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Per Video zum Kinderarzt?

Zum Arzt gehen sollte man jetzt nur, wenn es wirklich notwendig ist. Sind Videosprechstunden beim Kinderarzt eine Alternative? Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu

von Peggy Elfmann, 07.04.2020

"Geht das auch per Videosprechstunde?" Diese Frage hört Dr. Martin Lang derzeit häufig von Müttern und Vätern. Als der Augsburger Kinder- und Jugendarzt vor ein paar Jahren vorschlug, Videosprechstunden zur Diagnose und Therapie in der Pädiatrie anzubieten, wurde er noch belächelt. Er hielt an seiner Vision fest, entwickelte das System PädExpert, ein telemedizinisches Konsul für niedergelassene Kinderärzte. Mittlerweile – und gerade jetzt in Corona-Zeiten, steigt die Nachfrage nach Videosprechstunden. Bislang durften Ärzte maximal 20 Prozent ihrer Termine per Telemedizin abrechnen. Das wurde nun von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aufgehoben. Was müssen Eltern wissen, die eine Videosprechstunde mit ihrem Kinderarzt machen wollen oder ein anderes Angebot in Anspruch nehmen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wann kommt eine Videosprechstunde infrage?

"Eine Videosprechstunde eignet sich in allen Beratungsfällen und bei vielen Akut-Krankheiten", sagt der Kinder- und Jugendarzt Martin Lang. In der aktuellen Situation sollten Eltern in jedem Fall immer erst bei ihrem Kinderarzt anrufen, bevor sie in die Praxis kommen. Dann können sie fragen, ob ihr Arzt eine Videosprechstunde anbietet und einen Termin dafür ausmachen. Das funktioniert deutschlandweit über die App des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte "Mein Kinder- und Jugendarzt". "40 Prozent der üblichen Fälle in der Praxis kann ich per Videosprechstunde wunderbar behandeln", sagt Lang. "Es ist bei einer Videosprechstunde von Vorteil, wenn der Arzt seinen Patienten bereits kennt."

Wie läuft sie ab?

Der kleine Patient muss dazu nicht in die Praxis kommen, sondern der Arzt behandelt das Kind per Videoschaltung. Dazu laden die Eltern die kostenlose App "Mein Kinder- und Jugendarzt" herunter. Sie verbinden sich mit der Kinderarztpraxis ihrer Wahl. Wichtig: auch für die Videosprechstunde wird ein Termin ausgemacht. Über die App erhalten die Eltern die Vorabinformationen zum Termin. Direkt vor dem Termin begeben sie sich ins Wartezimmer der App. Ist der Arzt bereit, schaltet er die Verbindung frei. "Ich befrage die Eltern wie in einer normalen Sprechstunde in der Praxis. Ein Großteil besteht ja in der Beratung der Eltern, und der geringere Teil in der Untersuchung des Kindes", sagt Martin Lang. Aber auch die sei möglich.

"Ich kann über Video relativ gut den Gesamtzustand und die Vitalität des Kindes beurteilen. Über die Haut kann ich die Durchblutung und auch den Sauerstoffgehalt abschätzen und natürlich sehe ich, wenn das Kind einen Ausschlag hat. Bei Atemwegsinfekten höre ich den Klang des Hustens, gegebenenfalls ein Rasseln der Brust, ich kann die Atemtiefe und Atemfrequenz einschätzen", berichtet der Kinderarzt. Sein Tipp: "Es ist immer besser, wenn beide Eltern dabei sind. Einer kann sich um das Kind kümmern, es beruhigen, dort ausziehen, wo ich etwas anschauen soll, und der andere kümmert sich um die Technik." Falls notwendig, stellt der Arzt ein Rezept aus und schickt es den Eltern.

Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig?

Für eine Videosprechstunde braucht man eine Internetverbindung und ein Smartphone oder Tablet. Ein digitaler Termin ist theoretisch auch mit einem Computer oder Laptop möglich. Kinderarzt Lang gibt zu Bedenken: "Feststehende Computer sind bei Kindern weniger geeignet, da die Kamera und Mikrofon in der Lage sein sollten mobil verschiedene Körperteile des Kindes zu untersuchen. Kinder sitzen in der Sprechstunde selten still – das gilt auch in der Videosprechstunde." Zuhause ist ein gutes Netz wichtig, damit die Internetverbindung ungestört läuft. Auch gute Lichtverhältnisse seien hilfreich, "um ordentlich untersuchen zu können", so Martin Lang. "Ich empfehle den Eltern, sich davor zu notieren, was sie fragen wollen, damit nichts vergessen wird und die 15 Minuten Sprechstunde optimal genutzt werden können."

