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Zahn ausgeschlagen – was tun?

Autsch! Fallen Kleinkinder auf das Gesicht, kommt es nicht selten zum Zahnunfall. Was bedeutet es für das Gebiss und die bleibenden Zähne, wenn Milchzähne sich lockern, verschieben oder ganz herausgeschlagen werden?

von Nadja Katzenberger, 29.05.2019
Kinderzähne

Oh oh! Etwa jedes dritte Kind hat bis zum fünften Lebensjahr einen Zahnunfall


Mit etwa zweieinhalb Jahren war das Milchzahngebiss meines Sohnes komplett. Nicht für lange – kurz vor seinem dritten Geburtstag hatte er zwei Zähne schon wieder verloren. Beim wilden Toben im Flur stand die Kommode im Weg, er bremste mit den Zähnen, und noch heute sieht man im Holz zwei winzig kleine Biss­spuren. Die letzten Zeichen eines Front- und eines Schneidezahns, bevor diese sich, begleitet von viel Blut und Geschrei, verabschiedeten.

Jedes Dritte Kind hat einen Zahnunfall

Ein klassischer Zahnunfall, im Kleinkindalter alles andere als selten: Laut Studien erleidet jedes dritte Kind vor dem fünften Lebensjahr ein sogenanntes Zahntrauma. Dazu zählen auch Zähne, die sich nach einem Sturz lockern, verfärben oder von denen ein Stück abbricht. Das passiert zum einen, weil der kind­liche Kiefer noch sehr elastisch ist, zum anderen, weil sich die Wurzeln der Milchzähne mit der Zeit zurückbilden, denn es warten darunter ja schon die bleibenden Zähne. Die haben – obwohl sie noch lange nicht auf der Bildfläche erscheinen – für Zahnärzte oberste Priorität.

Blutung stillen und Schwellung kühlen

Im Akutfall ist es oft nicht so einfach zu sagen, ob der Zahn ausgeschlagen oder hineingedrückt wurde oder sich nur verschoben hat. Die Lippe ist geschwollen, es blutet heftig, Schmerz und Schock sind groß. Dr. Karoline Waubke, Zahnärztin aus München und selbst Mutter, rät: "Stillen Sie die Blutung, kühlen Sie die Schwellung, und prüfen Sie dann in Ruhe, ob der Zahn überhaupt betroffen ist." Gegen die Schmerzen hilft Ibuprofen, als Zäpfchen oder Saft, und für die Wunde am Zahnfleisch ein desinfizierendes Gel mit Chlor­hexidin (nach Rücksprache mit dem Zahnarzt oder Apotheker)." Es wirkt antibak­teriell und verhindert, dass Bakterien in das verletzte Zahnfleisch einwandern", sagt Waubke.

Die fünf häufigsten Zahnunfälle

Wenn sich der Zahn dunkel färbt

Hat sich die Situation beruhigt, sollte sich unbedingt ein (Kinder-)Zahnarzt die Verletzung anschauen. Zum Beispiel, wenn sich ein Zahn verschoben hat. Kurz nach dem Unfall lässt er sich noch gut auf seinen angestammten Platz zurückschieben. "Ist zu viel Zeit vergangen, bleibt der Zahn schief und muss gezogen werden, weil das Kind sonst nicht richtig beißen kann", sagt Karoline Waubke. Gelockerte Zähne verankern sich meist alleine wieder im Zahnfleisch. Ist ein kleines Stück abgebrochen, reicht es, die Stelle zu glätten. Auch häufig: Der Zahn verfärbt sich dunkel. Eigentlich harmlos, doch die Stelle muss man beobachten. Wandern Bakterien in die Verletzung ein oder dringen zum Zahnnerv vor (etwa, wenn ein größeres Stück Zahn abgebrochen ist), lösen sie eine Entzündung aus. Diese zeigt sich nach einiger Zeit als eitrige Fistel am Zahnfleisch. Auch dann muss der Zahn raus.

Michzähne werden schnell gezogen

Zahnärzte sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, Milchzähne zu ziehen. Das ist durchaus gut so: Denn ein Zahn­unfall kann den bleiben­den Zahn mehr schädigen als den Milchzahn. So kann es sein, dass die Wurzel des zweiten Zahns nicht mehr weiterwächst, der neue Zahnkeim sich in­­fiziert oder er nicht richtig durchbricht. Das gilt es zu verhindern. Daher wird im Zweifelsfall ein Röntgenbild gemacht." Wir müssen sicher sein, dass der bleibende Zahn nicht betroffen ist, vor allem, wenn der Milchzahn ausgeschlagen oder hineingedrückt wurde", sagt Prof. Dr. Gabriel Krastl, der das Zahnunfall-Zentrum am Universitätsklinikum Würzburg leitet.

Regelmäßig zum Zahnarzt

Hat sich der Milchzahn nach oben ins Zahnfleisch gedrückt und findet nicht von selbst wieder nach unten (was häufig geschieht), muss er gezogen werden. Auch ausgeschlagene Zähne werden nicht ersetzt oder wieder eingesetzt." Das kann den bleibenden Zahn erst recht schädigen", so Krastl. Wichtiger daher: Nach dem Zahnunfall regelmäßig zum Zahnarzt gehen, um eine Entzündung auszuschließen. Und in Absprache mit dem Kinderarzt eventuell zum Logopäden, da fehlende Frontzähne die Sprachentwicklung beeinflussen können.

Mein Sohn spricht, beißt und kaut sehr gut mit seinen 18 Zähnen, mittlerweile finde ich die Lücke recht niedlich. Einen der ausgeschlagenen Zähne haben wir nach dem Sturz gefunden. Der andere ist nie wieder aufgetaucht. Wahrscheinlich hat er ihn vor Schreck verschluckt.


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