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Richtig Fieber messen

Hat das Kind Fieber? Es gibt mehrere­ Möglichkeiten, die Temperatur zu messen: Im Po, im Ohr, im Mund, an der Stirn oder unter der Achsel, dafür gibt es verschiedene Thermometer. Nicht jedes eignet sich gleich gut

von Andrea Schmidt-Forth, aktualisiert am 07.05.2019
Krank mit Fieber

Heiße Stirn: Eltern sollten beim Fiebermessen auf die richtige Methode achten


Fieber – Wann zum Arzt?

  • Das ist Fieber: Ab 37,5 Grad Celsius spricht man von erhöhter Temperatur, Fieber beginnt mit 38,1 Grad Celsius, hohes Fieber hat ein Kind ab 40 Grad Celsius.
  • Zum Arzt: "Je jünger das Kind ist, desto früher sollte es zum Kinderarzt", empfiehlt Julia Bark, Apothekerin aus Kaiserslautern. Und immer, wenn es dem Kind sichtlich schlecht geht, es abgeschlagen und teilnahmslos wirkt, nichts oder zu wenig trinkt, Schmerzen hat, Hautveränderungen dazukommen oder wenn das Fieber nach zwei Tagen nicht gesunken ist.
  • Gut vorbereitet: "Dokumentieren Sie die Messwerte beim Fiebermessen über einige Stunden. Das liefert dem Arzt wichtige Informationen", rät die Apothekerin.

Messung im Po, im Mund oder in der Achselhöhle mit dem Kontaktthermometer

Anwendung: Für Säuglinge und Kleinkinder empfehlen Kinder- und Jugendärzte, die Temperatur rektal, also im After, zu ermitteln. "Damit messen Sie nah am Körperkern, die Fehlerquote ist sehr gering", sagt Apothekerin Julia Bark. Die Spitze leicht eincremen und das Thermometer behutsam 2 cm tief in den Po einführen. Dort belassen, bis der Wert nicht mehr steigt oder bis zum Piepston. Nach dem Messen mit warmem Wasser und etwas Seife abspülen, bei Magen-Darm-Infekten desinfizieren.

Bei der sublingualen Messung wird das Thermo­meter möglichst weit hinten im Mund und unter der Zunge platziert. Sie eignet sich eher für größere Kinder und Erwachsene. Diese sollten in der letzten halben Stunde vor der Messung weder Heißes noch Kaltes zu sich nehmen; das könnte das Ergebnis verfälschen.

Vergleichsweise ungenau ist die Messung in der ­Achselhöhle. Sie misst nur die Temperatur der Haut, die Schwankungen können zum Teil groß sein. Zudem dauert sie relativ lange.

Geeignet für: Die rektale (im After) Messung eignet sich für alle Altersgruppen, vom Baby bis zum Schulkind. Die orale (im Mund) oder ­axiale (in der Achsel) Messmethode ist erst ab dem Vorschulalter zu empfehlen, weil das Kind dabei aktiv mitwirken und länger stillhalten muss.

Funktionsweise: Kontaktthermometer gibt es in zwei Varianten, die unterschiedlich funktionieren:

  • Sogenannte Ausdehnungsthermometer bestehen aus Glas und ver­fügen über eine Messskala. In ihrem Inneren befindet sich ein Röhrchen, gefüllt mit der farbigen Substanz Galinstan, die sich unter Einfluss von Körperwärme ausdehnt. Im Ge­gensatz zu Quecksilber, das früher verwendet wurde, ist es ungiftig.
  • Digitale Fieberthermometer aus Kunststoff enthalten einen elek­trischen Sensor, der die Temperatur erfasst. Die Körperwärme verändert den elektrischen Widerstand des Sensors. Dies wird von einer elek­tronischen Schaltung ausgewertet. Ist die Messung abgeschlossen, ertönt ein akustisches Signal, und auf dem Display erscheint der Messwert.

Messgenauigkeit: Beide Thermometer messen sehr genau. Bei ihnen erlaubt die Zulassungsbehörde nur eine Abweichung von bis zu 0,1 Grad Celsius vom tatsäch­lichen Wert. Das Messergebnis hängt allerdings auch davon ab, wie geübt der Anwender ist und wo gemessen wird.

Vorteile: In der Anschaffung günstig: Glasthermometer circa 7 bis 12 Euro; digitale Thermometer 2 bis 7 Euro; Ersatzbatterien kosten extra. Beide Thermometer können leicht gereinigt und desinfiziert werden.

