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Tipps für nachhaltiges Wickeln

Geht’s nicht auch mit weniger Abfall? Das fragen sich viele Eltern, wenn sie ihr Baby wickeln und pflegen – und sich dabei die Mülltonne füllt. Wir haben nach Alternativen gesucht

von Tanja Eckes, 18.12.2018
Baby wird gewickelt

Einwegwindel, -wickelauflage und -feuchttuch – muss das sein?


Eine unvorstellbar große Zahl: 3,65 Milliarden Einwegwindeln werden jährlich allein in Deutschland verbraucht. Und wie viele Feucht­tücher, Einmalwaschlappen oder plastikbezogene Wickelunterlagen zusätzlich im Müll landen, hat noch niemand offiziell gezählt. Kein Zweifel, das Leben mit Baby verursacht ordentlich Abfall. Lässt sich da was reduzieren? Und was bedeutet das für Aufwand, Hautfreundlichkeit und Kosten? Ein Check. 

Windeln

Allgemein: Jeden Tag in die Tonne werfen oder lieber auswaschen? "95 Prozent der Kleinkinder in Deutschland tragen Einwegwindeln, bei einer angenommenen Tragezeit von 2,5 Jahren fallen dabei rund 3800 Windeln pro Kind an", sagt Dr. Hans-Hermann Eggers vom Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau.

Saugfähigkeit: Die Wegwerfwindel enthält Superabsorber aus Kunststoff, die Flüssigkeit zuverlässig aufnehmen und einschließen. Bei Stoffwindeln kann je nach System schon mal was verrutschen und auslaufen.

Hautfreundlichkeit: "Baumwoll­windeln lassen in der Regel weniger Luft an den Po, das Baby liegt darin eher feucht, was schneller zu Windel­dermatitis führen kann", sagt die Kölner Hautärztin Dr. Uta Schlossberger. Dafür enthalten Stoffwindeln keine Kunststoffe, die Babys Haut reizen könnten.

Zeitaufwand: Waschen und Trocknen macht Arbeit, das Wickeln selbst dauert – je nach Übung – bei Stoffwindeln länger.

Und die Umwelt? Eine britische Vergleichsstudie von 2005 konnte keinen klaren Sieger ausmachen. Doch sieht Experte Eggers die Mehrwegwindel vorne: "Hier können Eltern mehr Einfluss nehmen, etwa durch Nutzung einer energieeffi­zienten Waschmaschine, die nur vollbe­laden läuft, Waschen bei 60 statt 90 Grad, Lufttrocknen und langjährige Verwendung."

Kostenfaktor: Stoffwindeln sind in der Anschaffung erst mal teurer (Komplettpakete ab circa 100 Euro). Beim Kauf von Wegwerfwindeln summieren sich die Ausgaben nach zwei, drei Jahren auf etwa 2000 bis 3000 Euro.

Feuchttücher

Allgemein: Windel voll? Wie praktisch, wenn man unterwegs die Bescherung mit Einmaltüchern schnell beseitigen und gleich entsorgen kann. Die Hebamme Birgit Landwehr aus Auhausen hat aber einen Do-it-yourself-Tipp: "Stoffwindel in kleine Läppchen schneiden, in Kokosöl tränken und in eine kleine Aufbewahrungsbox packen."

Hygiene: "Bei Wegwerfprodukten ist die Gefahr geringer, dass man Keime von Stuhlresten überträgt", sagt Ärztin Uta Schlossberger. Zu Hause genügen auf jeden Fall warmes Wasser und ein Baumwolllappen, den man gleich nach Verwendung in die Wäsche gibt.

Hautfreundlichkeit: Viele Feuchttücher enthalten Duft- und Konservierungsstoffe und laut Öko-Test-Studie von 2018 teilweise auch Tenside, die die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen können. Ein wiederverwendbarer Waschlappen schont also Babys Haut eher.

Zeitaufwand: Wisch und weg oder Waschmaschine? Zeitsparender sind Einmaltücher.

