Richtig Zähne putzen – von Anfang an

Schon bevor der erste Zahn durchblitzt, sollte die Zahnpflege beginnen, sagen Experten. Wie funktioniert die bei Babys? Und was können Eltern tun, wenn das Kind keine Lust darauf hat?
von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 19.09.2017

Bürste in die Hand und los: Schon Milchzähne sollten regelmäßig geputzt werden

CD/Images Source/All in the Family

Sollte man schon vor Durchbruch des ersten Zähnchens­ putzen üben?

Keine schlechte Idee. Kinderzahnärztin Dr. Jacqueline Esch aus München rät: "Massieren Sie den Kieferkamm Ihres Kindes ­ruhig von Geburt an sanft mit einem befeuchteten Wattestäbchen oder einem Mundpflege-Fingerling. Am besten nach jedem Stillen beziehungsweise nach jeder Mahlzeit." Die Kleinen gewöhnen sich so an die tägliche Mundhygiene, empfinden sie später als selbstverständlich. Und die Massage tut gut, wenn die ersten Zähne drücken.

Für ­­Babys eignen sich Zahnputz-Fingerhütchen mit Bors­ten aus weichem Gummi oder ein Waschlappen-Fingerling. Anschließend das Hütchen oder den kleinen Handschuh unter heißem Wasser abwaschen und an der Luft trocknen lassen.

Welche Zahnbürste ist die richtige?

Ein kleiner Bürstenkopf mit weichen Borsten schont das ­sensible Zahnfleisch. Achten Sie auf die Alters­angaben der Hersteller, dann liegen Sie mit der Größe des Bürsten­kopfes und der Länge und ­Dicke des Griffs ab dem ersten Zahn richtig. "Sobald erste Abnutzungs­erscheinungen zu sehen sind, ­also die Borsten schräg abstehen, gibt es eine neue Zahnbürste", so Jacque­line Esch. Das kann anfangs häufig­ der Fall sein, weil Kleinkinder ­gerne auf der Bürste herumkauen.

Ein vollständiges Kindergebiss verfügt über 20 Zähne. Bei Erwachsenen sind es inklusive Weisheitszähne 32

W&B/Astrid Zacharias

Welche Zahnpasta und wie viel davon sollen wir nehmen?

Ab dem sechsten Lebensmonat empfehlen Experten einmal täglich einen erbsengroßen Klecks Zahnpasta mit einem Fluorid­gehalt von 0,05 Prozent (entsprechend 500 ppm). "Nach dem ers­ten Geburtstag wird ­diese Zahnpasta zweimal täglich verwendet", sagt Esch. Nehmen die Kinder Fluorid­tabletten ein, sollten Eltern aber fluoridfreie Zahncreme ­wählen. Welche Alternative besser ist, darüber sind Experten oft uneins.


Dr. Jacqueline Esch ist Kinder­zahnärztin aus München und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte

W&B/Privat

Kinderzahnärztin Dr. Mo­nika Prinz-Kattinger aus Essen sagt: "Aus zahnärztlicher Sicht empfehle ich fluoridierte ­Zahnpasta statt Tabletten. Fluorid auf den Zahn ­direkt aufzutragen, beugt ­Karies unserer Meinung nach ­effektiver vor." Brechen mit etwa sechs Jahren die ersten bleibenden Zähne durch, brauchen Kinder eine Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid.

Ab wann kann man elektrisch putzen?

"Manche Kinder sind mit drei Jahren so weit, andere schon mit anderthalb – und manche trauen sich gar nicht, weil sie Angst davor haben", hat Monika Prinz-Kattinger festgestellt. Elektrisch putzen ist generell kein Muss. Ob die Zahnbeläge akkubetrieben oder von Hand gründlich entfernt werden, macht keinen Unterschied. Einen Vorteil sieht die Expertin bei Elektrobürsten mit Andrucksensor: "Die Bürste stoppt, wenn zu viel Druck ausgeübt wird. Beim manuellen Putzen haben das oft weder die Eltern noch das Kind so genau im Gefühl, und das Zahnfleisch wird dann manchmal wund."

Dr. Monika Prinz-Kattinger ist Kinderzahnärztin aus Essen und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte

/Ardent Group

Bis zu welchem Alter müssen Eltern nachputzen?

Viel länger, als sie wahrscheinlich denken – nämlich ungefähr bis zum neunten Lebensjahr. "Erst, wenn Schulkinder eine schöne Schreibschrift entwickelt haben, ist die Motorik zum Selberputzen ausgereift. Erst dann erwischen die Kinder wirklich alle Ecken und Kanten der Zähne", erklärt Jacque­line Esch. Davor heißt es: Die Kleinen putzen vor, so gut es geht, ­­Mama oder Papa bürsten nach.

