Sonnenallergie vorbeugen und behandeln

Pusteln, Quaddeln und rote Knötchen können einem den Spaß an der Sonne vermiesen. Wie Sie einer Sonnenallergie vorbeugen und was dagegen hilft

von Julia Schulters, aktualisiert am 02.05.2017
Familienurlaub

Eine Sonnenallergie tritt häufig zu Beginn des Sommers oder des Urlaubs auf


Endlich Sommer! Was für ein Genuss, das erste Mal wieder in der Sonne zu liegen und die leeren Energie-Speicher aufzufüllen! Auf manche Menschen wartet am Abend allerdings eine böse Überraschung: Sie haben Pusteln und Bläschen, ihre Haut ist rot und juckt. 10 bis 20 Prozent ­aller Menschen leiden unter Hautreaktionen, die in Zusammenhang mit Licht auftreten. "Sonnen­­allergie" nennt das der Volksmund. Ganz richtig ist dieser Begriff allerdings nicht.

"Die eine Sonnenallergie gibt es nicht", sagt Dr. med. Jens Tesmann, Hautarzt aus Stuttgart. "Es gibt viele verschiedene Formen." Und nicht immer ist tatsächlich eine Allergie, also eine überschießende Reak­tion des Immunsystems, der Grund. "Über die Ursachen der verschiedenen Sonnenallergie-Typen rätseln Forscher zum Teil noch", erklärt der Apotheker Dr. Joachim Kresken, Vorsitzender der Gesellschaft für Dermo­pharmazie aus Viersen. Welche unterschiedlichen Formen der Sonnen­allergie es gibt und wie Sie vorbeugen können:

Polymorphe Lichtdermatose

Sie steckt in den meisten Fällen dahinter, wenn Patienten mit den Beschwerden einer "Sonnenallergie" in Jens Tesmanns Praxis kommen. "Die polymorphe Lichtderma­tose kann ganz unterschiedlich aussehen", sagt Tesmann. Juckende Bläschen, Quaddeln, Knötchen und Papeln – die Bandbreite der möglichen Symptome ist groß. Meist sind die Körperstellen betroffen, die der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, zum Beispiel das Gesicht, der Hals, die Arme oder die Handrücken.

Dr. Jens Tesmann

Welche Ursache diese Form der Sonnenallergie hat, konnten Ärzte bisher nicht abschließend klären. "Aber die UV-A-Strahlen des Sonnen­lichts scheinen eine ­Rolle zu spielen. Durch ihren Einfluss werden Entzündungsbotenstoffe in der Haut freigesetzt", erklärt Tesmann.

Meist treten die Symptome gleich zu Beginn des Sommers auf oder in den ersten Urlaubstagen in südlichen Ländern. "Die Haut ist dann noch nicht an die Sonne gewöhnt", sagt Apotheker Kresken. Er empfiehlt, es in Sachen Sonnenbaden gerade am Anfang der warmen Jahreszeit langsam angehen zu lassen: "Nur kurze Zeit in der Sonne bleiben und den Körper mit Kleidung schützen."

Dr. Joachim Kresken

Wichtig außerdem: das richtige Sonnenschutzmittel. Patienten, die schon einmal eine polymorphe Lichtdermatose hatten, sollten neben einem hauttypgerechten Lichtschutzfaktor auch auf einen ausreichend hohen UV-A-Schutz achten.

"Er sollte mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors betragen", erklärt Kresken. Verbraucher können ein entsprechendes Lichtschutzmittel an einem Symbol – UV-A in einem Kreis – auf der Verpackung erkennen. Sonnenallergiker sollten sich am besten immer in der Apotheke beraten lassen.

"Oft verschwinden die Beschwerden einer polymorphen Lichtdermatose nach einiger Zeit von alleine wieder", sagt Tesmann. Sind sie allerdings sehr stark, verschreibt der Arzt meist kortisonhaltige Salben oder Cremes, welche die Symptome lindern.

