Wunder Po: Was hilft?

Fast jedes Baby hat irgendwann einen wunden Po. Die richtige Pflege hilft und beugt erneutem Windelausschlag vor
von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 26.06.2017

Dünn aufgetragen können Cremes empfindliche Babypopos schützen

W&B/Silvia Lammertz

Nichts ist so zart wie Babyhaut. "Doch gerade im ersten Lebensjahr, wenn sich der natürliche Säureschutzmantel der Haut erst ausbildet, wird sie unter der Windelpackung besonders gefordert", sagt Dr. Natalie Garcia Bartels, Hautärztin in einer Praxis sowie Privatdozentin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité in Berlin. Etwa zwei von drei Babys bekommen im ersten Lebensjahr einmal einen wunden Po, gehäuft zwischen dem neunten und 12. Lebensmonat, wenn sie beginnen, am Familientisch mitzuessen.

Nur wunder Po oder schon eine Windeldermatitis?

Egal ob leicht gerötet oder feuerrot und wund: Für Hautärzte zählt alles als Windeldermatitis. Sie unterscheiden nach dem Schweregrad der Entzündung. Typische Symptome: flächig gerötete Stellen am Po, leichte Risse, offene und nässende Partien. Ist ein Hefepilz beteiligt, bilden sich schuppige Stellen oder kleine Pusteln.

Dr. Natalie Garcia Bartels ist Privatdozentin an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité in Berlin

W&B/Privat

Wie entsteht eine Windeldermatitis?

"Selbst in der saugfähigsten Windel macht das feuchtwarme Milieu der Haut zu schaffen", erklärt die Expertin. Die Haut weicht auf, der Urin und Verdauungsenzyme im Stuhl, die eigentlich helfen sollen, Nährstoffe aufzuschließen, setzen ihr zu. Manchmal liegt das Problem an einer zu intensiven oder falschen Pflege.

Kommen weitere ungünstige Bedingungen hinzu, ist es schnell passiert: etwa, wenn die Windel zu selten gewechselt wird, wie bei einer langen Autofahrt. Oder Stuhl und Urin reizen noch stärker als normalerweise, weil das Baby Durchfall hat oder es etwas zu essen bekommt, was sein Bäuchlein noch nicht verträgt.

Christel Sillner leitet eine Apotheke in Beilngries im Altmühltal

W&B/Privat

Bei Fieber ist seine Haut trockener und es entstehen schneller Risse. Besonders anfällig für einen Windelsoor, also eine großflächige Besiedelung mit Hefepilzen, sind Kinder, die ein Antibiotikum nehmen mussten.

Ist der Po entzündet, sollten Eltern beim Windelwechseln besonders auf die Hygiene achten: vor jedem Wickeln die Hände gründlich waschen, Einmaltücher zum Reinigen verwenden oder den Waschlappen nach einmaligem Gebrauch bei 60 Grad Celsius waschen.

Hat Muttermilch einen Einfluss?

Wer stillt, sollte ein paar Tage lang auf säurebildende Lebensmittel verzichten, weil sie Babys Po weiter reizen könnten. Dazu gehören saure Früchte, Nüsse, Schokolade und Kaffee. Muttermilch kann aber auch den Heilungsprozess unterstützen. Ein paar Tropfen auf die gerötete Hautpartie tupfen und gut antrocknen lassen, bevor Sie die Windel schließen.

Wann können Eltern selbst behandeln?

Dafür gibt es laut Natalie Garcia Bartels folgende Faustregel: Ist die betroffene Haut nur leicht gerötet, betrifft es eine kleine Fläche (kleiner als der Handteller des Kindes), und haben sich noch keine Risse oder Pusteln gebildet, können Eltern versuchen, die Entzündung selbst in den Griff zu bekommen.

Was hilft bei wundem Po schnell?

  • Der Klassiker ist Wundsalbe mit Zinkoxid, das macht die Haut widerstandsfähiger. Die Wundfläche wird abgedichtet und sondert weniger Sekret ab. "Außerdem schützt ein dünner Salbenfilm die Haut vor reizenden Stoffen in Stuhl und Urin", sagt Christel Sillner, Apothekerin aus Beilngries.
  • Eichenrindenextrakt zum Auftupfen und gerbstoffhaltige Sitzbäder wirken leicht entzündungshemmend, so Christel Sillner. Sehr wichtig:die richtige Dosierung. Lassen Sie sich dazu in der Apotheke beraten.
  • Bei leichten Rötungen werden auch Salben mit pflanzlichen Wirkstoffen empfohlen wie etwa Ringelblume (Calendula). Natalie Garcia Bartels, die auch Allergologin ist, rät besonders bei Babys mit familiärem Allergierisiko, sich vor der Anwendung mit dem Arzt zu besprechen und nicht zu viel auszuprobieren, um eine frühe Sensibilisierung zu vermeiden.

Wann bei wundem Po zum Arzt?

  • Die leichte Rötung verschwindet trotz Salbe nach zwei, drei Tagen nicht oder verschlimmert sich.
  • Das Kind ist sehr unruhig oder weinerlich, hat Fieber oder der Stuhl sieht anders aus als gewöhnlich.
  • Rötliche Stippchen im Randbereich der Windel sowie eitrige Pusteln lassen auf einen Infekt schließen, der vom Arzt behandelt werden muss. Weißliche Pusteln sind ein Hinweis auf den Hefepilz Candida albicans. In dem Fall hilft eine nystatinhaltige Zinksalbe aus der Apotheke. Für gelbliche Pusteln sind eher Bakterien verantwortlich. Bei solchen eher seltenen Infektionen hilft eine Zinksalbe, der ein Antiseptikum beigemischt ist.

Wie einem wunden Po vorbeugen?

  • Das Baby so oft wie möglich ohne Windel strampeln lassen. Frischluft und Licht halten die Haut trocken.
  • Regelmäßig wickeln, mindestens vier- bis sechsmal am Tag, bei jüngeren Babys häufiger. Und auf jeden Fall, wenn das Kleine etwas in die Windel gedrückt hat.
  • Sanft den Po reinigen. Wahlweise mit klarem Wasser und Waschlappen, mit Feuchttüchern (frei von Parfüm und Duftstoffen) oder mit Mandel- oder Babyöl. Wichtig: Vorsichtig, aber gründlich trocken tupfen, vor allem in den Hautfalten.
  • Stoffwindeln ausprobieren. Damit hat Apothekerin Christel Sillner bei einem ihrer Söhne gute Erfahrungen gemacht. Denn: "Stoffwindeln lassen etwas mehr Luft an die Haut als Plastikwindeln."

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