RSV-Infektion: Gefahr für die Atemwege

Keuchender Husten, schweres Atmen bis hin zur Luftnot: Eine Erkrankung mit dem RS-Virus kann vor allem für Früh- und Neugeborene gefährlich werden. Was schützt die Kleinen?

von Tanja Pöpperl, 07.12.2016

Angriff auf die Atemwege: Eine RSV-Infektion kann zur Lungenentzündung führen


Das Baby hustet, fiebert und wirkt schlapp – immer ein Grund zur Sorge für die Eltern. Aber dass der Kinderarzt nach eingehender Untersuchung das Kleine sogar in die Klinik überweist, damit rechnet man nicht. "Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern können von einem besonders aggressiven Virus, dem RSV (Respiratorisches Synzytial Virus) ausgelöst werden", erklärt Privatdozent Dr. Harald Ehrhardt, leitender Oberarzt der Neonatologie am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Gießen und Marburg.

"Die Krankheit verläuft gerade bei Neugeborenen teilweise schwerwiegend, und es kommt in manchen Fällen zu starken Atembeschwerden, die eine stationäre Behandlung notwendig machen." Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) wurde die Verbreitung des RS-Virus lange Zeit unterbewertet. Inzwischen schätzen Experten, dass allein im ersten Lebensjahr weltweit knapp 50 von 1000 Kindern erkranken.

Bei pfeifenden Atemgeräuschen zum Kinderarzt

Einfache Erkältung oder RSV-Infektion? Für Eltern ist das kaum zu unterscheiden. Doch sobald zusätzlich zum Husten ein sogenanntes Giemen – also pfeifende Atemgeräusche – auftritt und das Baby unregelmäßig atmet oder längere Pausen beim Luftholen macht, sollten sie dringend zum Kinderarzt gehen.

"Häufig kommt es bei einer RSV-Infektion zu einer Lungenentzündung oder Bronchiolitis, einer Entzündung der kleinen bronchialen Verästelungen", sagt Dr. Tanja Brunnert aus Göttingen, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Niedersachsen. "Die unteren Atemwege verengen sich. Das kann bis hin zu bedrohlichen Atemaussetzern und einer mangelnden Sauerstoffversorgung der Kinder führen."

RSV-Infektion: Risikokinder müssen oft ins Krankenhaus

Anhand eines Schnelltests, bei dem ein Abstrich aus dem Rachen genommen wird, lässt sich das RS-Virus innerhalb weniger Stunden nachweisen. Bei Erwachsenen oder auch größeren, grundsätzlich gesunden Kindern verläuft die Infektion meist unkompliziert. Säuglinge im ersten Lebensjahr und vor allem frühgeborene Babys zählen jedoch zur Risikogruppe. "Eine Frühgeburt erhöht die Gefahr von Atemwegskomplikationen, weil die Lungenentwicklung oft noch nicht abgeschlossen ist", so Brunnert. "Auch ein angeborener Herzfehler oder ein Immundefekt können dazu führen, dass erkrankte Kinder in der Klinik überwacht werden müssen."

Das Virus selbst lässt sich mit Medikamenten nicht ausmerzen, nur die Symptome können behandelt werden. Dabei steht das Befeuchten und Erweitern der Atemwege an erster Stelle, etwa durch Inhalation mit Kochsalzlösung. Bei schweren Verläufen wird eventuell Adrenalin gegeben, eine Substanz, die bronchienerweiternd und entzündungshemmend wirkt. "Schwer erkrankte Kinder brauchen meist zusätzlichen Sauerstoff, den wir in der Regel über eine Maske verabreichen. Wirklich selten, bei einem ungünstigen Verlauf, muss künstlich beatmet werden", sagt Ehrhardt. Zum Glück erholt sich der Großteil der Kleinen unter ärztlicher Obhut recht schnell, so dass sie die Kinderstation nach etwa fünf bis sieben Tagen normalerweise wieder verlassen dürfen.

Es existiert kein Impfstoff gegen das RS-Virus

Leider können Eltern einer RSV-Infektion nicht zuverlässig vorbeugen, weil bisher kein Impfstoff existiert. Was also tun während der Hochsaison der RS-Viren zwischen Oktober und April? "Es besteht die Möglichkeit, vorbelasteten Kindern während der Saison alle vier Wochen synthetisch hergestellte Abwehrstoffe gegen das Virus zu spritzen. Das ist etwa bei sehr kleinen Frühgeborenen angezeigt, die vor der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt kamen", erklärt Brunnert. Einen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion liefert diese Maßnahme nicht, aber es erkrankt nur etwa die Hälfte der behandelten Kinder. Zusätzlich sinken die Komplikationsrate und die Dauer des Klinikaufenthalts.

In der Virensaison mögliche Ansteckungsquellen meiden

Da eine RSV-Infektion nicht unter das Meldegesetz fällt und gerade bei größeren Kindern oft unerkannt bleibt, tummeln sich die Erreger von Herbst bis Frühjahr gerne in Betreuungseinrichtungen. "Häufiges Händewaschen reduziert zumindest das Risiko einer Ansteckung", sagt Ehrhardt. "Wichtig zu wissen ist, dass eine einmalige Infektion keinen nachhaltigen Antikörperschutz bietet, es sind auch wiederholte RSV-Infekte möglich."

Bei kleinen Risikopatienten rät Brunnert, im ersten Lebensjahr größere Menschenansammlungen in der Virensaison zu meiden. Auch Kurse für Babyschwimmen oder das Herumreichen des Säuglings bei Familienfesten, wo jeder knuddeln und küssen will, hält die Ärztin für vermeidbare Ansteckungsquellen. Eine rauchfreie Umgebung sollte selbstverständlich sein.


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