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Krampfadern: Stau in den Beinen

Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Sie können Schmerzen und schwere Beine verursachen und sogar Thrombosen auslösen. Wie Krampfadern entstehen und behandelt werden

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 29.06.2017
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Krampfadern können unbehandelt gefährlich werden


Wie das schon klingt: Krampfader. Nach Schwellung und Schmerzen, nach Bikini-Verzicht und Stützstrümpfen. Dabei führt der Begriff erst mal in die Irre, stellt die Berliner Venenfachärztin Dr. Ingelore Warsow klar: "Adern können nicht krampfen, nur Muskeln können das. Das Wort ,Krampf‘ leitet sich vom mittelhochdeutschen Begriff für ,krumm‘ her, weil die betroffenen Blutgefäße gekrümmt und geschlängelt durch die Haut schimmern."

Um Krämpfe muss man sich beim Auftreten der gleichnamigen Adern also nicht sorgen. Aber was macht die Venenerkrankung, die jede dritte Frau und jeden sechsten Mann betrifft, dann so unangenehm und sogar gefährlich? "Es geht hier keinesfalls nur um ein kosmetisches Problem", erklärt die Gefäßchirurgin Dr. Kerstin Schick aus München. "Unbehandelt können Krampf­adern langfristig starke Beschwerden verursachen, von müden, schweren Beinen mit schmerzhaften Schwellungen bis hin zu Venenentzündungen und gravieren­den Gewebeschädigungen, dem sogenannten offenen Bein."

Dr. med. Kerstin Schick

Krampf­adern: Venen leiern aus

Gesunde Venen haben die Aufgabe, täglich rund 7000 Liter sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen zu transportieren. "Dabei dient vor allem die Beinmuskulatur als natürliche Pumpe, die das Blut auch aus der kleinen Zehe heraus gegen die Schwerkraft im Körper nach oben in Richtung Herz drückt", erklärt Kerstin Schick. Zusätzlich verfügen die Venen über Venenklappen, die wie eine Art Rückschlagventil verhindern, dass das Blut bei Entspannung des Muskels wieder nach unten fällt.

Bei Krampf­adern funktioniert der Transport nicht mehr ungehindert. Erkrankte Venen leiern aus, die Klappen schließen unvollständig. So fließt das Blut zurück und staut sich. Das zeigt sich meist als geschlängelte bläulich rote, manchmal knotige Verfärbung dicht unter der Haut. In tieferen Gewebeschichten können sich auch Krampf­adern entwickeln, die nicht sichtbar sind.

Auch junge Frauen können Krampfadern bekommen

Während man früher davon ausging, dass vor allem ein höheres Alter ­eine Rolle spielt, haben Untersuchungen inzwischen gezeigt: Schon sehr junge Frauen können betroffen sein. "In ­einer Studie wurden bereits bei drei Prozent einer Gruppe von 12- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen Krampfadern festgestellt", berichtet Ingelore Warsow.

Die Veranlagung zur Varikosis scheint uns in die Wiege gelegt. "Die schlechte Nachricht ist", so die Ärztin, "dagegen hilft auch kein Wassertreten, keine spezielle Ernährung, keine Massage – das muss man so hinnehmen und behandeln lassen!" Dafür gibt es auch ­eine gute Nachricht: Bedenken über ein erhöhtes Risiko für Krampf­adern, wenn man die "Pille" seit Jahren nimmt, sind unbegründet. Hier gibt es keinen nachweislichen Zusammenhang.

Dr. med. Ingelore Warsow

Besenreiser am besten untersuchen lassen

Viele Frauen, die erste bläuliche Verästelungen an Oberschenkeln, Wade oder Fußknöcheln entdecken, fragen sich beunruhigt: Ist das schon ein Warnsignal, obwohl ich sonst keine Beschwerden habe? Kerstin Schick beruhigt: "Dabei handelt es sich meist um Besenreiser, die keinerlei Krankheitswert haben und nicht behandelt werden müssen." Aus kosmetischen Gründen kann man die sichtbaren gefächerten Äderchen relativ unproblematisch, allerdings auf eigene Kosten, entfernen lassen.

Trotzdem rät Ingelore Warsow schon beim Auftreten von Besenreisern zu ­­einer umfassenden Untersuchung beim Venenfacharzt. "Wir nennen Besenreiser die ,kleine Schwester‘ der Krampf­ader. Manchmal treten beide gemeinsam auf." Per Ultraschall lässt sich abklären, ob es tiefer liegende Krampf­adern gibt, die sich bisher noch nicht bemerkbar gemacht haben.

