Was tun bei Zwischenblutungen?

Eine Blutung außerhalb des Zyklus heißt Zwischenblutung. Tritt sie öfter auf, sollte die Frau sich vom Arzt untersuchen lassen
von Julia Schulters, aktualisiert am 02.03.2016

Gibt es da unten ein Problem? Zwischenblutungen haben viele Frauen ab und zu

Thinkstock/Hemera

Es wäre ja so praktisch! Einen Zyk­lus zu haben, auf den man sich jeden Monat hundertprozentig verlassen kann. Stattdessen kommen die Tage mal früher, mal später, und ohne Pille erst recht, wann sie wollen. "Frauen sind nun mal keine Maschinen", sagt ­Doris Scharrel. "Deshalb funktioniert ihr Körper auch nicht immer nach Plan." Dass viele aber genau diesen Anspruch an sich haben, erlebt die Gynäkologin aus Kronshagen Tag für Tag in ihrer Praxis. "Wenn mit dem Zyk­lus etwas nicht stimmt, empfinden das manche Frauen gleich als persönliche Fehlleistung", sagt sie.

Zwischenblutungen sind nicht selten

Eine Blutung, die außer der ­Reihe auftritt, das kommt vor allem bei Frauen ab 40 Jahre vor. Auch Jüngere klagen nicht selten über ­eine Periode, die zwischen der eigentlichen Monatsblutung auftritt und so gar nicht in den üblichen ­Zyklus passen will.

Doris Scharrel ist Gynäkologin in Kronshagen und Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte in Schleswig-Holstein

W&B/Privat

"Wenn das ein-,  zweimal passiert, ist das nicht gleich ein Drama", erklärt Professorin ­Bettina Toth, Gynäkologin und leitende Oberärztin am Universitätsklinikum Heidelberg. Was allerdings darüber hinausgehe, sollten Frauen beim Gynäkologen sicherheitshalber abklären lassen.

Das gilt auch, wenn es sich nur um eine Schmierblutung handelt, ­also um bräunlichen Ausfluss. ­Einen Tag vor der richtigen Regel sei das im Bereich des Normalen, erklärt Frauenarzt Dr. Jörg Angre­sius aus Neunkirchen. Bei tagelangen Schmierblutungen vor der Periode, müsse man aber der Ursache auf den Grund gehen. Die ist manchmal ganz banal. Ungewohnter Stress könne das Zusammenspiel der Hormone und damit den Zyklus durcheinanderbringen, erklärt ­­Angresius. ­

Prof. Dr. med. Bettina Toth ist leitende Oberärztin der Abteilung gynäkologische Endokrinologie am Universi­tätsklinikum Heidelberg

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Bei Manchen tritt Blutung zum Eisprung auf

Einige Frauen haben zudem um den Eisprung herum eine Blutung. Experten vermuten, dass das mit dem sinkenden Spiegel der weiblichen Sexualhormone zu diesem Zyklus-Zeitpunkt zu tun hat. "Ob eine Frau darauf aber mit einer Blutung reagiert, ist eine ganz individuelle Sache", erklärt der Gynä­kologe. Manche Frauen produzieren auch zu wenig Hormone. Dies ist etwa bei einer Gelbkörper­schwäche der Fall. Hier ist der Spiegel des Hormons Progesteron zu gering. Die ­Folge: Schmierblutungen in der zweiten Zyklushälfte. "Das lässt sich mit Hormonpräparaten meist gut in den Griff bekommen", sagt Mediziner Angresius.

Dr. med. Jörg Angresius ist Gynäkologe und hat eine eigene Praxis in Neunkirchen

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Auch Pille und Spirale mögliche Ursachen

Nicht selten sind es auch Medikamente, die Zwischenblutungen auslösen. Hormonelle Verhütungsmittel zum Beispiel. "Vor allem die rein gestagenhaltigen Präparate wie die Minipille oder die Drei­monatsspritze machen da Probleme", erklärt Bettina Toth. Im Vergleich zu den gängigeren Mikro­pillen enthalten sie nicht das weibliche Sexualhormon Östrogen, das die Schleimhaut in der Gebärmutter stabilisiert. Auch niedrig dosierte Mikropilllen, die Östrogen nur in kleiner Menge enthalten, sorgen manchmal für Zwischenblutungen. "Dann muss man eventuell auf ­eine höher dosierte Pille umschwenken", rät die Ärztin. Ebenfalls manchmal problematisch: das Tragen einer Kupferspirale. "Durch den mechanischen Reiz kann es zu einer Blutung kommen", erläutert Jörg Angresius.

Der Zyklus: Schwankungen sind normal

Der pefekte Zyklus dauert laut Lehrbuch 28 Tage. Als normal gelten auch Rhythmen von 23 bis 35 Tagen. Blutungen, die außerhalb dieses Schemas auftreten, werden als Zwischenblutungen bezeichnet.


Zwischenblutungen: Organische Ursachen sind selten

Seltener lösen organische Ursachen eine Zwischenblutung aus. Mithilfe einer gynäkologischen Tastuntersuchung und einem vaginalen Ultraschall kann der Arzt feststellen, ob es Veränderungen an den innen liegenden Geschlechtsorganen gibt. "Fast ­jede dritte Frau ab 40 hat gutartige Muskelknoten in der Gebärmutter, sogenannte Myome", erklärt Doris Scharrel. Durch die Knoten kann sich die Gebärmutter häufig nicht mehr so gut zusammenziehen. Das sorgt vor allem für längere, stärkere Perioden und kann auch mal eine außerplanmäßige Blutung zur Folge haben. Ähnliche Probleme machen Polypen, also gutartige Schleimhautwucherungen in der Gebärmutter. Eine ­sogenannte Portio­ektopie, bei der Gewebe­veränderungen am Muttermund auftreten, geht oft mit Zwischen­blutungen oder Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr einher.

"Die meisten organischen Ursachen lassen sich gut behandeln", erklärt die Frauenärztin. Gefährlich dagegen sind bösartige Erkrankungen wie zum Beispiel Gebärmutterhalskrebs, der sich manchmal ebenfalls durch unregelmäßige Blutungen zeigt. "Diesen Krebs sehen wir aber glücklicherweise heute sehr selten", so Scharrel. Da ein gro­ßer Teil der Frauen an der jährlichen Früh­erkennungsuntersuchung teilnehme, können Ärzte schon bei ers­ten Zellveränderungen reagieren. "Meistens kommt es dann gar nicht erst zu Krebs", sagt Gynäkologin Scharrel.


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