Leere Speicher: Was hilft bei Eisenmangel?

Blass, müde, unkonzentriert? Dahinter kann Eisenmangel stecken. Fast jeder zehnte Europäer ist betroffen. Was Sie tun können

von Dr. Susanne Kailitz, aktualisiert am 27.07.2015

Es ist ein Stoff, ohne den Menschen nicht leben können: Eisen. Es hilft dem Körper, genügend Hämoglobin, einen Teil der roten Blutkörperchen, zu bilden. Sie versorgen die Organe mit Sauerstoff. Doch bis zu zehn Prozent der Menschen in Europa leiden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO an Eisenmangel, mehr als 80 Prozent von ihnen sind Frauen.

Wie ein Eisenmangel entsteht

Warum das so ist, weiß Professorin Georgia Metzgeroth. Ein Eisen­mangel entstehe immer durch ein Missverhältnis zwischen Eisenaufnahme und -bedarf, so die Fachärztin für Hämatologie und Onkologie der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim. Jeder Mensch verliert täglich ­etwa ein Milli­gramm Eisen, bei Frauen im gebärfähigen Alter ist es noch mehr. "Sie verlieren bei ­jeder Menstruation etwa 25 Milligramm Eisen", erklärt Metzgeroth. Vor allem Frauen mit starker oder verlängerter Regelblutung und ­Schwangere sind gefährdet, einen Eisenmangel zu entwickeln.

Während der Schwangerschaft verbraucht der Körper etwa 1000 Milli­gramm Eisen für den Aufbau und die Versorgung der Plazenta sowie für die Entwicklung des Babys. Zudem verlieren manche Frauen bei der Geburt eine große Menge Eisen.

Müdigkeit, Herzrasen und Haarausfall

Gerät die Eisenbilanz ins Minus, bleibt das zunächst unbemerkt, da der Körper auf seine eigenen Speicher zugreift. Erst wenn diese leer sind, kann er nicht mehr genug Hämoglobin bilden – es entsteht ­eine Blutarmut, die sogenannte Anämie.

Sie bringt meist deutliche Symptome mit sich: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, ­Herzrasen, Schwindelgefühle, ­blasse Haut. Typisch sind auch brüchige ­Nägel, Haarausfall und kleine Einrisse in den Mundwinkeln, die schlecht heilen.

Blutarmut: Gefährlich in der Schwangerschaft

"Bei schwerer Blutarmut in der Schwangerschaft vergrößert sich das Risiko für Fehl- oder Frühgeburten und kindliche Fehlentwicklungen", sagt Metzgeroth. "Bei Kindern kann ein schwerer dauerhafter Eisenmangel mit chronischer Blutarmut zu Wachstumsstörungen führen." Auch die Hirnleis­tung kann der Mangel beeinträchtigen.

Ob hinter der Müdigkeit ein Eisenmangel steckt, sollte ein Arzt abklären. Dazu wird der Eisenspeicherwert ermittelt. Eine ­Anämie zeigt sich im Blutbild durch niedrige Hämoglobin-Werte. Sie kann aber auch andere Gründe haben, zum Beispiel Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Geschwüre in der Gebärmutter oder Tumore. Manchmal ist auch die Eisen­aufnahme des Körpers gestört, wie bei manchen Darmerkrankungen, zum Beispiel Morbus Crohn oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).

Eisenmangel lässt sich meist recht einfach behandeln

Sind derlei Ursachen ausgeschlossen, lässt sich ein nachgewiesener Eisenmangel recht einfach behandeln. Ärzte raten in der Regel zu einer zusätzlichen Einnahme von Eisenpräparaten. "Die Mittel sollten ein- bis zweimal täglich über einen Zeitraum von mindes­tens drei Monaten eingenommen werden", rät Metzgeroth. Es gibt die Präparate als Tabletten, Kapseln, Dragees, Saft oder als – natürlich alkoholfreie – Kräuterelixiere in der Apotheke. Tipp: Eisenpräparate, wie andere Medikamente auch, unbedingt sicher aufbewahren, sodass Kinder nicht damit in Berührung kommen. In seltenen Fällen sind Eiseninfusionen oder gar Bluttransfusionen notwendig.

Eisenmangel: Wie kann man vorbeugen?

Damit es nicht so weit kommt, empfehlen Mediziner, dass Frauen, die unter besonders starker oder häufiger Regelblutung leiden, ein- bis zweimal im Jahr ihr Blut untersuchen lassen. Auch vorbeugend lässt sich einiges tun: "Normalerweise reicht eine mitteleuropäische Mischkost aus, um der Entstehung eines Eisenmangels entgegenzuwirken", sagt Blutspezialistin Metzgeroth. Fleisch, Fisch und Innereien (bitte nicht für Schwangere) sind sehr gute Eisenlieferanten. Aber auch Hafer, Soja, Hülsenfrüchte (weiße Bohnen, Linsen, Erbsen) und einige Pilzarten enthalten reichlich Eisen.

Vitamin C fördert Eisenaufnahme

Ein Tipp der Ärztin: ein Glas Orangensaft zum Essen trinken. "Denn Vitamin C fördert die Eisen­aufnahme. Schwarzer Tee und Kaffee hingegen behindern sie", erklärt die Expertin. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zum Beispiel Frauen im gebärfähigen Alter ab 15 Jahren eine Eisenzufuhr von fünfzehn Milligramm pro Tag. Schwangere sollten sogar 30 Milligramm täglich zu sich nehmen.


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