Lichturtikaria: Nesselsucht durch Sonnenlicht

Quaddeln an Körperstellen, die nicht der Sonne ausgesetzt sind: Daran ist häufig eine Lichturtikaria schuld, also eine Nesselsucht, die durch Sonnenlicht verursacht wird. Die Entzündungsbotenstoffe werden bei dieser Sonderform der polymorphen Lichtderma­tose mit dem Blutserum transportiert. "Deshalb tritt der Ausschlag auch an Stellen auf, die nicht mit der Sonne in Kontakt kommen", sagt Tesmann. Betroffene denken daher fälschlicherweise häufig an­ ­eine Allergie auf Waschmittel oder Duschgele.

Die Diagnose kann der Hautarzt mithilfe einer gezielten UV-Bestrahlung diagnostizieren. Patienten sollten die Sonne konsequent meiden und sich durch Kleidung und Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor schützen (50+). In schweren Fällen verschreibt der Arzt manchmal Kortisontabletten oder andere Medikamente, die das Immunsys­tem hemmen.

Hydroa Vacciniformia: pockenartiger Ausschlag

Dieser pockenartige Ausschlag im Gesicht tritt vor allem bei Kindern unter zehn Jahren auf: Hydroa vacciniformia kommt sehr selten vor und trifft überwiegend Mädchen. "Experten vermuten, dass es durch Sonnenlicht zu einer Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus kommt, dem Auslöser des Pfeiffer’schen Drüsenfiebers", sagt Tesmann. "Die Kinder müssen sich vorher irgendwann einmal mit dem Virus infiziert haben, die Krankheit muss aber nicht unbedingt ausgebrochen sein."

Das Problem: Der Ausschlag schmerzt und juckt stark, folglich kratzen sich die Kinder. Das kann auf ­Dauer unschöne Narben hinterlassen. Im akuten Stadium helfen höher konzentrierte kortisonhaltige Salben oder Cremes. Manchmal sind aber auch Kortisontabletten nötig.

Mallorca-Akne

Bei der Mallorca-Akne ist es nicht das Sonnenlicht allein, das den unangenehmen Ausschlag verursacht. Ärzte gehen davon aus, dass die Kombination aus bestimmten öl- oder fetthaltigen Sonnenschutzmitteln und UV-A-Strahlung für die akneähnlichen Pickel verantwortlich sind. Apotheker Joachim Kresken empfiehlt Betroffenen daher, sich mit fettfreien Lichtschutzmitteln auf Gelbasis vor der Sonne zu schützen. Solche Lichtschutzmittel gibt es in der Apotheke. Lassen Sie sich beraten.

Photoallergische Reaktion

Hier entsteht unter Einfluss von UV-Licht eine Allergie auf einen Stoff, etwa auf bestimmte Arzneimittel. Die Haut wird an den Körperstellen, die der Sonne ausgesetzt waren, rot, es können Bläschen entstehen. Deshalb: vor dem Sonnenbaden den Beipackzettel lesen und die Sonne meiden. Auch das Solarium ist tabu.

Phototoxische Reaktionen

Um eine Allergie handelt es sich bei einer phototoxischen Reaktion nicht. "Das Immunsystem ist nicht beteiligt", sagt Kresken. Stattdessen kommt es hier zwischen einem Stoff und dem Sonnenlicht zu einer direkten chemischen Reaktion im Körper. Die Folge: Die Haut wird anfälliger für einen Sonnenbrand, schon ein kurzes Sonnenbad kann zu starken Rötungen der Haut führen.

Solche Reaktionen werden ausgelöst durch äußerlichen Kontakt zu bestimmten Pflanzen oder zu Inhaltsstoffen von Kosmetika. Auch die Einnahme bestimmter Antibiotika oder harntreibender Mittel kann eine phototoxische Reaktion auslösen.


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