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Wie gefährlich ist die Pille?

Die Hormone in der Pille erhöhen das Thrombose-Risiko. Neuere Präparate eventuell sogar stärker als ältere. Wie gefährlich sind sie?

von Daniela Frank, aktualisiert am 04.02.2019
Antibabypille

Ist das die Richtige? Die Wahl des idealen Pillen-Präparats ist gar nicht so einfach


Sie ist unser beliebtestes Verhütungsmittel: die Anti-Baby-Pille. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nehmen sie 53 Prozent der Frauen zwischen 18 und 49 Jahren zum Schutz vor einer Schwangerschaft ein. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die sogenannte Mikropille, die eine Kombination aus den Sexualhormonen Östrogen und Gestagen enthält.

Doch die Hormondragees geraten wegen ihrer Nebenwirkungen immer wieder in die Kritik: Bei manchen Frauen verursachen sie eine Gewichtszunahme, anderen schlagen sie auf die Stimmung, wieder andere bekommen Unterleibsschmerzen. Vor dem erhöhten Depressionsrisiko soll ab 2019 im Beipackzettel gewarnt werden. Als gefährlichste Nebenwirkung gilt jedoch das höhere Risiko für eine Venenthrombose, also die Gefahr eines Blutgerinnsels in den Venen, vor allem den Bein- und Beckenvenen. Typische Symptome sind Schmerzen im oder eine Schwellung am Bein. Eine der möglichen Folgen ist eine Lungenembolie. Sie kann mit Atemnot oder Schmerzen in der Brust einhergehen und mitunter tödlich enden.

Pille erhöht das Thrombose-Risiko mehrfach

Erkranken normalerweise etwa zwei bis vier von 10.000 Frauen an einer Beinvenenthrombose, sind es mit niedrig dosierten Kombinations-Pillen (Mikropillen) etwa dreimal so viele. "Erstanwenderinnen im ersten Anwendungsjahr haben das größte Risiko", sagt Dr. Sabine Segerer, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Amedes-Zentrum Hamburg. "Im Grunde ist die Thrombose-Gefahr durch die Pille bei jungen Frauen ohne Risikofaktoren aber nicht sehr hoch", so die Expertin. Zum Vergleich: Natürliche Hormonveränderungen lassen das Thrombose-Risiko oft stärker ansteigen. In einer Studie traten in der Schwangerschaft zum Beispiel 29 Fälle pro 10.000 Frauen auf.

Thrombose: Weitere Risikofaktoren kommen hinzu

Trotzdem darf man das Risiko durch die Pille nicht vernachlässigen. Denn bei vielen Frauen kommen noch weitere Faktoren hinzu – und dann steigt die Gefahr für einen Gefäßverschluss oft rapide. Zum Beispiel bei Übergewichtigen: Bei einem Body-Mass-Index von mehr als 30 ist sie um das Siebenfache erhöht. Oder einfach aufgrund des Alters: Weil die Venen mit der Zeit an Elastizität verlieren, hat eine 40-Jährige im Vergleich zu einer 20-Jährigen ein etwa doppelt so hohes Risiko für eine Venenthrombose.

Die gefährlichste Konstellation: Wenn die Frau bereits eine Thrombose hatte oder in ihrer Familie Thrombosen aufgetreten sind. "Bei familiärer Häufung muss untersucht werden, ob eine sogenannte Faktor-V-Leiden-Mutation oder andere Gerinnungsstörungen vorliegen", sagt Segerer. Manche Ausprägungen der genetischen Besonderheit führen in Verbindung mit der Pille zu einem deutlich erhöhten Thromboserisiko. Festgestellt werden sie durch eine Blutuntersuchung.

Auch Schlaganfälle sind häufiger

Aber nicht nur die Venen sind in Gefahr, auch arterielle Gefäßverschlüsse treten häufiger auf. Sie können zum Beispiel zu einem Schlaganfall führen. Als Risikofaktoren dafür gelten unter anderem Rauchen oder Bluthochdruck. "Rauchen erhöht das Thrombose-Risiko zum Beispiel um das Achtfache", sagt Segerer. Bei einer Migräne mit Aura steigt die Gefahr eines Schlaganfalls in Kombination mit der Pille um den Faktor zwei bis vier.

"Der Arzt klärt all diese Faktoren im Gespräch mit der Patientin ab, bevor er ein bestimmtes Präparat verschreibt", sagt Segerer. Aus den Informationen leitet er ab, welche Pille sich für die Frau eignet. Denn: Das oben genannte Thrombose-Risiko für Frauen, die die Pille nehmen, stellt nur einen Durchschnittswert dar. Die tatsächliche Rate unterscheidet sich von Präparat zu Präparat zum Teil erheblich. "Bei einer überstandenen Thrombose scheiden bestimmte Pillenpräparate zum Beispiel bereits aus", sagt Segerer. Frauen sollten beim Gespräch mit dem Arzt unbedingt auch von sich aus die genannten Punkte ansprechen. Ähnliches gilt im Übrigen für andere Verhütungsmittel mit Kombihormonen wie Hormonpflaster und Hormonring.

