Kindergeld: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wann und wie lange bekommen Eltern Kindergeld? Und wo können sie es beantragen? Wir haben die Antworten auf die dringlichsten Fragen zum Thema für Sie zusammengestellt

von Anke Gasch, aktualisiert am 11.01.2018

Den Antrag für das Kindergeld können Sie ganz einfach online herunterladen


Wer bekommt Kindergeld?

Eltern, die in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind. Das gilt für deutsche Eltern ebenso wie für Eltern, die EU-Bürger, Staatsangehörige von Island, Norwegen, Liechtenstein oder der Schweiz sind. Für Ausländer, die aus anderen Staaten kommen, gelten besondere Regelungen.

Anspruchsberechtigt können neben leiblichen Eltern auch Adoptiv-, Stief-, Groß- oder Pflegeeltern sein. Allerdings kann immer nur eine Person Kindergeld für das entsprechende Kind erhalten. Und das ist grundsätzlich die, in deren Haushalt das Kind lebt und von der es hauptsächlich betreut und versorgt wird.

Was gilt für Alleinerziehende?

Bei Alleinerziehenden erhält nur der Elternteil Kindergeld, in dessen Haushalt das Kind überwiegend lebt.

Wie und wo kann ich das Kindergeld beantragen?

Das Kindergeld muss immer schriftlich beantragt werden, und zwar bei der zuständigen Familienkasse, die sich oft im Gebäude der ortsansässigen Agentur für Arbeit befindet. Die Anschrift der für Sie zuständigen Familienkasse finden Sie auf www.familien-wegweiser.de. Angehörige des öffentlichen Dienstes, wie Beamte und Empfänger von Versorgungsbezügen, stellen den Antrag bei der Stelle, die auch sonst ihre Bezüge festsetzt.

Unser Tipp: Das Antragsformular schon zum Ende der Schwangerschaft anfordern oder beispielsweise von der Bundesagentur für Arbeit herunterladen und so weit wie möglich ausfüllen. Ist das Baby da, können Sie den Antrag schnell versandfertig machen. Der Vorteil: Je eher Ihr Antrag vorliegt, desto früher landet das Geld auf Ihrem Konto.

Wann beantrage ich das Kindergeld?

Sobald Ihr Kind auf der Welt ist, können Sie Kindergeld beantragen. Achtung: Statt wie bisher vier Jahre, können Eltern das Kindergeld ab 1. Januar 2018 nur noch sechs Monate rückwirkend erhalten. Noch kürzer ist die Frist beim Elterngeld. Diese familienpolitische Leistung wird nur für drei Monate rückwirkend gezahlt.

Wie wird das Kindergeld gezahlt und wie viel gibt es?

Das Kindergeld wird monatlich gezahlt, per Überweisung auf Ihr Konto. Derzeit gibt es für das erste und zweite Kind je 194 Euro, für das dritte Kind 200 Euro und für jedes weitere 225 Euro pro Monat.

Die Zahlung erfolgt im Laufe des Monats. Sie wollen es genauer wissen? Werfen Sie einen Blick auf Ihre Kindergeldnummer: Ist die letzte Zahl eine Eins, bekommen Sie das Geld beispielsweise am Anfang des Monats. Bei einer Neun als letzte Ziffer, erfolgt die Auszahlung gegen Ende des jeweiligen Monats. Die konkreten Termine können Sie unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 / 4 5555 33 erfragen.

Wie lange bekomme ich Kindergeld?

Grundsätzlich ab Geburt Ihres Kindes bis zu seinem 18. Geburtstag.

Für Kinder über 18 gibt es Kindergeld bis zum 25. Geburtstag, wenn …

  • diese zur Schule gehen, studieren oder in Berufsausbildung sind
  • einen Ausbildungsplatz suchen
  • bestimmte Freiwilligendienste ableisten (zum Beispiel Freiwilliges Soziales Jahr/ Freiwilliges Ökologisches Jahr)
  • sich in einer Übergangszeit befinden. Gezahlt wird dann bis zu vier Monate lang, zum Beispiel in der Zeit zwischen Schulabschluss und Beginn der Berufsausbildung sowie vor und nach dem freiwilligen Wehrdienst oder einem Freiwilligendienst.

bis zum 21. Geburtstag, wenn

  • sie arbeitsuchend gemeldet sind

Ist ein Kind behindert und deshalb nicht in der Lage, selbst für seinen Unterhalt zu sorgen, bekommen die Eltern das Kindergeld ohne zeitliche Begrenzung. Allerdings muss die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten sein.

