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So viel Natur steckt in Naturkosmetik

Öle statt Mikroplastik, Pflanzenextrakte statt chemische Wirkstoffe: Naturkosmetik liegt im Trend. Was Käufer dabei beachten sollten

von Madlen Ottenschläger, 27.07.2018
Aloe Vera

Aloe vera ist oft in natürlichen Gesichtscremes enthalten, da sie der Haut Feuchtigkeit spendet


Der Wecker klingelt. 6.30 Uhr morgens in Deutschland. Es schäumt und duftet in den Badezimmern der Republik, Zähne werden geputzt und Haare gewaschen, Gesichter gereinigt und Achseln deodoriert.

Und immer mehr Menschen lassen bevorzugt spezielle Produkte an ihren Körper. Etwa jeder Vierte nutzt inzwischen naturnahe und Naturkosmetik. Ein stabiler Trend. Allein in Deutschland hat sich der Markt im Bereich Naturkosmetik in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt.

Was ist in Naturkosmetik enthalten?

Eine, die sich mit Naturkosmetik auskennt, ist Anke Schulze. Die pharmazeutisch-technische Assistentin und Kosmetikerin arbeitet in einer Apotheke im thüringischen Saalfeld und ist auf Naturkosmetik spezialisiert. "Da stecken nur Rohstoffe natürlichen Ursprungs drin", sagt die Expertin. Also pflanzliche Substanzen wie beispielsweise Aloe vera oder Öl aus Traubenkernen, aber auch Alkohol und Wasser oder tierische Produkte wie Honig oder Bienenwachs. Vegan ist Naturkosmetik also nicht unbedingt, wobei Bestandteile von toten Wirbeltieren wie Nerz­öle tabu sind.

Ebenso haben künstliche In­haltsstoffe wie zum Beispiel Mikroplastik, Erdölprodukte, Sili­kone, Parabene und synthetische Duft-, Farb- und Konservierungs­stoffe nichts in Tuben, Flaschen und Döschen zu suchen, die als Naturkosmetik deklariert und verkauft werden.

Welches Produkt passt zu mir?

Anke Schulze klärt zunächst, ob ihre Kunden eine Allergie haben. "Leidet jemand unter Heuschnupfen, muss ich ausschließen, dass die Pflanzen, auf die er reagiert, enthalten sind." Manche wissen auch gar nichts von einer Allergie, entwickeln aber sogenannte Kontakt­ekzeme (die können übrigens auch bei konventioneller Kosmetik auftreten). Die Haut juckt, wird rot und formt kleine Knötchen – fortan muss der Übel­täter gemieden werden, denn eine Kontaktallergie ist nicht heilbar.

Gut, dass Mutter Natur ein buntes Potpourri an Wirkstoffen bereithält! Spannt etwa die Ge­sichtshaut, gibt Aloe vera Feuchtigkeit, Ringelblume regeneriert. "Borretsch kann gefäßstärkend wirken und bei Rötungen helfen", so Schulze. Bei fettigglänzender Haut dürfe Hamamelis ins Gesichtswasser, das bei unreiner Haut klärend wirke. Schulze kennt auch die positiven Wirkungen, die anderen Pflanzen zugeschrieben werden, etwa: Meeres­algen (stärkend), Kapuzinerkresse (klärend), Wundklee (belebend), Rose (vitalisierend), Rotklee (regenerierend).

Wie werden künstliche Inhaltsstoffe (z. B. Konservierungsmittel) ersetzt?

Bleibt eine Frage: Wenn in Naturkosmetik nur natürliche Sub­stanzen hineindürfen – wie werden dann etwa Cremes, Lotionen und Shampoos geschmeidig? Bei konventioneller Kosmetik kann Mikro­plastik diese Rolle spielen, konserviert wird mit synthetischen Stoffen. "In der Naturkosmetik sorgen fette Öle, etwa Avocado-, Jojoba- oder Mandel­öl, für Geschmeidigkeit."

Die Haltbarmacher aber kommen tatsächlich teils aus dem Labor. Sie müssen dann natur­identisch sein, also die Natur nachbauen. Ein Beispiel dafür ist Sorbinsäure, die ursprünglich aus der Vogelbeere stammt. Andere Hersteller nutzen Alkohol und ätherische Öle zum Konservieren. Da also die Inhaltsstoffe variieren, gibt es keine einheitliche Haltbarkeitsdauer. Tipp: immer die Kennzeichnung auf dem Produkt beachten.

Ist Naturkosmetik speziell zertifiziert?

Überhaupt sollten wir Käufer hinschauen, ob eine Reinigungsmilch oder Wimperntusche wirklich Naturkosmetik ist. "Anders als bei Bio gibt es kein einheit­liches EU-Siegel für Naturkosmetik", sagt Anke Schulze. An strenge Auflagen gebunden und damit empfehlenswert sind die Labels "BDIH-kontrollierte Naturkosmetik" und "NaTrue". Wer bei einem Siegel unsicher ist: Der Verein "Verbraucher Initiative" prüft Zertifizierungen (www.label-online.de). Und: "Nicht verwechseln darf man Naturkosmetik mit naturnaher Kosmetik", erklärt die Expertin. "Bei dieser sind nur viele Wirkstoffe pflanzlich." Es kann also trotzdem auch Synthe­tisches drinstecken.

Drei Anleitungen für DIY-Kosmetik

1. Schäumendes Badesalz

30 g Totes-Meer-Salz, 6 ml Mandelöl und 10 bis 20 Tropfen Parfümöl oder ätherisches Öl (je nach gewünschter Intensität) verrühren. 35 g SLSA (Sodium Lauryl-Sulfoacetate; Tensid für die Schaumbildung), 20 g Maisstärke und 5 g Magermilchpulver untermischen.
Achtung:
Bitte einen Mundschutz tragen, da reines SLSA die Atemwege reizen kann.
Haltbarkeit:
circa 6 Monate

2. Pflegender Lippenbalsam

2,5 ml Kokosöl, 1,5 g Kakaobutter, 0,5 g Carnaubawachs und 2 g Sheabutter im Wasserbad schmelzen. Die geschmolzene Masse in ein Creme­döschen geben.
Haltbarkeit: circa 6 Monate

3. Reinigendes Gesichtswasser

70 g destilliertes Wasser mit 20 g Ethanol, 3 g Glyzerin und 2 g Hamamelisextrakt verrühren.
Haltbarkeit: circa 6 Monat


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