Juckreiz in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft juckt die Haut plötzlich stark? Es bilden sich Rötungen, Knötchen oder Bläschen? Diese Symptome können auf eine Schwangerschaftsdermatose hindeuten
von Dr. Angela Unholzer, aktualisiert am 15.11.2016

Kommt es in der Schwangerschaft zu Juckreiz, kann dies belastend sein

istock/Fotostorm

Wichtig: Juckreiz in der Schwangerschaft kann zahlreiche Ursachen haben. Nicht immer handelt es sich um eine Schwangerschafts-dermatose. Juckreiz und Veränderungen an der Haut deshalb grundsätzlich vom Arzt abklären lassen! In der Schwangerschaft ist es außerdem sehr wichtig, jede Therapie sehr sorgfältig mit dem Arzt abzusprechen, um sicherzugehen, dass sie dem Ungeborenen nicht schadet.

Im Rahmen der Schwangerschaft kommt es normalerweise zu komplexen Veränderungen in Hormonhaushalt, Stoffwechsel und Immunsystem. Diese machen sich auch an der Haut bemerkbar: Die Pigmentierung nimmt zu, die Blutgefäße werden weiter gestellt und das Bindegewebe wird weicher. Diese Veränderungen können die Schwangere stören, sind im Normalfall aber nicht bedenklich.

Falls schon vorher Hauterkrankungen bestanden, kann die Schwangerschaft deren Verlauf beeinflussen. So bessert sich eine Schuppenflechte (Psoriasis) in der Regel deutlich, während Autoimmunkrankheiten wie der Lupus erythematodes sich vorübergehend verschlechtern können. Es kommt auch vor, dass eine Schwangere zufällig eine Hauterkrankung entwickelt, die in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Schwangerschaft steht. Beispiele hierfür sind eine akute Nesselsucht (akute Urtikaria), welche unter anderem durch einen grippalen Infekt ausgelöst werden kann, sowie die Milbenerkrankung Krätze (Skabies).

Spezifische Schwangerschaftsdermatosen

Darüber hinaus gibt es spezifische Schwangerschaftsdermatosen (Dermatose = Hautkrankheit, griechisch derma "Haut"), die speziell in der Schwangerschaft oder unmittelbar nach der Entbindung auftreten können. Im Einzelnen sind dies, aufgezählt in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit:

Alle vier Schwangerschaftsdermatosen beeinträchtigen die werdende Mutter durch starken Juckreiz. Die Gesundheit des ungeborenen Kindes ist im Falle einer atopischen oder einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose nicht gefährdet, im Falle eines Pemphigoid gestationis nur in geringem Maße. Eine intrahepatische Schwangerschaftscholestase stellt hingegen ein sehr hohes Risiko für das Kind dar und muss daher sehr sorgfältig behandelt werden.

Diagnose von Schwangerschaftsdermatosen

Bereits die Angaben der Patientin und die Untersuchung der Haut mit dem bloßen Auge können es dem Arzt ermöglichen, eine Schwangerschaftsdermatose festzustellen. Wenn der Arzt ein Pemphigoid gestationis vermutet, entnimmt er zur Diagnosesicherung zusätzlich Hautproben und veranlasst spezielle Blutuntersuchungen. Um die Diagnose einer intrahepatischen Schwangerschaftscholestase zu sichern, lässt der Arzt die Konzentration der Gallensäuren im Blut bestimmen.

Behandlung von Schwangerschaftsdermatosen

Zur Behandlung einer atopischen oder einer polymorphen Schwangerschaftsdermatose oder eines Pemphigoid gestationis verordnet der Arzt gut verträgliche Kortisonpräparate (Glukokortikoide) in Form von Salben oder Cremes, in schwereren Fällen eventuell zusätzlich als Tabletten. Gegen den Juckreiz helfen Polidocanol-haltige Cremes und Lotionen sowie bestimmte antiallergische Medikamente (Antihistaminika) zum Einnehmen. Im Falle einer intrahepatischen Schwangerschaftscholestase ist hingegen eine gezielte innerliche Behandlung mit Ursodeoxycholsäure erforderlich.

In den folgenden Kapiteln stellen wir die vier häufigsten Schwangerschaftsdermatosen im Einzelnen vor.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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