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Leberflecke bei Babys und Kleinkindern

Bilden sich Muttermale auf der Haut von Babys und Kleinkindern, beunruhigt das Eltern häufig. Eine Ärztin erklärt, worauf man achten sollte

von Tanja Eckes, 03.11.2020

Vom winzigen braunen Pünktchen bis zum meh­rere Zentimeter großen Mal: Leberflecke kommen sehr häufig vor. Erwachsene haben durchschnittlich etwa 30 bis 40 Stück davon, 15 Prozent der weißen Bevölkerung tragen sogar mehr als hundert ­dunkle Male auf der Haut. Dass ein Säugling bereits mit einem oder mehreren Leberflecken (lateinisch Nävus, Mehrzahl Nävi) auf die Welt kommt, ist selten.

"Das liegt daran, dass die Zellen der Nävi zwar angelegt sein können, aber erst unter UV-Einwirkung Pigment bilden und sichtbar werden", erklärt die Hautärztin Prof. Dr. Ulrike Blume-­Peytavi, stellvertretende Direktorin der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin. "Und da glücklicherweise die wenigsten Babys und Kleinkinder dem ­direkten Sonnenlicht ausgesetzt sind, dunkeln genetisch vorgegebene Ansammlungen von Pigmentzellen in der Haut meist erst im späteren Kindes- und Jugendalter nach." Das bedeutet: Leberflecke bilden sich nicht spontan, sondern sind erblich durch eine Anhäufung von Pigmentzellen an einer bestimmten Stelle angelegt.

Leberfleck oder Muttermal?

Dennoch findet man in manchen Fällen auch schon bei Neugeborenen einen "Schönheitsfleck". Der Begriff Muttermal wird dabei oft gleichbedeutend mit Leberfleck verwendet – egal, ob der Pigmentfleck von Geburt an besteht oder erst in den frühen Lebensjahren auftaucht. "Die Begriffe Muttermal und Leberfleck bezeichnen das gleiche Phänomen und beziehen sich immer auf Pigmentnävi", erklärt die Dermatologin. "Abgrenzen muss man das von anderen ­Geburtsmalen wie dem sogenannten Storchenbiss oder Blutschwämmchen. Dabei handelt es sich um eine Störung des Gefäßsystems, es sind andere Zellen betroffen."

Ist das Pigmentpünktchen bereits beim Säugling sichtbar, aber klein und klar abgegrenzt, können Eltern in der Regel unbesorgt sein. Je größer und erhabener ein Leberfleck ausfällt, desto eher sollte man ihn beobachten. Auch eine große Anzahl und eine ungewöhnliche Färbung sind Gründe für eine ärztliche Kon­trolle. "Passt die Farbe des Nävus überhaupt nicht zum Hauttyp des Kindes, fällt sie etwa bei einem blonden, hellhäutigen Kind bläulich-­schwarz aus, sollte ein Hautarzt daraufschauen", sagt Ulrike Blume-­Peytavi.

Meistens harmlos

Insgesamt kann die Dermatologin ­jedoch beruhigen: "Bösartige Hautmale treten bei unter 0,1 Prozent der Kinder und Jugend­lichen auf, sind ­also äußerst selten." Auch wenn die Stelle schuppt oder juckt, muss dies nichts Schlimmes bedeuten. Anders als bei Erwach­senen ist selbst ein sich vergrößernder Fleck noch nicht unbedingt ein Warnsignal. Schließlich wächst das ganze Kind – und der Nävus wächst eben proportional mit.

Einen Sonderfall stellen von Geburt an auffallend ­große Leberflecke dar. Kleinere, ­einige Zentimeter große Male finden sich bei etwa einem Prozent aller Neugeborenen, größere trägt einer von etwa 20 000 Säuglingen auf der Haut. In Ausnahmefällen (etwa 1 von 500 000 Kindern) sind ­sogenannte Riesen­nävi angelegt, also großflä­chige, dunkle Pigmentstörungen, die zum Beispiel den kompletten Rücken überziehen.

Entfernen in Etappen

Da es sich bei solchen Hauterscheinungen nicht nur um ein ästhe­tisches Problem handelt, sondern auch lebenslang gesehen die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Entwicklung erhöht sein kann, empfehlen Experten je nach Größe und sonstigen Faktoren eine schritt­weise Entfernung. "Dabei hat sich das Verfahren der Serienexzision bewährt", sagt die Dermatologin. Der Arzt schneidet nach und nach ­einzelne Segmente heraus, als würde man scheibchenweise eine Orange abtragen. "Der Vorteil ist, dass so die Haut mitwachsen und sich dehnen kann, es entsteht insgesamt gesehen am Ende eine kleinere Narbe, als wenn man den gesamten Nävus auf einmal herausschneidet", erklärt Ulrike Blume-Peytavi. Häufig werden diese Eingriffe etwa ab dem Schulalter durchgeführt. Dann nämlich können Beruhigungssaft und lo­kale Betäubung kombiniert werden, eine Vollnarkose ist nicht zwingend notwendig.

Auf Sonnenschutz achten

Wer verhindern will, dass die Anzahl der Leberflecke im Kindesalter stark zunimmt, sollte die Kleinen konsequent von der Sonne abschirmen. "Am besten über einen mechanischen Schutz, etwa ein Sonnenrollo im Auto und ein Hut mit Nackenschutz, kombiniert mit Sonnencreme", so der Tipp der Expertin. In einer Dresdner Untersuchung an fast 400 Drei- bis Sechsjährigen über einen Zeitraum von drei Jahren hinweg zeigte sich nämlich: Vor allem nach Urlauben in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung hatte sich die Anzahl der dunklen Hautmale im Lauf der drei Jahre bei vielen Kindern fast verdreifacht.

Wenn familiär bedingt sehr viele Leberflecke auftreten, steht konsequenter Sonnenschutz an erster Stelle. Wer zu dem Prozentsatz mit mehr als 40 Malen zählt und regelmäßig zur Kontrolle muss, für den haben Forscher vom King’s College in London einen Trost: Sie fanden he­raus, dass bei Menschen mit überdurchschnittlich vielen Pigmentpunkten die Hautalterung möglicherweise langsamer voranschreitet.


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