Und die Umwelt? "Viele spülen die Tücher in die Toilette, sie gehören aber in den Restmüll", macht Birgit Landwehr klar. Die Fasern lösen sich in Wasser nicht auf und belasten das Abwassersystem stark. "Auch wenn auf der Packung auf Bioabbau­barkeit oder Recyclingfähigkeit verwiesen wird, kann man diesen Aspekt beim Kauf außer Acht lassen", sagt Benedikt Kauertz vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung. "Der Großteil der Wegwerfprodukte aus der Baby­pflege wird nahezu vollständig in der Müllverbrennungsanlage thermisch verwertet." Das Nebenprodukt Wärme wird für Fernwärmever­sorgung und Strom­erzeugung ge­nutzt.

Kostenfaktor: Wer Baumwoll- oder Frotteewaschlappen über Jahre hinweg verwendet, fährt günstiger.

Wickelunterlage

Allgemein: Zu Hause kombinieren die meisten wattierte, plastikbezogene Wickelunterlage mit Handtuch oder Stoffwindel, unterwegs nehmen viele Eltern die Wegwerfversion.

Hygiene: Kunststoff kann man ab­waschen und desinfizieren. Es geht aber auch nachhaltiger: "Einfach eine Mullwindel auf ein weiches Handtuch legen. Funktioniert auch unterwegs: Dann kann man beides in eine dichte Tüte packen und zu Hause waschen", sagt Apothekerin Cerstin Czock aus Schwelm.

Hautfreundlichkeit: In einer Öko-Test-Untersuchung schnitten reine Naturfaser-Wickelauflagen am besten ab, auch ein Polyesterprodukt bekam ein "Sehr gut". Viele Kunststoffprodukte enthalten bedenkliche Weichmacher und Aufheller.

Zeitaufwand: Plastik abwaschen oder wegwerfen geht schneller als Stoff waschen.

Und die Umwelt? Herstellung und Entsorgung von Kunststoffen belasten die Umwelt stark. "Andererseits wird für die Baumwollproduktion sehr viel Wasser benötigt, teilweise kommen Pestizide zum Einsatz", gibt Heike Müller, Sprecherin des Landkreis Gießen, zu bedenken.

Kostenfaktor: Baumwollauflagen 50 bis 70 Euro, Kunststoff ab 15 Euro.

Badezusatz

Allgemein: Eigentlich brauchen Babys keine Badezusätze, doch viele Eltern lieben die duftenden Schaumbäder. 

Pflegefaktor: "Je weniger Zusatzstoffe Badezusätze enthalten, desto besser", sagt Apothekerin Cerstin Czock. "Mineralöle können mit Substanzen belastet sein, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Manchen Konservierungsstoffen wird eine hormonähnliche Wirkung nachgesagt." Die natür­liche Variante – Baden und Ein­reiben mit Pflanzenöl – sollte man aber auch nicht übermäßig nutzen. In einer Studie zeigte sich, dass sich die Hautbarriere von Babys bei täglicher An­wendung von Oliven- oder Sonnen­­blumenöl langsamer aufbaute. Ge­gen einen Schuss Öl oder Muttermilch einmal pro Woche ins Bade­wasser sei aber nichts einzuwenden. Das genüge für die schonende Pflege, so Uta Schlossberger.

Hautfreundlichkeit: "Verzichten Sie bei einer familiären Neigung zu Allergien oder Neurodermitis auf Duft- und Konservierungsstoffe. Babyhaut reagiert viel schneller als die von Erwachsenen", warnt die Ärztin.

Zeitaufwand: Für beide Varianten jeweils minimal.

Und die Umwelt? Besser biologisch abbaubar als Muttermilch kann kein gekauftes Produkt sein.

Kostenfaktor: Für Bio-Marken oder ein gutes Olivenöl muss man etwas tiefer in die Tasche greifen, Muttermilch gibt’s gratis.


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