Der Thrombose-Check

Damit Ihr Frauenarzt die für Sie geeignetste Pille findet, untersucht er Sie gründlich und schätzt Ihr Thrombose-Risiko ab. Dabei fragt er unter anderem:


- Rauchen Sie? Falls ja, wie viel?
- Hatten Sie schon einmal eine Thrombose oder Lungenembolie?
- Gibt es in Ihrer direkten Familie (Eltern, Geschwister) Fälle von Thrombosen, Lungenembolien oder Herzkreislauferkrankungen?
- Leiden Sie an Bluthochdruck? Nehmen Sie Bluthochdruckmittel?
- Leiden Sie an einer Gerinnungsstörung?

Pille: Das richtige Präparat

Ob die Pille geeignet ist und welches Präparat infrage kommt, entscheidet der Arzt mit Blick auf die individuelle Situation der Patientin. "Es gibt keine Pauschalpille", sagt Segerer. "Man kann von keinem Präparat generell abraten und auch keines für alle empfehlen." Folgende Punkte beeinflussen die Entscheidung des Arztes für oder gegen ein bestimmtes Präparat:

  • Östrogengehalt: Seit längerem ist bekannt, dass das Thrombose-Risiko geringer ist, wenn die Östrogendosis 50 Mikrogramm oder weniger beträgt. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe rät zu einem möglichst geringen Östrogengehalt, am besten zwischen 20 und 35 Mikrogramm. "Es gibt ohnehin kaum noch Pillen mit höherer Dosierung", sagt Segerer. "Außerdem wurden kürzlich Präparate mit einem natürlichen Östrogen zugelassen. Ob das zu einem niedrigeren Thrombose-Risiko führt, müssen Studien aber erst zeigen."
  • Ältere Pillen enthalten zudem meist ein Gestagen wie Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron. "Sie können verschiedene androgene Begleiteffekte haben", sagt Segerer. Das heißt: Bei Frauen mit entsprechender Veranlagung könne sich Akne verstärken, Haarausfall auftreten oder die Körperbehaarung zunehmen. "Diese Nebenwirkungen sollten bei den neueren Präparaten vermieden werden", sagt Segerer.
  • Verschiedene Studien werfen für einige dieser neueren Gestagene – zum Beispiel Desogestrel, Gestoden und Drospirenon – allerdings den Verdacht auf, das Thrombose-Risiko stärker zu erhöhen als ihre Vorgänger. "In der letzten Meta-Analyse zu diesem Thema von 2018 wurde gezeigt, dass Präparate mit den älteren Gestagenen wie Levonorgestrel und Norgestimat hinsichtlich des Thromboserisikos am sichersten sind", sagt Segerer. "Dennoch ist die Wahl des Gestagenanteils einer Pille immer eine individuelle Entscheidung." Es gelte nach den offiziellen Empfehlungen für Ärzte, die Wahl des Präparats auf die Situation und das Risikoprofil der Patientin abzustimmen.

Pille erhöht das Depressionsrisiko

Dass die Hormone in der Antibabypille die Stimmung beeinflussen können, ist ebenfalls schon länger bekannt. Anlässlich der Ergebnisse einer dänischen Studie beschloss das Bundesinstitut für Arzneimittel- und Medizinprodukte jedoch Anfang 2019, dass ein Warnhinweis in den Beipackzetteln aller hormoneller Verhütungsmittel auf ein erhöhtes Depressionsrisiko mit Suizidgefahr aufmerksam machen soll. Der Warnhinweis solle für entsprechende Aufklärung durch Arzt und Apotheker sorgen und Frauen dafür sensibilisieren, bei entsprechenden Symptomen zum Arzt zu gehen, so das Institut. "Da es sich bei der Studie nur um eine Datenbankerhebung handelt, kann kein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang hergeleitet werden", sagt Segerer. Dass der Warnhinweis trotzdem aufgenommen wurde, hält sie für sinnvoll. "Wir Ärzte werden von nun ab noch stärker aufklären und bei entsprechenden Symptomen reagieren."

Nebenwirkungen gehen oft zurück

Genau wie die Thrombosegefahr ist auch das Depressionsrisiko im ersten Anwendungsjahr am höchsten. Ähnliches gilt für weitere Nebenwirkungen der Pille wie Gewichtszunahme, Zwischenblutungen oder Unterleibsschmerzen. "Große Studien haben gezeigt, dass es unter der Pille zwar zu Gewichtsschwankungen kommt, unter dem Strich aber keine signifikanten Änderungen des Gewichtes auftraten", sagt Segerer. "Individuell kann das aber schon einmal passieren." Ähnliches gelte für andere leichte Nebenwirkungen, zum Beispiel Zwischenblutungen. "Deshalb lohnt es sich oft, erst einmal abzuwarten und nicht gleich das Präparat zu wechseln", sagt Segerer. Gehen die Probleme nicht zurück, kann die Frau aber eine andere Pille oder ein anderes Verhütungsmittel ausprobieren.


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