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Blinddarmentzündung: Was sind Anzeichen?

Starke Bauchschmerzen, womöglich zusammen mit Übelkeit, Erbrechen oder Fieber: dahinter kann eine Blinddarmentzündung stecken. Wie Eltern dann vorgehen sollten

von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 04.01.2019
Kinderärztin

Dringend zum Arzt müssen Kinder bei starken Bauchschmerzen


Morgens hat Moritz noch fröhlich gespielt. Mittags ist der Zweijährige wie ausgewechselt: Er mag nichts essen, ist weinerlich und legt sich freiwillig hin. Seiner Mutter ist das nicht geheuer, sie sucht am selben Tag den Kinderarzt auf. Dem gefällt der Bauch nicht, er vermutet, dass Moritz eine Blinddarmentzündung hat. Daher überweist er ihn an die Klinik für Kinderchirurgie.

Eine Appendizitis, so der Fachausdruck, kann in jedem Alter vorkommen. Am häufigsten tritt sie zwischen dem sechsten und zwölften Lebensjahr auf, mit einer zweiten Spitze in der Pubertät.

Dr. Hermann Josef Kahl

Bauchweh bei Kindern nicht unterschätzen

"Auch heute noch kann eine Blinddarmentzündung gefährlich sein, wenn sie zu spät erkannt oder behandelt wird", erklärt Dr. Hermann Josef Kahl vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte aus Düsseldorf. Unterschätzen sollten Eltern Bauchschmerzen bei Kindern deshalb nicht, vor allem, wenn noch Symptome wie Fieber, Übelkeit und Erbrechen dazukommen.

Eine Blinddarmentzündung ist oft schwierig zu erkennen. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen beginnen die Schmerzen – häufig kolikartig – im Mittelbauch um den Nabel herum und wandern innerhalb von Stunden in den rechten Unterbauch. Beim Umherlaufen oder Husten verschlechtern sie sich. Das Kind kann nur gekrümmt stehen, will auf den Arm oder liegt mit angezogenen Beinen im Bett. Die Bauchdecke fühlt sich prall und gespannt an. Dazu kommen oft Übelkeit, gelegentlich Erbrechen sowie leichtes Fieber.

Dr. med. Tobias Schuster

Lieber einmal mehr zum Arzt

Dr. Tobias Schuster von der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie hat regelmäßig kleine Patienten mit einem perforierten Blinddarm, die noch nicht sprechen und weder Ort noch Art ihrer Schmerzen benennen können. "Eltern sollten lieber einmal mehr als weniger mit ihrem Kind zum Arzt", rät Schuster, der auch Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg ist.

Für Bauchschmerzen bei Kindern gibt es viele mögliche Ursachen wie ein Magen-Darm-Infekt, Harnstau, Verstopfung, Hodentorsion oder ein verdrehter Eierstock, Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten oder seelische Probleme. Umso wichtiger ist eine gründliche körperliche Untersuchung und die Befragung von Kind und Eltern durch den Arzt. "Je kleiner das Kind, desto schwieriger ist die Beurteilung des Bauches, um eine Appendizitis auszuschließen", sagt Tobias Schuster.

Der Arzt untersucht das Kleine, indem er den Bauch abtastet, eventuell auch einen Ultraschall oder eine Blutanalyse macht. Betroffen ist übrigens nicht der Blinddarm am Übergang vom Dünn- in den Dickdarm, sondern sein etwa fingergroßes Anhängsel, der Wurmfortsatz. Er hat ein blindes Ende, bildet folglich eine Sackgasse. Bleibt zum Beispiel ein Obstkern oder ein verhärtetes Stückchen Stuhl darin hängen, können sich Bakterien festsetzen und eine eitrige Entzündung auslösen.

Operation soll Blinddarmdurchbruch vermeiden

Zeigt sich im Ultraschall, dass die Wand des Wurmfortsatzes verdickt und das Gewebe darum herum geschwollen ist, muss er in der Regel raus. Entschieden wird aber immer im Zusammenhang mit den anderen Symptomen. Oft sind dieses aber nicht so eindeutig – und die Ursache bleibt zunächst unklar. Dann wird der kleine Patient erst einmal stationär aufgenommen und mehrere Stunden beobachtet, bevor die Ärzte sich für oder gegen einen Eingriff entscheiden. Die Kunst sei, nicht unnötigerweise zu operieren, ohne eine fortschreitende Appendizitis zu übersehen, sagt Tobias Schuster.

Unter Umständen muss schnell operiert werden, um einen Blinddarmdurchbruch zu vermeiden: Dabei platzt das vereiterte Gewebe, Keime und Stuhl ergießen sich in den Bauchraum, die Entzündung breitet sich dort aus. Das passiert oft bereits 24 bis 48 Stunden nach den ersten Symptomen. Beim Blinddarmdurchbruch lassen die Schmerzen eventuell zuerst nach, kehren aber einige Zeit später schlimmer als zuvor wieder zurück. Der Allgemeinzustand kann sich sichtlich verschlechtern.

Nicht unnötig operieren, aber rechtzeitig

Heute operieren Ärzte schonender als früher. In drei von vier Fällen erfolgt der Eingriff durch eine Schlüsselloch-OP (Laparoskopie). Durch zwei ­kleine Schnitte in der Bauchdecke kann der Chirurg über dünne Rohre mit speziellen Instrumenten in der Bauchhöhle operieren. Dabei hat das OP-Team mittels einer Kamera über einen dritten Zugang Sicht in das Bauch­­innere und auf die Instrumente. Nach 30 bis 60 Minuten ist alles vorbei. Die Kinder können drei bis fünf Tage nach der OP nach Hause gehen. Vorausgesetzt, sie haben kein Fieber, die Wunde verheilt gut und sie haben wieder Appetit und Stuhlgang.

Ob Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Abszessbildung auftreten, hängt von der Schwere der Entzündung ab. Nur sehr selten muss das Kind noch einmal sta­tionär in die Klinik.

Reicht auch ein Antibiotikum?

Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob man milde Fälle von Appendizitis auch mit einem Antibiotikum behandeln könne. Unter anderem will man den Wurmfortsatz erhalten – wegen seiner Funktion für die Immunabwehr und weil er nach neuen Erkenntnissen ein wichtiges Reservoir für nützliche Darmbakterien sein kann, mithilfe derer sich der Darm nach einem schweren Infekt leichter erholen kann. Doch die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) zeigt sich nach wie vor skeptisch.

Bislang sei nicht sicher geklärt, bei welchen Patienten eine Antibiotikatherapie tatsächlich ausreichen könnte. Außerdem hätte sich in Studien aus den USA gezeigt, dass die Entzündung zwar erst einmal ab­klinge, danach aber in ­etlichen Fällen wiederkäme. "Die Familien können sich also nicht sicher sein, dass die Appendizitis unter Antibio­tika komplett ausheilt. Sie müssen damit rechnen, dass die Entzündung unter Umständen irgendwann akut wird und schnell operiert werden muss", sagt To­bias Schuster, Pressesprecher der DGKCH.

Blinddarm-Operation

Die Blinddarm-Operation

Chirurgen entfernen den entzündeten Wurmfortsatz heutzutage meist ohne offene Operation, mithilfe der sogenannten Schlüssellochmethode. Dabei führt der Arzt ­seine Instrumente durch zwei kleine Schnitte in den Bauchraum. Über ­einen dritten Zugang am Nabel wird ­eine Minikamera platziert. So sieht der Operateur, was er macht. Die Blutgefäße des Wurmfortsatzes werden verödet, dann wird er abgebunden und entfernt.


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