Vor allem bei Übergewicht ist es möglich, dass erkrankte Venen unter den Fettpölsterchen am Bein verborgen bleiben und die typische Verfärbung ausbleibt. Deshalb am bes­ten einmalig beim Phlebologen (Venenfacharzt) einen Termin zur Ultraschalluntersuchung ausmachen, um Gewissheit zu haben. Übrigens: Falls Sie sich über die Schreibweise des Besenreisers wundern, hier handelt es sich um keinen Tippfehler. "Reiser" bedeutet so viel wie Zweig, was sich auf die Verästelungen der Adern bezieht.

Krampfadern: Verschiedene Behandlungen möglich

Haben sich tatsächlich Krampf­adern gebildet, gibt es diverse Möglichkeiten der Therapie. Welche Behandlungsmethode die richtige ist, wird der Arzt individuell entscheiden – je nach Schwere der Erkrankung, nach der betroffenen Venenregion und nach allgemeinem Gesundheitszustand. Manchmal genügt bereits eine konservative Therapie mit Kompressionsstrümpfen. Sie üben Druck auf Muskeln und Blutgefäße aus, was den Rückstrom des Blutes zum Herzen unterstützt.

Die Kompressionsstrümpfe werden vom Arzt verordnet und in der Apotheke angepasst. Pflanzliche Mittel mit Wirkstoffen aus Rosskastanie oder Weinlaub lindern Wassereinlagerungen und das Schweregefühl in den Beinen. Auch das "Ver­öden" zählt zu den konservativen Methoden. "Bei der Sklerotherapie wird ein Schaum ins Gewebe eingespritzt, der die betroffene Vene verklebt", erklärt Kerstin Schick. "So werden heutzutage hauptsächlich Besenreiser behandelt, aber auch größere Krampfadern. Die Kos­ten trägt der Patient selbst."

Bei größeren Flächen hilft kleine Operation

Bei größeren betroffenen Arealen oder einer zusätzlichen arteriellen Erkrankung empfiehlt sich meist eine Operation unter Kurznarkose oder Spinal­anästhesie. Dabei wird durch einen kleinen Schnitt in Leiste oder Kniekehle eine Sonde eingeführt, die erkrankte Vene abgebunden, durchtrennt und mithilfe der Sonde herausgezogen. "Dieses Verfahren nennt sich Stripping und hat sich seit mehr als 100 Jahren als besonders nachhaltig bewährt", so Warsow. "Denn Gewebe, das entfernt wurde, macht keinen Ärger mehr."

Es kann in seltenen Fällen zu Lymphstauungen, schmerzhaften Schwellungen und Missempfinden kommen, die meisten Patienten sind aber nach zehn bis 14 Tagen wieder fit. Statt zur kompletten Schonung raten die Ärzte dazu, bald nach dem Eingriff wieder täglich kurz spazieren zu gehen, um den Blutfluss anzuregen. Der meist ambulante Eingriff wird von den Kassen übernommen, man muss hinterher noch einige Wochen lang Kompressionsstrümpfe tragen.

Neue Methoden: Hitzewellen als Therapie

Zwei neuere Methoden, die Radio­frequenz- und die Lasertherapie, arbeiten mit Hitzeentwicklung. Hierbei wird ein Katheter in die Vene eingeführt. "Infolge der thermischen Einwirkung schrumpfen die kollagenen Fasern in der Gefäßwand, die Vene verschließt sich", erklärt Schick. "Allerdings muss dieser Eingriff sehr sorgfältig unter Ultraschallbeobachtung durchgeführt werden, es sind sonst Nervenschädigungen des umliegenden Gewebes möglich."

Die Eingriffe werden meist nicht von gesetzlichen Kassen übernommen und kosten zwischen 1000 und 2000 Euro. Manche Kassen haben aber Selektivverträge mit spezialisierten Ärzten aus der Region. Wer sich für diese Verfahren interessiert, fragt deshalb am besten bei der Kranken­kasse nach.

Schwangere haben höheres Risiko für Krampfadern

Schwangere Frauen haben ein deutlich erhöhtes ­Risiko, Krampfadern zu entwickeln. Die Beinvenen erweitern sich hormonell bedingt, das Blut versackt. Zusätzlich drückt das wachsende Kind auf die Blutgefäße im Becken, was den Blutfluss von und zu den Beinen behindert.

"Es gilt die Regel: Krampfadern, die schon vorher bestanden, bleiben oder verschlimmern sich", sagt Ärztin Ingelore Warsow. Varizen, so der medzinische Fachbegriff für Krampfadern, die während der Schwangerschaft entstehen, bilden sich oft innerhalb eines halben Jahres nach der Geburt zurück. Ärzte raten, zur Vorbeugung die Beine häufig hochzulagern, sich ausreichend zu bewegen und während der Schwangerschaft Kompressionsstrümpfe zu tragen.


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