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Hund und Kind im Alltag: Was beachten?

Der Familienhund kann fürs Kind bereichernd sein. Bis zu einem gewissen Alter sollten Eltern die beiden jedoch auf Abstand halten

von Daniela Frank, aktualisiert am 13.08.2015
Hund schaut eifersüchtig auf Kind

Ein Hund braucht Freiraum: Dann ist die Gefahr von Beißunfällen mit dem Kind gering


Ein Haustier kann Naturverbundenheit, Verantwortungsbewusstsein und Mitgefühl bei Kindern fördern. Besonders Hunde sind präsente und soziale Partner. Aber vor allem für Babys und Kleinkinder kann der Familienhund eine Gefahr darstellen. "Der Hund sieht ein Baby noch nicht als Mensch im Sinne eines Sozialpartners", sagt Dr. Ronald Lindner, praktischer Tierarzt und Tierverhaltenstherapeut. "Sondern eher als Konkurrenten oder als Beute."

Am Wichtigsten sei deshalb: Niemals sollten die Eltern Hund und Baby alleine lassen. Das gelte auch schon, wenn das Baby bei offener Tür im Kinderzimmer schläft, das der Hund eigentlich nicht betreten darf. Der Hund liegt im Wohnzimmer und man will "nur mal schnell was aus der Küche holen". "Auch ich selbst habe das so gehandhabt und hätte meinem Hund niemals getraut – und das meine ich nicht negativ", sagt Lindner. "Aber Hunde sind nun mal keine Menschen und Eltern haben eine Aufsichtspflicht."

Neugeborenes: Große Umstellung für den Hund

Kommt ein Baby, ist das für den Familienhund eine große Umstellung, auf die man ihn rechtzeitig vorbereiten sollte. Der Lärm, die Gerüche, die geteilte Aufmerksamkeit von Herrchen und Frauchen – all das bedeutet Stress für ihn. Deshalb ist es wichtig, dem Hund Ruhephasen zu ermöglichen und ihn an schönen Erlebnissen mit den Baby teilhaben zu lassen. Solche können zum Beispiel Spazierengehen mit dem Kinderwagen oder entspannte Nachmittage im Wohnzimmer sein.

"Wenn das Kind beim Entspannen auf dem Sofa zu schreien anfängt, kann die Mutter kurz rausgehen, um es zu stillen", sagt Lindner. "Nuckelt es dann ruhig an der Brust, kann sie wieder hereinkommen." Falsch findet der Experte zum Beispiel, den Hund das Kind ablecken zu lassen - was auch aus hygienischer Sicht unterbleiben sollte. "Er riecht es auch so", sagt er.

Krabbelzeit: Piken und kneifen sind Stress für den Hund

In der Krabbelzeit möchten Kinder am liebsten alles anfassen – auch den Hund. Ein Hund möchte dagegen nicht unsanft gepikt, gekniffen oder am Schwanz gezogen werden. Fühlt er sich in die Ecke gedrängt oder tut man ihm weh, kann es sein, dass er sich wehrt. Es ist dann also besonders wichtig, Kind und Hund niemals aus den Augen zu lassen: "Krabbelt das Kind auf den Hund zu und will ihn anfassen, sollten die Eltern es aus der Situation herausnehmen und vom Hund trennen", sagt Lindner. "Außerdem braucht der Hund immer die Möglichkeit, auszuweichen oder wegzulaufen, wenn er etwas nicht möchte."

Ein anderes Problem in dieser Zeit kann Spielzeug sein. Die Besitzverhältnisse sollten eindeutig geklärt sein: Das Kinderspielzeug ist für den Hund tabu und andersherum. Dass das Kind an das Spielzeug des Hundes geht, müssen die Eltern verhindern. Schnappt der Hund sich ein Spielzeug des Kindes, gilt: Auf keinen Fall das Kind zum Hund krabbeln lassen, um es ihm zu entreißen. "Mit dem Kind neben sich können Eltern das Aus-Kommando geben, sodass der Hund das Spielzeug fallen lässt", sagt Lindner. "Das Kommando sollte der Hund unbedingt rechtzeitig vorher gelernt haben." Alternativ können Eltern ihn herlocken und das Spielzeug gegen ein Leckerli tauschen.

Kann er beides nicht, sollten ihm die Eltern auf keinen Fall das Spielzeug aus dem Maul reißen. Das würde ihn unnötig frustrieren – wollte er doch spielen oder Aufmerksamkeit bekommen. Lässt er nicht von selbst los oder knurrt, sollten die Eltern mit dem Kind aus dem Zimmer gehen und ihn alleine lassen. "Das wird ihm nicht gefallen", sagt Lindner. "Vermutlich kommt er hinterher, dann kann man das Spielzeug gegen ein Leckerli oder Hundespielzeug tauschen – wenn er das haben will, muss er das Spielzeug ja loslassen." Fällt es aus seinem Maul zu Boden, sollten es ihm die Eltern unaufgeregt entziehen und so platzieren, dass er nicht mehr rankommt.

Kindergartenalter: Manchmal liegen die Nerven jetzt blank

"Fast alle Beißunfälle passieren mit dem Familienhund", sagt Lindner. "Am häufigsten betroffen sind Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren." Dass der Hund – oft auch tödlich – zubeißen wird, könne man nicht voraussehen. Lindners Theorie: Die Eltern haben Kind und Hund meist von Anfang an nicht konsequent getrennt. Nach jahrelangem Stress durch Lärm, Unruhe und Gepiesaktwerden ist das Maß beim Hund voll. Er beißt zu – und: "Für Erwachsene bedeutet ein Hundebiss in vielen Fällen nur einen blauen Fleck", sagt Lindner. "Bei der gleichen Beißkraft kann aber bei einem Dreijährigen die Hand ab sein."

Mädchen könne man manchmal schon ab einem Alter von vier oder fünf Jahren erklären, wie sie den Hund behandeln müssen, so der Experte. Sie seien oft vorsichtiger, mitfühlender und hielten sich eher an Anweisungen. "Jungen probieren in dieser Zeit meist gern Dinge aus", sagt Lindner. "Zum Beispiel, wie sehr sie jemanden ärgern oder ihm wehtun können." Er rät: Hund und Kind ab und zu trennen und dem Kind sagen, dass der Hund jetzt seine Ruhe braucht und es ihn erst später wieder sehen kann. "Das Kind wird das nicht gut finden und sich darum bemühen, seinen Spielkameraden zurückzubekommen", sagte er.

Wie man sich dem Familienhund gegenüber richtig verhält, können Eltern und Kinder ab vier Jahren mithilfe einer kostenpflichtigen DVD und einer Broschüre des Projekts Blauer Hund trainieren. In einer interaktiven Computergeschichte werden Alltagssituationen zwischen Hund und Kind dargestellt. Das internationale Projekt wird von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft* unterstützt.

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