Wo hat die Videosprechstunde ihre Grenzen?

"Natürlich kommt die Videosprechstunde auch an ihre Grenzen, zum Beispiel wenn ich ein Kind abhören oder in sein Ohr schauen muss. Das geht nur im direkten Kontakt", erzählt Martin Lang. Auch Blut abnehmen, impfen, einen Ultraschall machen ist nur in der Praxis möglich. Andere Kriterien für einen zwingenden Besuch in der Kinderarztpraxis seien: "Bei sehr hohem Fieber, wenn das Kind nicht mehr isst und trinkt, in schlechter Verfassung ist oder andere Zeichen einer ernsten Erkrankung hat", erklärt der Kinder- und Jugendarzt. Dann bestelle er die Kinder in die Praxis. Und er betont: "Videosprechstunden sind für mich ergänzend. Sie ersetzen nicht den Arzt, können aber in vielen Situationen und gerade in der aktuellen Lage ein gutes Mittel sein, um die Kinder zu behandeln." Grundlage sei für ihn dabei immer das vertrauensvolle Arzt-Patienten-Verhältnis.

Was kostet das?

Videosprechstunden sind für Versicherte der gesetzlichen Kassen kostenlos. Privatpatienten bekommen wie bei Praxisbesuchen auch eine Rechnung. Inwieweit diese von ihrer Versicherung erstattet wird, sollte davor geklärt werden. Zudem gibt es eine Reihe von kommerziellen telemedizinischen Anbietern. Einige sind von den Kassenärztlichen Vereinigungen zertifiziert und können von den Ärzten entsprechend abgerechnet werden. Für die Patienten sind sie dann kostenlos. Andere Angebote sind kostenpflichtig. Aufgrund der aktuellen Lage bieten viele dieser Dienste für die kommenden Monate einen kostenlosen Zugang an. Eine Übersicht gibt es zum Beispiel hier.

Wenn der eigene Arzt keine Videosprechstunden anbietet, wo findet man einen Telemediziner?

Ob ihr Kinder- und Jugendarzt die PraxisApp und Telemedizin anbietet, finden Eltern auf der Webseite www.kinderaerzte-im-netz.de. Dort können sie die Praxis ihrer Wahl aussuchen und sehen bereits auf der Startseite, ob das Angebot vorhanden ist oder noch nicht. Von 6000 Kinderarztpraxen nehmen 1500 am Angebot des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte teil. "Regional ist dies noch unterschiedlich", sagt Martin Lang. Während sich aus Bayern und Nordrhein-Westfalen bereits viele Kinder- und Jugendärzte beteiligen würden, wäre das in anderen Regionen noch sehr ausbaufähig. "Fragen Sie bei Ihrem Kinderarzt nach", rät Lang Eltern. Gerade in der aktuellen Situation rüsten viele Ärzte nach, um weiterhin bestmöglich für ihre Patienten da zu sein. Bei freien Angeboten aus dem Internet sollte man genau schauen, wer der Anbieter ist und ob der zertifiziert ist. Manche Krankenkassen bieten ebenfalls Videosprechstunden an, die für die Mitglieder kostenlos sind. "Die Intensität und Wertigkeit dieser anonymen Hotlines sind aber nicht vergleichbar mit der Beratung durch das jahrelang gewachsene Verhältnis zu ihrem Kinderarzt", sagt Martin Lang.

Wie sicher sind die Anbieter?

Ärzte nutzen spezielle Anbieter, die strengen Vorgaben unterliegen. Diese werden festgelegt und geprüft vom Bundesministerium für Gesundheit unter Einbeziehung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik und des Bundesbeauftragten für Datenschutz. Videodienstanbieter müssen den Nachweis erbringen, dass sie diese Vorgaben erfüllen. Erst danach dürfen niedergelassene Ärzte darauf zugreifen. Zertifizierte Videodienstanbieter gewährleisten, dass die Schaltung sicher verschlüsselt ist und wirklich nur Patient und Arzt sich sehen und hören.


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