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Scheidenpilz vorbeugen und behandeln

Wer schon mal einen Scheidenpilz hatte, weiß: Die Beschwerden können ganz schön nerven! Aber wie entsteht so ein Pilz eigentlich? Und kann man sich wirklich über die Klobrille anstecken?

von Kirsten Hoffmeister, aktualisiert am 25.09.2018

Unsere Experten erklären, woher Scheidenpilz kommt und welche Wirkstoffe dagegen helfen


Einige Frauen bekommen ihn regelmäßig. Andere ganz selten. Wenn es im Intimbereich juckt und brennt und ein weißlicher, quarkähnlicher Ausfluss aus der Scheide kommt, steckt sehr wahrscheinlich ein Scheidenpilz dahinter. Fast dreiviertel aller Frauen leiden mindestens einmal im Leben darunter, viele sogar mehrmals.

Wie entsteht so ein Vaginalpilz?

Ähnlich wie im Darm leben in der Scheide Millionen unterschiedlicher Bakterien. Auch Pilze gehören zur natürlichen Vaginal­flora. Stört etwas dieses Gleich­gewicht, können sich Hefepilze (meistens Candida albicans) stärker vermehren oder auch die schützenden Milchsäurebakterien geschwächt werden. "Oft passiert das, wenn Frauen ein Antibiotikum einnehmen mussten", erklärt Prof. Dr. Barbara Schmalfeldt, Direktorin der Abteilung Gynäkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Medikamente töten nicht nur krank machende Keime ab, sondern können auch den Milchsäure­bakterien in der Scheide schaden. Manchmal ist der Vaginalpilz die Folge einer Therapie mit Kortison oder Mitteln, die das Immunsystem unterdrücken. Auch Diabetes, ein geschwächtes Immunsystem, eine Schwangerschaft oder die Pille können einen Pilz begünstigen.

Den Pilz bekämpfen

"Treten die Symptome zum ersten Mal auf, sollten Frauen in jedem Fall zum Gynäkologen gehen", empfiehlt ­Schmalfeldt. "Nur so lassen sich andere Erkrankungen ausschließen." Kommt das Jucken im Intimbereich tatsächlich vom Scheidenpilz, lässt er sich zum Glück meist einfach behandeln. Ein sogenanntes Anti­mykotikum tötet den Pilz schnell ab und führt rasch zur Linderung der Beschwerden. "Am besten eignet sich ein Kombinationspräparat aus Zäpfchen oder Tabletten für die Scheide und einer Creme für die Schamlippen", sagt Apothekerin Sandra Toberna aus Lübben. "Oft reicht eine Behandlung je nach Präparat über ein bis drei Tage aus."

Übrigens: Eine Ansteckung von außen, etwa über Klobrillen, ist nahezu ausgeschlossen. Und auch eine Übertragung des Pilzes auf den Partner ist eher unwahrscheinlich. "Nur wenn er ebenfalls Beschwerden hat, sollte er sich mit einer anti­mykotischen Creme behandeln, damit sich das Paar beim Geschlechtsverkehr nicht immer wieder gegenseitig ansteckt", rät Sandra Toberna.

Schwangere zum Arzt

Frauen, die ein Kind erwarten, erkranken überdurchschnittlich häufig an einem Scheidenpilz. Das liegt daran, dass ihr Immunsystem in dieser Zeit geschwächt ist. Aber auch die hormonelle Umstellung lässt Frauen für einen Vaginalpilz anfälliger werden. Die Botenstoffe sorgen dafür, dass sich der pH-Wert und der Zuckergehalt in der Scheide verändern – für Pilze ist dies ein ­idealer Nährboden.

Beruhigend: Dem Baby im Mutterleib passiert in der Regel nichts. Trotzdem sollten Frauen den Pilz spätestens gegen Ende der Schwangerschaft behandeln – falls er keine Symptome macht und nur ein Zufallsbefund war. Bei der Geburt kann er die Haut des Neugeborenen besiedeln und später über den Mund in den Körper des Kindes gelangen. Das ist vor allem für Frühchen nicht ungefährlich. ­Schmalfeldt rät: "Bei Beschwerden in der Schwangerschaft immer zum Frauenarzt gehen."

Verletzungen an der Scheide, etwa durch Kratzen oder Jucken, seien außerdem die perfekte Eintrittspforte für Bakterien. Die können im schlimmsten Fall eine Infektion verursachen und das Früh­geburtsrisiko steigern. Gut zu wissen: Fast alle Wirkstoffe, die nur äußerlich aufgetragen werden, sind auch in der Schwangerschaft und Stillzeit erlaubt.

Dem Pilz vorbeugen

Damit es nicht schnell wieder zu einer Infektion kommt, können Frauen ein paar Dinge beachten:

  • Wasser und ein sauberer Waschlappen reinigen im Intimbereich ausreichend und schonen die Vaginal­flora. Seife zerstört die Schutzschicht. Besser sind Waschgele, die auf den Intimbereich abgestimmt sind.
  • Parfümierte Slipeinlagen können die Haut reizen.
  • Finger weg von synthetischer Unterwäsche! Sie lässt die Haut schwitzen und führt zu einem feuchtwarmen Milieu, das Pilze lieben.
  • Unterwäsche und Handtücher bei 60 Grad in der Wasch­maschine mit einem Vollwaschmittel waschen.
  • Beim Toilettengang von vorne nach hinten wischen, sonst gelangen Pilze aus dem Darm leicht in die Scheide.

Immer wieder betroffen?

Wer trotzdem immer wieder einen Pilz bekommt, sollte die Ursache dafür am besten von seinem Gynäkologen klären lassen. Bei Frauen, die die Pille nehmen, hilft es manchmal schon, das Präparat zu wechseln. Ob es etwas bringt, sich zuckerfrei zu ernähren, darüber sind sich Experten uneinig. Studien bescheinigen der ehemals propagierten Anti-Pilz-Diät jedenfalls keinen ­wirksamen Effekt. Ähnlich bei Vaginalzäpfchen, die Milchsäurebakterien enthalten. "Es ist nicht erwiesen, ob die Mittel tatsächlich helfen", sagt Schmalfeldt.

Sie empfiehlt betroffenen Frauen oft eine Langzeitbehandlung über mehrere Wochen. Dabei nehmen Frauen in der ersten Woche dreimal, dann einmal in der Woche eine AntiPilz-Tablette ein. "Meist wird man den lästigen Dauer-­­Begleiter spätestens damit los."


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