Tragetuch und Tragehilfe: Was beachten?

Systeme, mit denen das Baby am Körper getragen wird, sind beliebt. Ob Tragetuch oder Tragehilfe: Wie die richtige Haltung des Kindes aussieht und worauf es beim Tragen noch ankommt

von Daniela Frank, aktualisiert am 06.02.2017
Frau trägt ihr Kleinkind im Tragtuch

In der richtigen Haltung fühlen sich viele Babys im Tragetuch gut aufgehoben


An der Frage "Tragetuch oder Tragehilfe?" scheiden sich die Geister. Manche schwören auf das Tragetuch als die angeblich natürlichste und für das Kind einzig gesunde Variante – schließlich tragen auch Naturvölker ihre Kleinen so. Andere greifen lieber auf eine praktische und schicke Tragehilfe zurück. Denn sie hat Träger, Gurte und Schnallen, die alles viel einfacher machen. Worauf kommt es beim Tragen wirklich an? Das erklärt die Kinderphysiotherapeutin und Trageberaterin Birgit Kienzle-Müller aus Bad Friedrichshall.

Wichtig: Die richtige Haltung beim Kind

"Das Wichtigste ist, dass das Kind die richtige Haltung einnimmt", sagt die Expertin. "Das ist ein tiefer Sesselsitz, bei dem das Becken gerundet ist. Das ist bei Babys anfangs natürlich." Die Beine sollten sich in der sogenannten Anhock-Spreizstellung befinden: Sie sind gespreizt, die Knie befinden sich etwa auf Nabelhöhe. "So kommen die Hüftgelenke in ihre optimale Position", sagt Kienzle-Müller. "Das unterstützt ihre Nachreifung." Die Wirbelsäule des Kleinen sollte nicht überstrecken, dabei würde der Kopf nach hinten wegkippen. Ist es im Hohlkreuz, erkennt man das daran, dass seine Füßchen nach hinten stehen.

Birgit Kienzle-Müller: Kinderphysiotherapeutin und Trageberaterin

Straffes Binden stützt das Baby

Wenn das Tuch dem Kind einen guten Halt gibt, es aber den Kopf noch drehen kann, sitzt es fest genug. Die Beine des Kindes sollten auch, wenn es entspannt ist – also zum Beispiel schläft – in Hockstellung bleiben. Vor dem dritten Lebensmonat kann das Baby sein Köpfchen noch nicht selbst halten. "Dann braucht es noch eine Kopfstütze", sagt Kienzle-Müller. "Dazu können die Eltern ein Moltontuch einrollen und in die obere Lage des Tragetuchs wickeln." Manche Tragehilfen bieten einen Einsatz für Neugeborene an oder sind speziell für Neugeborene geeignet. Tragesysteme ohne eine entsprechende Kopfstütze sollten vor dem dritten Lebensmonat nicht verwendet werden.

Vor der Brust, auf dem Rücken, auf der Hüfte, mit dem Gesicht nach vorne tragen?

Die klassische Variante ist es, das Baby vor der Brust zu tragen. "Das geht von Anfang an", sagt Kienzle-Müller. "Auf dem Rücken können es Geübte ab dem dritten Monat tragen, wenn das Kind sein Köpfchen selbst halten kann." Einsteiger sollten am besten etwas länger warten. Ähnliches gilt für das Tragen auf der Hüfte. "Noch nicht so Geübte können ihr Kleines gut auf der Hüfte tragen, sobald es sitzen kann", sagt Kienzle-Müller. Wie die meisten Trage-Experten rät sie vom Tragen des Kindes mit dem Gesicht nach vorne ab. "Da sind die Hüften nicht in Anhock-Spreizstellung, die Beinchen und Arme hängen herunter und das Köpfchen hat keinen Halt", sagt sie. "Außerdem kann sich das Kind nicht abwenden, das führt zu einer Reizüberflutung."

Tragetuch oder Tragehilfe – was sind Unterschiede?

Mit dem Tragetuch sind viele Bindetechniken möglich, es kann individuell auf das Kind angepasst werden. Ein gewebtes Tuch sollte 4,60 m lang und 60 cm breit sein. "Richtig gebunden passt es für jedes Kind und für jeden Tragenden", sagt Kienzle-Müller. Die Tücher ähneln sich zwar sehr, können aber jeweils andere Bindeeigenschaften haben. "Daher ist es gut, vor dem Kauf unterschiedliche Modelle auszuprobieren", sagt Kienzle-Müller. Neben den gewebten Tüchern gibt es das elastische Tragetuch. Für Neugeborene und kleinere Babys ist es geeignet, werden die Kinder schwerer, gibt es jedoch meist irgendwann zu wenig Halt.

"Der Trend geht aber eindeutig zu den Tragehilfen", sagt Kienzle-Müller. Eltern sollten sich vor dem Kauf ausgiebig beraten lassen und verschiedene Modelle mit dem Kind ausprobieren. Eine Tragehilfe kann im Gegensatz zum Tragetuch nur bedingt auf die Größenverhältnisse des Kindes eingestellt werden. Sie passt, wenn das Baby – wie oben beschrieben – richtig sitzt, und wenn sich Eltern und Baby beim Tragen wohl fühlen.

Checkliste für die richtige Tragehilfe:

  • Der Stoff der Tragehilfe muss sich am Rücken des Kindes anschmiegen.
  • Sie ermöglicht die Anhock-Spreizstellung der Beine beim Kind.
  • Der Stoff zwischen den Beinen des Kindes sollte von Kniekehle zu Kniekehle reichen, sodass die Knie des Kindes auch im entspannten Zustand auf Höhe seines Bauchnabels bleiben.
  • Das Gewicht des Kindes muss gleichmäßig auf den Körper des Trägers verteilt sein.
  • Die Träger dürfen nicht einschneiden.

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