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Eiterflechte: Hautinfektion trifft oft Kinder

Mediziner nennen sie Impetigo contagiosa, umgangssprachlich heißt die Erkrankung auch Eitergrind, Borkenflechte oder Grindblasen. Wie es dazu kommt und wie Ärzte sie behandeln

von Sandra Schmid, aktualisiert am 25.02.2021

Wie eine Eiterflechte behandelt wird und wann das Kind wieder in die Kita darf, erklären unsere Experten


Der warme Sommer ist die Lieblingsjahreszeit so mancher Bakterien. Auch die Ausbreitung der Impetigo contagiosa, besser bekannt als Grind- oder Eiterflechte, hat in den heißen Monaten des Jahres aufgrund der günstigen Lebensbedingungen für die verantwortlichen Keime ihren Höhepunkt. Bei dieser äußerst ansteckenden Krankheit handelt es sich um eine bakterielle Infektion. An den befallenen Hautstellen bilden sich Bläschen, die Flüssigkeit oder Eiter enthalten (Pusteln), und im weiteren Verlauf verkrusten.

Die Eiterflechte kann zwar in allen Altersgruppen auftreten, aber hauptsächlich sind Kinder davon betroffen. "Je jünger die Kinder sind, desto öfter kommt das vor", sagt Dr. Josef Kriesmair, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in München.

Symptome der Eiterflechte

Die Flechte kann am ganzen Körper auftreten, hauptsächlich sind aber das Gesicht – vor allem der Bereich um Mund und Nase – sowie Arme und Beine betroffen. Und auf Ekzemen – recht häufig. Zunächst kommt es zu Hautrötungen und zur Bildung von kleinen, mit Flüssigkeit oder Eiter gefüllten Pusteln. Diese können schon zu Beginn unangenehm jucken. Die Gefahr gerade bei kleinen Kindern: Wenn sie die Blasen aufkratzen, werden erneut Keime freigesetzt und die Infektion kann sich auf weitere Körperstellen ausbreiten.

Brechen die Pusteln durch Kratzen auf oder platzen sie, beginnt die gerötete Haut darunter zu nässen. Wenn die Bläschen im Verlauf der Infektionskrankheit eintrocknen, bilden sich honigfarbene bis braune Krusten, die ebenfalls unangenehm jucken können. Je nach Form des Ausschlags können auch nahegelegene Lymphknoten anschwellen und es kann leichtes Fieber auftreten.

Ursprung der Impetigo contagiosa

"In der Regel ist die Impetigo contagiosa eine Zweitinfektion", erklärt Kriesmair. Das bedeutet: Die Keime befinden sich oftmals bereits auf der Haut, sind aber noch nicht krankheitserregend. Erst durch offene Wunden wie eingerissene Mundwinkel, Ekzeme oder Kratzer, die zu kleinen Einrissen in der Haut führen, können Eiterflechten-Bakterien in den Körper gelangen. Besonders gefährdet sind dabei Kinder mit Neurodermitis.

Bei der Impetigo contagiosa unterscheiden Mediziner zwischen dem kleinblasigen und dem großblasigen Typ. Bestimmte Staphylokokken und Streptokokken (Staphylococcus aureus und Gruppe-A-Streptokokken) können die Grindflechte verursachen.

Eiterflechte: So verläuft die Ansteckung

Bei der Eiterflechte handelt es sich um eine Schmierinfektion. Deswegen ist die Ansteckungsgefahr in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Krippen, Schulen oder auch Sportvereinen besonders hoch. Kinder, die unter dem Ausschlag leiden, müssen für die Dauer der Erkrankung unbedingt von diesen Einrichtungen fern bleiben.

Wichtig sind zudem allgemeine Hygienemaßnahmen. Dazu zählt, das Kratzen tunlichst zu vermeiden. Tipp: Den Kindern die Fingernägel für diese Zeit ganz kurz schneiden und rund abfeilen, um die Gefahr des Aufkratzens zu minimieren. Außerdem gilt: Die Kinder sollten sich häufig die Hände waschen. Kleidung, Bettwäsche und Handtücher der Kleinen sollten nach dem Tragen oder Benutzen bei möglichst hohen Temperaturen über 60 Grad Celsius gewaschen werden. Da auch eine indirekte Übertragung möglich ist, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass beispielsweise nicht aus dem gleichen Glas getrunken oder das Besteck geteilt wird.

Meist harmlos

Ist ein Familienmitglied an Impetigo erkrankt, gilt eine erhöhte Vorsicht: Achten Sie besonders darauf, ob die Geschwisterkinder Insektenstiche oder offene Eintrittsstellen auf der Haut aufweisen. Grund zur Panik besteht aber nicht. Impetigo ist an sich eine harmlose Erkrankung, die meist auch ohne Behandlung abheilt und in der Regel keine Narben hinterlässt. Wenn die Hautoberfläche gesunder Kinder vollkommen geschlossen ist – also keine potenziellen Eintrittsstellen vorhanden sind und das Immunsystem intakt ist – erkranken andere Familienmitglieder nicht unbedingt automatisch.

Verlauf der Infektion

Bis nach einer Infektion die ersten Symptome auftreten, können zwischen zwei und zehn Tagen vergehen. Als infektiös gilt die Impetigo contagiosa "bis keine ansteckungsfähigen Keime mehr vorhanden sind. Die Wunden müssen dazu richtig geschlossen und abgeheilt sein", erklärt Kinderarzt Kriesmair.

Halten Betroffene die hygienischen Maßnahmen in Kombination mit der medikamentösen Behandlung strikt ein, bleiben in der Regel keine Folgeschäden, und die Krusten fallen irgendwann von der inzwischen gesundeten Haut ab. Nur in sehr seltenen Fällen kann es einige Wochen später zu einer akuten Nierenentzündung kommen.

Therapie: Wie wird die Eiterflechte behandelt?

Neben den bereits geschilderten hygienischen Vorkehrungen wird der Kinderarzt nach der klinischen Diagnose (Abstrich) – aber auch den subjektiven Beschwerden der kleinen Patienten – entscheiden, welche Therapie geeignet ist. Bei leichteren Fällen können gut abgegrenzte Flächen antiseptisch, desinfizierend und mit einer Antibiotika-Salbe behandelt werden.

Bei ausgeprägten Entzündungen mit Fieber und Lymphknotenschwellen sowie bei wiederholten Erkrankungen empfiehlt Kriesmair eine systemische Behandlung mit Antibiotika – bei Kindern in Form von Saft oder Tabletten. Das gilt umso mehr, je jünger die Kinder sind. "Gerade Säuglinge sind gefährdet", sagt Kriesmair.


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