraschall und Bestimmung der Hormone im Blut den natürlichen Zyklus. Zum richtigen Zeitpunkt empfiehlt er dem Paar den Geschlechtsverkehr.

Der Ablauf des Zyklus kann mit bestimmten Hormonen unterstützt werden – zum Beispiel, wenn die Eizellreifung gestört ist, der Eisprung fehlt oder die Eizelle sich nicht einnistet. Da es durch eine Hormonbehandlung zum Heranreifen mehrerer Eibläschen (Follikel) und damit auch zu Mehrlingsschwangerschaften kommen kann, muss die Behandlung vom Arzt sorgfältig überwacht werden.

Privatdozent Dr. med. Ulrich A. Knuth

Insemination (IUI)

Was passiert? Bei der sogenannten intrauterinen Insemination (IUI) wird Samen mit Hilfe eines dünnen Schlauches direkt in die Gebärmutter injiziert. Im Vorfeld werden die optimalen Spermien herausgefiltert, um die Chance einer Schwangerschaft zu erhöhen. Wichtig ist, den idealen Zeitpunkt für die IUI, nämlich der Tag des Eisprungs, zu ermitteln. Dies geschieht beim Frauenarzt durch eine Hormonanalyse und Ultraschall.

Unter Umständen ist eine vorherige Hormonbehandlung in Tablettenform oder per Spritze bei der Frau notwendig, um die Eireifung zu stimulieren.

Für wen geeignet? Dr. Knuth: "Die IUI ist für Paare geeignet, die auf relativ sanfte Art nachhelfen wollen, ein Kind zu zeugen. Etwa, wenn der Partner unter Erektionsproblemen leidet." Für alleinstehende Frauen oder lesbische Paare eignet sich die Insemination ebenfalls, da sie auch zu Hause durchgeführt werden kann. Allerdings ohne vorherige Spermien-Selektion.

Wie hoch sind die Kosten? Eine Insemination kostet nach Auskunft des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e. V. (BRZ) pro Behandlung 200 Euro. Erfolgt im Vorfeld eine hormonelle Stimulation kommen 900 Euro, plus Kosten für Medikamente (etwa 700 bis 800 Euro) hinzu. Die Kosten werden je zur Hälfte von Paar und Krankenkasse bezahlt. Teilweise stocken Kassen den Zuschuss erheblich auf oder das jeweilige Bundesland springt ein.

Gut zu wissen: Werden die Kosten nicht von der Krankenkasse übernommen, können die Behandlungskosten zumindest steuerlich als außerordentliche Belastung geltend gemacht werden.

Vorteile: Ohne hormonelle Stimulation der Frau zählt die IUI zu den schmerzlosesten und einfachsten Methoden, mittels Kinderwunschbehandlung ein Baby zu bekommen.

Nachteile: "Die Chance, durch eine Insemination schwanger zu werden, liegt etwa so hoch, wie mit einem gut terminierten Geschlechtsverkehr in Eisprungnähe", sagt der Gynäkologe. Grundsätzlich gilt als Faustregel für Frauen: 25 Jahre ist das Alter mit der höchsten Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. "Dann liegt die Chance bei 25 Prozent pro Zyklus. Mit jedem weiteren Lebensjahr sinkt die Möglichkeit um jeweils einen Prozentpunkt", so Knuth.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Was passiert? Nach einer hormonellen Stimulation werden der Frau operativ vaginal Eizellen entnommen. In einer Petrischale erfolgt die Verschmelzung der Eizellen mit dem aufbereiteten, in Fachsprache: präpariertem, Sperma des Partners. Entwickeln sich Embryonen, werden maximal bis zu drei in die Gebärmutter eingesetzt. Da bei allen Kinderwunschbehandlungen Mehrlingsgeburten generell vermieden werden sollen, um das Risiko von Früh- und Fehlgeburten zu minimieren, empfiehlt sich die Übertragung eines einzigen, gut entwickelten Embryos.

