Prämenstruelles Syndrom (PMS)

Die Tage vor den Tagen sind für viele Frauen eine Qual: Sie leiden unter PMS. Was versteht man eigentlich darunter? Wie macht es sich bemerkbar? Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten
von Daniela Frank, Vanessa von Blumenstein-Langer, aktualisiert am 27.11.2014

Wärme kann Bauchschmerzen lindern

Thinkstock/Jupiterimages

Die Brüste schmerzen bei jeder Berührung, der Bauch ist aufgebläht und bei einem falschen Blick Ihres Kollegen könnten Sie vor Wut an die Decke gehen – kann es sein, dass Sie bald Ihre Periode bekommen? Bei etlichen Frauen im gebärfähigen Alter machen sich die Tage vor den Tagen mit unterschiedlichen Symptomen bemerkbar. Das können Bauchschmerzen, Blähungen, Spannungsgefühl in den Brüsten, Rücken- und Kopfschmerzen, Verstopfung, Einlagerung von Wasser im Gewebe sowie Hautunreinheiten sein. Doch auch die Psyche der Betroffenen ist oft angeschlagen: Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen, Reizbarkeit, Aggressivität, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sind die Folge.

Leiden Frauen regelmäßig vor der Menstruation unter solchen Beschwerden, spricht man vom prämenstruellen Syndrom – kurz PMS genannt. Normalerweise beginnen sie etwa zehn bis vierzehn Tage vor der Menstruation, werden nach und nach schlimmer und verschwinden mit Einsetzen der Blutung wieder. Manche Frauen werden nur von ein oder zwei Symptomen geplagt, anderen hingegen macht gleich eine Vielzahl zu schaffen. Sind die psychischen Symptome so stark ausgeprägt, dass sie Tagesablauf, Job und Familienleben belasten, werden sie als ein eigenes Krankheitsbild gesehen – die prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS).

Was sind die Ursachen?

Die Auslöser der Beschwerden sind noch nicht endgültig geklärt. Experten vermuten, dass es keine einzelne Ursache gibt, sondern mehrere Faktoren zusammenwirken. Sie gehen davon aus, dass das Auf und Ab der Hormone während des Zyklus unter bestimmten Umständen die Beschwerden hervorruft. Vor allem die Produktion von Progesteron und der gleichzeitige Rückgang von Östrogen in der zweiten Zyklushälfte könnte ein Auslöser sein.

Hat die Frau eine entsprechende Veranlagung oder steht sie gerade unter besonderer Belastung, kann die hormonelle Umstellung des Körpers in der zweiten Zyklushälfte mit PMS-Symptomen einhergehen. Auch Ernährung, Lebensgewohnheiten und Bewegung spielen vermutlich eine Rolle.

So erleichtern Sie dem Arzt die Diagnose

Da die Symptome so unterschiedlich sind und ihre Bandbreite so groß ist, dauert es manchmal eine Weile, bis ein PMS erkannt wird. Viele der Beschwerden weisen zudem nicht eindeutig auf ein PMS hin sondern können zum Beispiel auch zu Beginn der Wechseljahre oder bei Schilddrüsenerkrankungen auftreten. Deshalb muss der Arzt manchmal ausführliche Untersuchungen durchführen.

Bei der Diagnosestellung hilft dem Arzt außerdem ein spezieller PMS-Kalender, den Sie sich bei uns ausdrucken können: Vermerken Sie darin, wann welche Beschwerden über einen gewissen Zeitraum hinweg auftreten, wie stark sie sind, was sie schlimmer werden lässt und was sie bessert. So kann Ihr Arzt die Behandlung besser auf Sie abstimmen. Oder Sie nutzen die Informationen einfach, um sich und Ihren Alltag besser auf die Tage vor den Tagen einzustellen.

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Was hilft?

Der Arzt berät seine Patientin, welcher Lebensstil den Symptomen entgegenwirken kann. Es gibt eine Reihe von Empfehlungen, die vielen Betroffenen bei PMS helfen. Die meisten Ratschläge sind wissenschaftlich allerdings nicht eindeutig belegt. Ob sie im Einzelfall nützlich sind, muss jede Frau selbst ausprobieren. Zum Beispiel hilft es Frauen oft, möglichst ausgewogen zu essen: viel frisches Gemüse und Obst und wenig Salz, Schokolade, Koffein und Alkohol. Auch regelmäßige Bewegung hat sich bewährt, ideal ist zum Beispiel Ausdauersport. Betroffene sollten zudem ausreichend schlafen. Manchmal können Entspannungstechniken die Beschwerden entscheidend lindern.

Da das PMS mit der hormonellen Umstellung in der zweiten Zyklushälfte zu tun hat, bleiben die Beschwerden üblicherweise aus, wenn diese unterdrückt wird – zum Beispiel durch die Pille. Allerdings sollte ein solcher Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau nicht leichtfertig geschehen. Besteht bei ihr nicht der Wunsch oder die Notwendigkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern, muss der Arzt abwägen, ob der Einsatz eines hormonellen Verhütungsmittels ratsam ist. Mögliche Vor- und Nachteile der Behandlung müssen in jedem Fall vorher ausführlich besprochen werden.

Das gilt genauso für weitere Medikamente, die bei schweren PMS-Symptomen zum Einsatz kommen können: So helfen bei Kopf-, Rücken- und Brustschmerzen Schmerzmittel, bei belastenden Wassereinlagerungen sogenannte Diuretika und bei einer prämenstruellen dysphorischen Störung Mittel gegen Depressionen. Je nach Fall kommen auch pflanzliche Präparate infrage. Mönchspfeffer kann zum Beispiel den Zyklus regulieren, Johanniskraut die Stimmung aufhellen und nervöse Unruhe lindern. Welche Therapie für sie geeignet ist, sollten Betroffene mit ihrem Arzt abstimmen.

Üblicherweise treten nach den Wechseljahren keine PMS-Beschwerden mehr auf.

Dr. Kay Goerke

W&B/Privat

Beratender Experte: Dr. Kay Goerke, Frauenarzt, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Mathias Spital Rheine

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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