Was tun, wenn das Kind sich sträubt?

Manche veranstalten ein Riesen­theater oder pressen unerbittlich die Lippen zusammen. Da ist Einfühlungsvermögen gefragt, sagt Monika Prinz-­­Kattinger: "Viele Kinder sind im Mundraum hochsensibel und empfinden das Putzen als unangenehm. Gehen Sie möglichst spielerisch an die Sache heran." Um eine bereits angespannte Situation zu entschärfen, rät Esch, mal nicht im Bad, sondern im Kinderstuhl, auf dem Wickel­tisch unterm drehenden Mobile oder auf Mamas oder Papas Schoß zu putzen.

Spiele für leichteres Zähneputzen

Je nach Alter helfen auch verschiedene Spiele. Reime lenken jüngere Verweigerer ab, zum Beispiel:

  • Zähneputzen, Zähneputzen – das muss jedes Kind. Zähne­putzen, Zähne­­putzen – bis sie sauber sind.
  • Ritsche, ratsche, hin und her, Zähneputzen ist nicht schwer. Kreise, Kreise, rundherum, Zähneputzen ist nicht dumm. Wir fegen aus, wir fegen aus, die Krümel müssen alle raus.
  • Oder ein Zahnputz-Lied (Melodie: Ein Männlein steht im Walde): Wir putzen unsere Zähne von Rot nach Weiß. Wir führen unsere Bürste stets rund im Kreis. Morgens, wenn ich früh aufsteh‘, abends, wenn zu Bett ich geh‘, putz ich meine Zähne so weiß wie Schnee.

Oder: den Zähnen Tiernamen geben ("Jetzt putzen wir ­vorne die Mäusezähne, da hinten schaut der Bärenzahn heraus"). ­Dazu das Lieblingslied anmachen oder ­einen Eierwecker laufen lassen, damit wirklich zwei bis drei Minuten lang geputzt wird.

Mit ä­lteren Kindern könnten Eltern auch ­einen Wettbewerb veranstalten: Wer kann am längsten putzen, ohne auszuspucken? Und wenn die Familie nach den Mahlzeiten gemeinsam den Karies-Kampf startet, motiviert das natürlich besonders.

Soll man Kinder zum Zähneputzen zwingen?

"Strampelt Ihr Kind tatsächlich wie wild, muss der andere Eltern­teil mithelfen. Da empfiehlt sich die Knie-zu-Knie-Position." Dazu sitzen die Erwachsenen Knie an Knie auf zwei Stühlen gegenüber. Der Hinterkopf des Kindes ruht in Mamas Schoß, der Po in Papas Schoß oder umgekehrt. Die ­Zähne werden im Liegen geputzt, ­Arme und Beine kann man auf diese ­Weise sanft im Zaum halten. Beide Expertinnen sind sich einig: Auch wenn es sich mühsam gestaltet, ist Zähneputzen nicht verhandelbar!

Sollen Kinder auch schon Zahnseide benutzen?

Kommt darauf an. "Stehen die ­Zähne so weit auseinander, dass man ohne Probleme an alle Zahnflächen mit der Bürste rankommt, muss das nicht sein", meint Prinz-Kattinger. Allerdings liegen die Kontaktflächen der Backenzähne meist dicht an dicht. Da kann Zwischenraumkaries entstehen, wenn Sie keine Zahnseide verwenden. "Lassen Sie sich die richtige Technik vom Zahnarzt zeigen, denn es braucht schon ein gewisses Geschick, vor allem, wenn das Kind vielleicht nicht ganz stillhält."

Ist es schlimm, wenn man das Putzen mal auslässt?

Das Kind ist im Auto eingeschlafen oder hat einen schlimmen Quengel-Tag. Dann kann man doch einmal das Zähneputzen ausfallen lassen … "Lieber nicht", so Jacqueline Esch, "denn erfahrungsgemäß werden Eltern, die sich auf solche Ausnahmen einlassen, mit der Zeit eher nachlässig." Zweimal täglich wird geputzt, auch bei schlechter Laune oder halb schlafend im Bett.

In der Kita werden keine Zähne geputzt. Ist das schlimm?

Nein. "Es genügt, wenn täglich mor­gens und abends gründlich geputzt wird", so Prinz-Kattinger. "Sie können Ihrem Kind vermitteln, nach dem Essen ein Glas Wasser zu trinken. Damit werden schon viele schädliche Säuren weggespült."

Müssen es drei Minuten sein?

"Das ist nur ein Richtwert", sagt Prinz-Kattinger. "Jede ­Sekunde Putzen ist wertvoll. Putzen Sie nach dem K-A-I-Prinzip: immer Kauflächen – Außen – Innen, an jedem einzelnen Zahn." Wenn Sie damit nach zwei Minuten fertig sind, auch okay.


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