Für wen geeignet? Für Paare, die auf natürlichem Weg nicht schwanger werden können, etwa durch Eileiterverschlüsse, starke Verwachsungen, beispielsweise infolge einer Endometriose, oder mangelnde Spermienqualität.

Wie hoch sind die Kosten? Der Eigenanteil liegt laut BRZ für gesetzliche Versicherte bei zirka 1.500 Euro, Privatversicherte zahlen 3.700 Euro.

Vorteile: "Die Schwangerschaftsrate beim Transfer zweier Embryonen liegt bei etwa 28,6 Prozent und damit über der natürlichen Rate pro Monat. Allerdings darf diese Zahl nicht mit der Geburtenrate verwechselt werden, da es auch zu Fehlgeburten kommen kann. Die durchschnittliche Geburtenrate bei IVF-Embryonen liegt zwischen 15 und 20 Prozent", erklärt Knuth.

Nachteile: Erheblicher Zeitaufwand durch mehrere Praxisbesuche pro Zyklus. Risiken durch die Operation bei der Eizellentnahme, da jeder invasive Eingriff Risiken birgt. "Auch wenn wir die Nebenwirkungen deutlich reduzieren konnten, besteht bei ein bis zwei Prozent der Frauen die Gefahr einer Überstimulation durch die Hormonbehandlung. Dazu kann eine Flüssigkeitsansammlung im Bauch zählen, aber auch allgemeine Unterleibsschmerzen durch die vergrößerten Eierstöcke oder seltene Verletzungen durch die Eientnahme. Zudem werden durch IVF nach wie vor Mehrlingsgeburten begünstigt, wenn mehrere Embryonen übertragen werden", erklärt der Gynäkologe.

Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)

Was passiert? Wie bei der IVF werden der Frau nach einer Hormon-Stimulation Eizellen entnommen. Anschließend wird mittels einer Pipette ein einzelnes, selektiertes Spermium direkt in die Eizelle injiziert – Reproduktionsmediziner sprechen dann von einer imprägnierten Eizelle. Die befruchtete Eizelle liegt für zwei bis vier Tage in einem Brutschrank. Entwickelt sich die Zelle, wird der Embryo vaginal in den Uterus übertragen.

Für wen geeignet? Für Paare, mit einer idiopatischen Sterilität, also einer medizinisch nicht erklärbaren Fruchtbarkeitsstörung. Oder für Paare, bei denen der Mann eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit hat, etwa durch keine oder zu wenig befruchtungsfähige Spermien.

Wie hoch sind die Kosten? Gesetzlich versicherte Paare müssen laut BRZ mit etwa 1.800 Euro rechnen, Privatversicherte mit zwischen 5.000 und 10.000 Euro.

Vorteile: "Da sich Spermien nicht bis zur Eizelle kämpfen müssen, sondern die Befruchtung komplett per Pipette im Reagenzglas passiert, genügt theoretisch ein einziges optimales Spermium. Das ist gut, wenn ein Mann zu wenig davon hat oder eine Funktionseinschränkung der Samenfäden besteht", so Reproduktionsmediziner Dr. Knuth.

Nachteile: "Der Aufwand ist ebenso hoch wie bei einer IVF, allerdings müssen Paare mit noch höheren Kosten rechnen. Trotz der gezielten Spermienübertragung in die Eizelle ist die Erfolgsrate nicht höher als bei der Standardreagenzglasbefruchtung", sagt Knuth.

TESE/MESA

Was passiert? "Befinden sich in der Samenflüssigkeit des Mannes zu wenig intakte oder sogar keinerlei Spermien, können zwei operative Verfahren, die sogenannten TESE und MESA, angewendet werden. Dabei wird im Hoden bzw. Nebenhoden nach aktiven Samen gesucht und diese per mikrochirurgischem Eingriff entnommen. In der Regel werden die Spermien aufbereitet, eingefroren und schließlich per ICSI der Frau übertragen", erklärt der Gynäkologe.

Für wen geeignet? Für Männer, die durch einen Unfall, eine Sterilisation oder eine Erkrankung wie zum Beispiel Mumps, Hodenkrebs oder Krampfadern keine Kinder zeugen können.