  • Glasthermometer sind sofort einsatzbereit. Auch für Patienten mit Nickel-Kontaktallergie geeignet.
  • Digitale Thermometer messen innerhalb von Sekunden (circa 30 bis 60 Sekunden, manche schneller) und eignen sich besonders für unruhige Babys oder Kleinkinder. Manche Modelle speichern bis zu zehn Messwerte. Einige haben eine angenehm weiche Spitze.

Nachteile: Glasthermometer können zerbrechen, haben eine feste Spitze, das Messen erfordert Geduld (etwa fünf Minuten). Digitale Fieberthermo­meter benötigen eine Batterie.

Messung im Ohr mit dem Ohrthermometer

Anwendung: Die Messspitze des Thermo­meters wird vorsichtig in den Gehörgang geführt. Der Sensor soll exakt aufs Trommelfell ausgerichtet sein, damit die Messung zuverlässig ist. Bei Säuglingen und Kleinkindern muss dazu die Ohrmuschel etwas nach hinten gezogen werden. 

Geeignet für: Säuglinge frühestens ab sechs Monaten, vorher ist der Gehörgang noch zu eng. Kinder, die die rektale Messung nicht tolerieren.

Funktionsweise: Ein Infrarotsensor misst die Wärmestrahlung des Trommelfells. Die Ohrtemperatur liegt wegen der Nähe zum Blutkreislauf des Gehirns nahe bei der tatsäch­lichen Körperkerntemperatur. Der Messwert wird auf einem Display digital angezeigt.

Messgenauigkeit: Gut bis mittel. Bis zu 0,3 Grad Abweichung vom tatsächlichen Wert ist erlaubt. Die Qualität der Messung hängt von der Erfahrung desjenigen ab, der misst. "Lassen Sie sich die Handhabung beim Kinderarzt zeigen", so Julia Bark. Wird das Thermometer nicht exakt positioniert, kann das Ergebnis Eltern in trügerischer Sicherheit wiegen. Der kleine Patient sollte vor dem Messen nicht auf dem jewei­ligen Ohr liegen, da dies das Ergebnis verfälschen kann.

Vorteile: Messung in wenigen Sekunden, die Messstelle ist leicht zugänglich. Recht hygienisch durch Schutzkappe, die nach jeder Messung ge­wechselt wird. Manche Geräte speichern mehrere zurückliegende Messwerte. Oder die Ergebnisse können über eine App verwaltet werden.

Nachteile: Die schwierige Handhabe für Laien (außer bei Geräten, die mit Licht und Signalton anzeigen, wenn die Position stimmt). Die Messgenauigkeit hängt von der Anatomie des Ohres ab. Das Kind muss stillhalten. Bei Ohrentzündungen ungeeignet. Der Preis: circa 45 Euro.

Messung an der Stirn mit dem Stirnthermometer

Anwendung: Je nach Bauart des Geräts wird der Sensor sanft über die Stirn gerollt oder unterhalb der Schläfe angesetzt. Einige Geräte funktionieren ohne Hautkontakt.

Geeignet für: Alle Altersgruppen.

Funktionsweise: Ein Infrarotsensor ermittelt die Temperatur an Stirn oder Schläfe, ein zweiter Sensor misst die Umgebungstemperatur. Daraus errechnet das Gerät die Körpertemperatur.

Messgenauigkeit: Mittelmäßig, Ab­weichungen von bis zu 0,3 Grad vom tatsächlichen Wert sind zulässig. Bei kontaktloser Messung sind die Ergebnisse unzuverlässiger.

Vorteile: Ergebnis innerhalb weniger Sekunden. Man kann Fieber ­messen, während das Kind schläft. ­Hy­gienisch, da nicht in Körperöffnungen gemessen wird.

Nachteile: Je nach Gerät geringe Messgenauigkeit. Es ist relativ teuer (30 bis 70 Euro).

Besondere Thermometer

Bluetooth-Klebepad

Bei kleinen Patienten, deren Körper­temperatur ständig überwacht werden muss, kann die Bluetooth-­Variante mit Klebepad eine Lösung sein. Hierbei wird ein Kunststoffpad, das aussieht wie ein großes Pflaster, unter einer Achsel auf die Haut geklebt. Das dazugehörige Steuer­gerät wird in wenigen Metern Entfernung positioniert. Kunststoffpad wie Steuergerät müssen sich mindes­tens fünf Minuten lang an die Raumtemperatur "gewöhnt" haben, bevor die erste Messung vorgenommen werden kann. Sie dauert acht Minuten.

Schnullerthermometer

Ein integrierter Sensor im Nuckel misst die Temperatur im Mund und zeigt den Wert digital an. "Allerdings sind die Messwerte sehr un­genau, und das Kind muss den Schnuller etwa fünf Minuten ununterbrochen im geschlos­­senen Mund behalten", sagt Apothekerin Julia Bark.


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