Was ist eine Darmeinstülpung?

Vor allem bei Kindern unter zwei Jahren kann sich ein Darmabschnitt in den nachfolgenden Darmanteil schieben. Diese Darmeinstülpung oder Invagination muss sofort behandelt werden

von Dr. med. Dagmar Schneck, aktualisiert am 05.12.2014

Verdacht auf Darmeinstülpung? Die Tastuntersuchung kann Hinweise liefern


Was ist eine Invagination?

Von einer Invagination (oder Intussuszeption) sprechen Ärzte, wenn sich Darmanteile teleskopartig ineinander verschieben. Das passiert vorwiegend bei Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren.

Meistens stülpt sich das untere Ende des Dünndarms (das Ileum) in den obersten Abschnitt des Dickdarmes (das Zökum) hinein. Dieses Krankheitsbild heißt ileozoekale Invagination.

In der Folge wird die Blutversorgung der entsprechenden Darmabschnitte unterbrochen. Es droht eine Schädigung bis hin zu einem Absterben der Darmwand. Weitere Komplikationen sind ein Darmverschluss, ein Durchbrechen des Darmes (Perforation) und eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis). Eine rasche Therapie ist deshalb wichtig.

Warum kommt es zu einer Invagination?

In den meisten Fällen findet man keinen eindeutigen Auslöser für eine Invagination. Experten vermuten einen Zusammenhang mit Virusinfektionen oder Darmentzündungen. Sie führen zu einer verstärkten Darmtätigkeit (Peristaltik) und zu Veränderungen in der Struktur der Darmwand. Beides begünstigt ein Ineinandergleiten von Darmanteilen.

Bei zehn Prozent der Betroffenen finden Ärzte vergrößerte Lymphknoten, bestimmte Fehlbildungen oder Tumoren am Darm, die die Invagination erklären. Vergrößerte Lymphknoten können im Rahmen von Darminfektionen entstehen. Sie bilden sich später meist wieder zurück. Bei bleibenden Veränderungen an der Form des Darmes kommt es oft zu wiederholten Invaginationen.

Welche Beschwerden treten auf?

Im typischen Fall erleiden die betroffenen Kinder bei einer Invagination plötzlich einsetzende krampfartige Bauchschmerzen. Charakteristisch ist schrilles Schreien mit angezogenen Beinen. Die Kinder sind auffällig blass. Es kann zu wiederkehrendem Erbrechen kommen. Auch schmerzfreie Intervalle können vorkommen.

Bei schweren Verläufen sind auch Zeichen einer Austrocknung möglich. Die Kinder haben einen trockenen Mund und sind sehr schlapp. Wasserlassen müssen sie auffällig wenig. Dabei fällt oft ein dunkler Urin auf. Besteht eine Invagination länger fort, können blutig-schleimige Durchfälle auftreten. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Himbeergelee.

Nicht immer sind die Symptome bei einer Invagination eindeutig. Im Zweifel muss auf jeden Fall eine rasche ärztliche Abklärung erfolgen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Oft kann der Arzt die Invagination als walzenförmige Struktur unter der Bauchwand tasten und typisch veränderte Darmgeräusche hören. Eine Ultraschalluntersuchung zeigt weitere Erkrankungszeichen. Auch Komplikationen einer Invagination sind damit für den Arzt erkennbar. Bestimmte Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Entzündungen, zum Beispiel des Bauchfells.

Wie sieht die Behandlung aus?

Solange keine Komplikationen vorliegen oder auslösende Ursachen wie Tumoren bekannt sind, versucht der Arzt die Invagination ohne Operation, also konservativ zu beheben.

Dazu stehen zwei Verfahren zur Verfügung. Der Arzt führt ein Darmrohr in den Enddarm ein. Darüber verabreicht er mit einem festgelegten Druck Kochsalzlösung. Diese Flüssigkeit spült den eingestülpten Darm wieder aus dem unteren Darmabschnitt heraus nach oben. Dieses Verfahren heißt hydrostatische Desinvagination. Das bedeutet in etwa "das Aufheben einer Einstülpung mit Hilfe von Wasser".

Die zweite Möglichkeit besteht darin, ebenfalls über ein Darmrohr unter einem bestimmten Druck Luft in den Enddarm einzubringen. Das heißt dann pneumatische Desinvagination, also "das Aufheben einer Einstülpung mit Hilfe von Luft".

Für die Behandlung ist üblicherweise eine Kurznarkose des Kindes notwendig. Den Erfolg der Therapie kontrolliert der Arzt durch eine Ultraschalluntersuchung. Eine Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel ist im Regelfall nicht erforderlich. Nach erfolgreicher Behandlung ist es üblich, das Kind für 24 Stunden im Krankenhaus zu überwachen. In der Regel findet vor der Entlassung noch eine Ultraschallkontrolle statt.

Wann ist eine Operation nötig?

Eine Operation ist dann nötig, wenn Komplikationen wahrscheinlich sind oder wenn die konservative Behandlung erfolglos war. Auch wenn auslösende Fehlbildungen oder Tumoren vorhanden sind, muss der Arzt die Darmeinstülpung durch eine Operation beheben.

Das Operationsverfahren ist von der Situation abhängig. Wenn ein Kinderchirurg über entsprechende Erfahrung verfügt, ist es unter Umständen möglich, eine Invagination auch mit minimal invasiver Technik, also im Rahmen einer Bauchspiegelung zu beseitigen. Gelingt diese Behandlung nicht, ist eine Eröffnung der Bauchhöhle ("offene Operation") nötig.

Manchmal lässt sich die Invagination bei der Operation lösen, in einigen Fällen ist es aber auch notwendig, die ineinander gestülpten Darmanteile als Ganzes zu entfernen.

Wenn es zu erneuten Invaginationen kommt, kann ein Kinderchirurg den Dünndarm in einer Bauchspiegelung mit einigen Nähten an den Dickdarm anheften. Diese Operation kann eine erneute Einstülpung verhindern.

Beratender Experte

Professor Dr. med. Benno Ure ist Direktor des Zentrums Kinderchirurgie Hannover. Seine klinischen Schwerpunkte sind Neugeborenenchirurgie, Thorax- und Abdominalchirurgie beim Kind. Herr Professor Ure ist President Elect der European Pediatric Surgeons Association (EUPSA) und führendes Mitglied zahlreicher internationaler Fachgesellschaften und Fachgremien.

Quelle: Letlinien der deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie, Invagination, AWMF-Registernummer 006/027, Stand August 2013. Online http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-027l_S1_Invagination_2013-08.pdf (Abruf am 05.12.2014)

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.


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