Gibt es Einkommensgrenzen?

Das Kindergeld wird unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt. Durchlaufen Ihre volljährigen Kinder die erste Berufsausbildung oder ihr erstes Studium, wird auch nicht geprüft, wie hoch deren Einkommen ist. Sie oder Ihre Kinder erhalten auf Antrag weiterhin das volle Kindergeld.

Hängen Ihre Kinder noch eine zweite Ausbildung dran, gibt es Kindergeld, wenn

  • Ihr Kind weniger als 20 Stunden pro Woche jobbt
  • sich in einem Ausbildungsdienstverhältnis befindet
  • einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht

Welche Eltern bekommen einen Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag ist für Eltern gedacht, die mit ihrem Einkommen zwar ihren eigenen Bedarf (also das, was sie notwendigerweise zum Leben brauchen) abdecken, aufgrund des Bedarfs ihrer Kinder aber Anspruch auf Arbeitslosengeld II (auch ALG II oder Hartz-IV genannt) bzw. Sozialgeld/Sozialhilfe hätten.

Eltern, die kein eigenes Einkommen haben und ausschließlich ALG II oder Sozialgeld beziehen, erhalten keinen Kinderzuschlag.

Alleinerziehende und Elternpaare haben Anspruch auf Kinderzuschlag für unverheiratete Kinder unter 25, die in ihrem Haushalt leben, wenn

  • sie für diese Kinder Kindergeld beziehen,
  • ihre monatlichen Einnahmen die Mindesteinkommensgrenze (für Paare sind es derzeit 900 Euro, für Alleinerziehende 600 Euro) erreichen,
  • ihr zu berücksichtigendes Einkommen und Vermögen die Höchsteinkommensgrenze nicht übersteigt und
  • der Bedarf ihrer Familie durch die Zahlung von Kinderzuschlag gedeckt ist und sie deshalb keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld haben.

Der Kinderzuschlag beträgt bis zu 170 Euro pro Kind und Monat. Er wird zusammen mit dem Kindergeld überwiesen und muss schriftlich bei der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

Ich bin arbeitslos. Was sollte ich wissen?

Das übliche Arbeitslosengeld (auch ALG I) beträgt 60 Prozent des letzten Nettogehalts. Wer kindergeldberechtigte Kinder hat, erhält den erhöhten Leistungssatz von 67 Prozent. Arbeitslosengeld-II-Empfängern wird das Kindergeld angerechnet. Das heißt, die Summe, die an ALG II bezogen wird, wird gegebenenfalls um das gesamte Kindergeld gekürzt.

Was ist der Kinderfreibetrag?

Unsere Verfassung schreibt die steuerliche Freistellung eines Einkommensbetrages vor, der das sächliche Existenzminimum (Essen, Kleidung etc.) von Kindern umfasst und den Bedarf für ihre Betreuung und Erziehung oder Ausbildung. Diese Freistellung erfolgt pro Kalenderjahr zunächst immer durch Auszahlung des Kindergeldes, kann letztlich aber auch durch den Kinderfreibetrag geschehen. Der Kinderfreibetrag ist also ein Steuerfreibetrag. Er beträgt 4788 Euro pro Kind und Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepartnern insgesamt 7.428 Euro.

Interessant im Sinne einer höheren steuerlichen Entlastung ist er meist nur für besserverdienende Eltern. Bei der Veranlagung der Eltern zur Einkommensteuer prüft das Finanzamt, ob das Existenzminimum der Kinder durch das erhaltene Kindergeld steuerfrei gestellt wurde. Ist dies nicht der Fall, werden die Freibeträge für Kinder vom Einkommen abgezogen und mit dem Kindergeldanspruch verrechnet. Grob vereinfacht lässt es sich so darstellen: Steuerersparnis durch den Kinderfreibetrag – erhaltenes Kindergeld = Erstattungsbetrag. Was bedeutet, dass letztendlich alle Eltern steuerlich so behandelt werden, wie es für ihre Familie am günstigsten ist.


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