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Urintest bei Kindern: So klappt es

Mithilfe einer Urinprobe lassen sich bei Kindern vor allem Krankheiten der Harnwege erkennen. Gut, wenn Sie die richtigen Tricks parat haben, um die kostbaren Tröpfchen aufzufangen

von Andrea Grill, 07.07.2021

Was verrät der Urin?

Bei Babys und kleinen Kindern untersuchen Ärztinnen und ­Ärzte den Urin vor allem, um Infekte der Harnwege oder Nieren zu erkennen. "Wenn Kleinkinder Fieber, aber sonst keine Symptome haben, steckt oft eine Harnwegsinfektion dahinter", sagt Dr. Marcus Benz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Spezialist für Nierenerkrankungen
bei Kindern aus Dachau. "Manchmal sind Eltern auch besorgt, weil die nasse Windel komisch riecht oder rötlich verfärbt ist", so Benz. Die Ursachen seien aber meist harmlos. Bei der Vor­sorge wird der Urin ab der U 8 mit untersucht.

Was passiert mit der Urinprobe?

Sichten und schnuppern – was Heiler bis ins Mittelalter bei so­genannten Harnschauen zelebrierten, gehört bis heute zum ärztlichen Handwerkszeug. Ist der Harn trüb oder dunkel? Riecht er süß, streng oder nach Fisch? Der Check mit Augen und Nase gibt oft wertvolle Hinweise. "Noch mehr Infos bekommen wir innerhalb von Minuten mit einem Teststreifen", erklärt Marcus Benz. Der Schnelltest zeige den pH-Wert, Eiweiß, Traubenzucker (Glukose), rote und weiße Blutkörperchen und Nitrit an. Glukose gelangt zum Beispiel bei Diabetes inden Urin, weiße Blutkörperchen bei Blasen- und Nierenbeckenentzündungen.

Welche Tests macht das Labor?

Für speziellere Analysen schicken Kinderarztpraxen die Proben ins Labor. Hier können zum Beispiel mit speziellen Geräten die festen Urinbestandteile abgetrennt und dieses Sediment dann unter dem Mikroskop untersucht werden. Zur genauen Diagnose von Harnwegsinfekten dient die Urinkultur. Da­bei wachsen Bakterien aus dem Pipi auf einem Nährboden zu Kolonien heran. Ist klar, welcher Keim den Infekt verursacht hat, kann er gezielt behandelt werden.

Wie gewinnt man Urinproben bei Babys?

"Bei kleinen Säuglingen ist es ganz einfach", verrät Facharzt Benz, "die haben nämlich einen Pinkelreflex." Sacht auf die Blase klopfen und am Poansatz über die Wirbelsäule strei­chen – das stimuliert den Harnfluss. Jetzt muss man nur noch den Becher bereithalten. Ab einem Alter von etwa zwei Monaten verschwindet diese spontane Reaktion. Dann fängt ein selbstklebender Urinbeutel die begehrten Tropfen aus Babys Blase auf. In der Regel bringt ihn jemand vom Praxispersonal beim Kind an und Sie müssen nur warten, bis er sich füllt.

Funktioniert das auch zu Hause?

Manchmal klappt die Beutel-Methode im vertrauten Umfeld zu Hause besser als in der ärztlichen Praxis. Oft gehtʼs aber auch "unten ohne". Laut Kristin Becker, Kinderkrankenschwester und Hebamme aus Ellrich, fließt das Pipi nämlich in der Aufwachphase nach dem Schlafen sehr zuverlässig: "Einfach das Kind aus dem Bettchen heben und über einem sauberen Gefäß abhalten. Alternativ rät sie: "Legen Sie Ihr Baby nackt auf die Wickelkommode, sobald es munter wird, und halten Sie ein ausreichend großes Gefäß zum Auffangen bereit." Die aus dem freien Harnstrahl aufgefangene Urinprobe gelte in der Medizin als besonders wertvoll, weil sie im Gegensatz zum Beutelurin kaum verunreinigt sei.

Urinprobe auffangen: Wie klappt es bei älteren Kindern?

Im Kita-Alter spüren Kids zwar, wenn die Blase voll ist, tragen aber oft noch Windeln. "Manche gehen mit Mama oder Papa in die Praxis-Toilette und pinkeln dort ganz stolz in den Becher", berichtet Marcus Benz. Andere weigern sich, ihr kleines Geschäft auf Ansage zu machen. Damit es zu Hause auf Toi­lette oder Töpfchen besser klappt, helfen kleine Tricks: Geben Sie Ihrem Kind vorher viel zu trinken, lassen Sie Wasser aus dem Hahn laufen, versprechen Sie eine kleine Belohnung, etwa eine Runde Vorlesen. Oder warnen Sie in gespieltem Ernst: "Pinkle mir jaaa nicht auf die Finger!"

Muss der Becher steril sein?

Normalerweise nicht. Es genügt, wenn Sie das Pipi in einem gut ausgespülten Töpfchen oder anderen Gefäß auffangen und in einen sauberen, verschließbaren Becher umfüllen. Falls Ihr Kind direkt in einen Becher pinkelt, lassen Sie die ersten Tropfen danebengehen und sammeln Sie den Mittelstrahlurin. Dann heißt es: keine Zeit verlieren! Je frischer Sie die Probe in der Arztpraxis abliefern, umso besser für die Analyse.


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