Was wirklich gegen Wespen hilft

Wespen kreisen um Ihr Kind? Bloß nicht panisch werden: So halten Sie sich die stechenden Plagegeister vom Leib
von Julia Jung, 04.08.2016

Sie sind so beliebt wie Sommergrippe – tatsächlich aber viel nützlicher: Gelb-schwarze Summer, die sich zu uns an den Gartentisch gesellen und auch mal böse stechen können. Wespen haben wichtige Aufgaben in der Natur. So sorgen sie zum Beispiel dafür, dass viele Pflanzen – auch im Garten – schädlingsfrei bleiben: Wespen lieben nicht nur Pflaumenkuchen, sondern auch Blattläuse.

Das ist einer Kaffee-und-Kuchen-Gesellschaft jedoch meist herzlich egal, wenn sie von Wespen umschwirrt wird. Fuchtelnd, hauend und pustend versucht man dann, die Insekten zu vertreiben. "Das macht es natürlich nur schlimmer, weil die Tiere sich bedroht fühlen und aggressiv werden", sagt Dr. Reiner Theunert, Biologe und Umweltberater aus Hohenhameln bei Hannover. "Auch Pusten mögen Wespen gar nicht, den menschlichen Mundgeruch empfinden sie als Bedrohung."

Angst vor Wespen nicht unbegründet

Wir nerven uns also gegenseitig. Denn besonders die zwei Arten Deutsche Wespe und Gemeine Wespe suchen ständig nach Süßem. Kuchen und Limonade, aber auch das Protein von Grillfleisch, welches zur Ernährung der Larven dient, locken sie an. Gleichzeitig sind diese beiden Arten auch "grundsätzlich etwas aggressiver", wie Theunert sagt.

Die Angst vor Wespen ist nicht unberechtigt. Wespen- und noch mehr Hornissenstiche sind schon aufgrund der langen Stachel ziemlich schmerzhaft (siehe unten). Richtig gefährlich wird es allerdings bei ­­Stichen in den Mund- oder Rachenraum oder für Allergiker. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund e. V. schätzt die Zahl der Aller­giker auf zwei bis drei Prozent. Bei Kindern sind es vermutlich unter ein Prozent.

Viele Stiche passieren durch unbemerkte Wespen

Leider reicht es nicht, sich zu beherrschen und die Tiere klaglos, aber angespannt vorbeisurren zu lassen. Viele Stiche passieren, wenn Wespen unbemerkt in Getränken landen oder man barfuß auf ein Tier im Gras tritt. Deshalb Gläser und Speisen am bes­ten immer abdecken. Nicht oder nur mit Vorsicht barfuß durch blühende Wiesen laufen. Kinderwagen im Garten immer mit einem Insektennetz ­abdecken. Kleinkindern sollten die Mundwinkel und Gesichter regelmäßig abgewischt werden, wenn sie Süßes essen oder trinken. Fallobst lockt Wespen an – die Früchte sollte man daher früh ernten oder vom Boden aufsammeln.

Nicht mit Gift aufs Wespennest losgehen

Brigitte Martin ist Wespen-Expertin beim BUND Darmstadt und hat gute Erfahrungen mit Gewürznelken gemacht: "Die Tiere mögen den Geruch nicht und bleiben fern. Das hilft auch schon im Frühjahr vorbeugend, sodass sie keine Nester ­bauen." Einfach 20 Gewürznelken in einem Liter Wasser aufkochen, einkochen lassen, den abgekühlten Sud in eine Spritzflasche geben und an den wespenreichen Stellen verteilen.

Umweltberater Theunert bekommt­ häufig Anfragen, wenn Wespen Nester gebaut haben. "Viele Leute denken, das Nest muss sofort weg. Das ist aber nicht die ­beste Lösung", so der ­Biologe. Denn: Das Tierschutz- und das Bundesnaturschutzgesetz verbieten­ grundsätzlich die Zerstörung von Nestern und das Töten von Tieren. "Häufig gehen die Leute trotzdem mit Giften an die Nester, was nicht ungefährlich ist", so Theunert. Hängt das Nest in einem Garten, in dem auch Kinder spielen, verbietet sich der Einsatz von Insektiziden aus Sprays oder Schäumen sowieso.

Bei Gefährdung Nest-Eingang verlagern

Auch wenn man die lästigen Tiere lieber los wäre – man kann sich ­­arrangieren. "Mindestens vier Meter Abstand zum Nest zu halten vermindert schon mal viele Angriffe", sagt Theunert. Die bei uns häufigen Wespenarten bauen ihre Nester übrigens am liebsten unterirdisch, in verlassenen Kaninchenbauten zum Beispiel. Eine andere Art errichtet ihre Nester oft in Jalousien-Kästen. "In solchen Fällen hilft es, den Eingang für die Tiere vom Balkon oder Fens­ter weg zu verlegen", erklärt Theunert. Wenn die Wespen ein paar Meter weiter ein- und ausfliegen müssen, ­etwa über ein angebrachtes Rohr oder Fliegendraht, ist der Balkon oder das Fenster für sie unwichtig. ­­Übrigens: Wespen leben nur ungefähr bis Oktober in ihrem Nest. Dann sterben sie, und die ­Königin gründet im kommenden Jahr ­einen ­neuen Staat. Wenn ihr alter Nest-Eingang dann verschlossen ist, wird sie sich woanders niederlassen.

Wenn nichts hilft und das Nest unbedingt weg soll, müssen Spezialisten es umsiedeln. Ansprechpartner findet man bei Umweltschutzorganisationen oder örtlichen Um­weltbehörden. Eine Umsiedlung in den nächsten Wald ist häufig ­nicht nur günstiger, sondern auch wirkungsvoller als der Insektenvernich­ter.

Was vor Stichen schützt – oder danach hilft

Sprays und Lösungen, die ­stechende Insekten abwehren, gibt es für Kinder ab einem Jahr. Bitte vor dem Kauf in der Apotheke nach der Alters­freigabe fragen, manches ist auch erst ab zwei oder drei Jahren empfohlen. "Der Abwehrschutz wirkt etwa vier bis sechs Stunden", sagt Apothekerin Renate Schöpe aus Mannheim. Übrigens: Wenn man gleichzeitig Sonnenschutz aufträgt, sollte dieser immer zuerst auf die Haut, sonst wirkt er nicht richtig.

Trotzdem lässt sich nicht ­jeder Stich vermeiden. "Wenn es passiert ist, die ­­betroffene Hautstelle­ am besten so schnell wie möglich ­kühlen, zum Beispiel mit einem Coolpack", rät ­Schöpe. Unterwegs tut es auch ein nasser Lappen. ­Salben und Gele mit den Wirkstoffen Dimetindenmaleat­ oder Bamipin dürfen auch schon auf Baby- und Kleinkindhaut, sollten jedoch nur sparsam und auf kleinen Area­len aufgetragen werden. Bei Stichen in den Mund- und Rachenraum den Rettungsdienst unter 112 rufen! Bis dahin die Stelle mit einem Eiswürfel von innen kühlen. Allergiker sollten immer ein spezielles Notfall-Kit dabei­haben, das vom Arzt verordnet wird.

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