Wie hoch sind die Kosten? Zu den Kosten der ISCI-Behandlung kommen weitere 800 Euro für die Entnahme und das Einfrieren der Spermien hinzu.

Vorteile: Theoretisch reicht schon ein einziges funktionsfähiges Spermium.

Nachteile: Auch kleinste Operationen können Risiken nach sich ziehen. Zudem liegt die Erfolgschance auf ein Kind nach einer TESA/MESA-Behandlung bei lediglich 10 bis 15 Prozent.

Kryotransfer

Was passiert? "Während einer IVF oder ICSI werden mehrere Eizellen entnommen, mit ausgewähltem Spermium befruchtet und eingefroren. Eingesetzt werden einer Frau aber nur maximal drei entwicklungsfähige Eizellen. Die übrig gebliebenen, imprägnierten Eizellen können dann im Falle eines fehlgeschlagenen Versuches oder einem erneuten Kinderwunsch nach einer Geburt aufgetaut und in die Gebärmutter eingesetzt werden", erklärt Dr. Knuth.

Für wen geeignet? Für alle Paare mit Kinderwunsch, die aus Krankheitsgründen (z.B. vor einer Chemotherapie) Eizellen oder Spermien sichern wollen. Oder weil sie ihren Kinderwunsch in die fernere Zukunft verlegen möchten. Stichwort: Sozial Freezing.

Wie hoch sind die Kosten? Für den Transfer befruchteter Eizellen stellen Kinderwunschpraxen laut BRZ um 800 Euro in Rechnung. Die Lagerungskosten betragen um die 25 Euro pro Monat.

Vorteile: Kryotransfer spart Behandlungszeit und Kosten, denn die Frau muss nur einmal hormonell stimuliert werden, um mehrere Eizellen zu generieren.

Nachteile: Grundsätzlich liegt die Erfolgsquote bei einem Kryotransfer nur zwischen acht und zwölf Prozent, wenn eine Eizelle im sogenannten Vorkernstadium, also im Anfangsstadium der Befruchtung, übertragen wird.

In-Vitro-Maturation (IVM)

Was passiert? Bei diesem noch relativ neuen und nicht unumstrittenen Verfahren der Kinderwunschbehandlung entnehmen Reproduktionsmediziner der Frau bereits einige Tage nach der Menstruation unreife Eizellen. Diese reifen also außerhalb des Körpers in einer Nährlösung in einem Reagenzglas – mithilfe von Hormonen. Erfolgt die Reifung kann die Eizelle per ICSI mit einem Spermium präpariert und der Frau übertragen werden. Eine medikamentöse Hormonbehandlung ist oft nicht nötig oder nur sehr kurz.

Für wen geeignet? Für Frauen bis 37 Jahre, die keine Hormontherapie vertragen oder bekommen dürfen, weil sie beispielsweise am PCO-Syndrom leiden. Oder Frauen, denen vor einer anstehenden Krebsbehandlung keine Zeit für eine längere hormonelle Stimulation bleibt.

Wie hoch sind die Kosten? Pro Zyklus werden laut BRZ Summen zwischen 600 und 1500 Euro aufgerufen. Zusätzlich 80 bis 110 Euro für Medikamente. Üblicherweise sind mehrere Behandlungszyklen notwendig. Da es sich nicht um eine etablierte Methode handelt, müssen die Kosten selbst gezahlt werden. Eine Bezuschussung durch die Krankenkasse gibt es nicht.

Vorteile: Im Normalfall ist keine oder nur kurze medikamentöse Hormonbehandlung nötig. So entfallen mögliche Nebenwirkungen.

Nachteile: Die IVM wird noch nicht in allen Kinderwunschzentren angeboten. Der Aufwand der Eizellen-Entnahme ist deutlich höher als bei IVF und ICSI und erfordert von ärztlicher Seite viel Erfahrung. Es gibt bisher noch keine Langzeitstudien, die über Erfolge und Risiken Auskunft geben.


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