Schilddrüsen-Erkrankungen bei Kindern

Wenn bei Kindern die Schilddrüse nicht richtig funktioniert, wirkt sich das auf ihre Entwicklung aus. Welche Störungen es gibt

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 22.06.2016

Die Schilddrüse spielt für den Stoffwechsel eine wichtige Rolle


Manchmal sind Babys klar im Vorteil. Kurz nach der Geburt wird bei ­ihnen der TSH-Wert im Blut gecheckt. Der Sinn des Screenings: Ist der für die Schilddrüse wichtige Wert erhöht, erhalten die Kleinen sofort fehlendes Schilddrüsenhormon.

Das Organ, das aussieht wie ein zarter Schmetterling, regelt im Körper viele ­­Stoffwechselvor­gänge. Funktioniert es nicht richtig, hat das fatale Folgen: "Es führt zu ­einer verzögerten geistigen und körperlichen Entwicklung", sagt Professor Carl-Joachim Partsch, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am Endokrinologikum in Hamburg. Schnell behandelt, haben die Kinder keine Probleme.

Viele Fälle bleiben unerkannt

Was aber, wenn Schilddrüsenprobleme später auftreten? "Wir nehmen an, dass die Zahl betroffener Kinder zunimmt. Harte Daten gibt es dazu aber nicht, weil viele Erkrankungen unerkannt bleiben", meint Partsch. Theoretisch kann man in jedem Alter erkranken. Die Symptome sind oft nicht eindeutig. "Müde sind Kinder häufig mal, besonders in der Pubertät. Dass sie schlecht schlafen, lässt einen zunächst auch nicht aufhorchen", sagt Partsch. Ein Zeichen ist, wenn das Kind ­einen Kropf hat. "Dann sollte es zu einem Spezialisten", so Partsch.

Autoimmunerkrankungen bei Kindern häufig

Am häufigsten kommt bei Kindern, meist ab dem frühen Jugendalter, eine Hashimoto-Thyreoiditis vor. Dabei greift das Abwehr­sys­tem das Gewebe der Schild­drüse an. Eine Unterfunk­tion ist die Folge. "Dies lässt sich aber sehr gut und ohne Nebenwirkungen mit Schilddrüsenhormonen behandeln", erklärt Partsch. Eine­ Überfunktion, die ­"Basedowsche Erkrankung" ist ebenfalls ­eine Auto­immunerkrankung. Sie kommt selten vor. Auch sie lässt sich zunächst mit Medikamenten beherrschen, oft muss die Schilddrüse später im Leben entfernt werden.

Schilddrüse wird bei Jugendlichen oft automatisch untersucht

Ab der Pubertät ­empfiehlt Partsch, den TSH-Wert unter­suchen zu ­lassen, wenn Symptome vorliegen, etwa eine Schilddrüsenvergrößerung. Ärzte führen dies­ oft ohne­hin im Rahmen der Vorsorge­untersuchung J1 durch. Werden Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse behandelt, wachsen Kinder völlig normal heran – und können die Entwicklungsrückstände, die durch die Erkrankung entstanden sind, oft wieder auf­holen.


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