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Können Mückenstiche gefährlich sein?

Nach einem Mückenstich kann die betroffene Stelle schon mal heiß und hart werden, ein Finger oder Auge anschwellen. Eltern sind dann oft besorgt: Ist es eine Allergie? Experten klären auf

von Annett Zündorf, aktualisiert am 28.05.2021

Sie jucken, sie verursachen Schwellungen – Mückenstiche nerven. Gerade Kinder reagieren manchmal extrem auf von Insekten injizierte Stoffe: Zum Beispiel zeigt sich nach einem Stich eine riesige Beule auf dem Arm oder ein Auge schwillt komplett zu.

Was passiert bei einem Mückenstich?

Bei jedem Stich injiziert eine Mücke einen Cocktail aus Proteinen in die Haut, um die Blutgerinnung zu verlangsamen. So kann sie das Blut durch ihren Rüssel wie durch einen Strohhalm schlürfen. Auf die Proteine springt jedoch die Abwehr des Körpers an. Sogenannte Mastzellen schütten den Botenstoff Histamin aus. Die Gefäße weiten sich, Flüssigkeit tritt ins Gewebe ein und die Einstichstelle schwillt an. Beim nächsten oder nach mehreren Stichen erkennen die Immunzellen den Protein-Cocktail wieder. Im Normalfall stufen sie ihn als ungefährlich ein und die Einstichstellen schwellen im Laufe der Zeit kaum noch an und jucken weniger.

Das Problem: "In Deutschland gibt es etwa 52 Mückenarten. Jede einzelne produziert ihr eigenes Protein-Gemisch. Und jedes Mal wieder reagiert das Immunsystem", erklärt Dr. Doreen Werner, Mückenexpertin vom Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg. Im Urlaub ist die Chance, auf neue Arten zu treffen, noch größer. Deshalb schwellen Stiche dann besonders häufig stark an.

Können Mückenstiche Allergien auslösen?

Kinder mit zugeschwollenen Augen sehen für Eltern schrecklich aus. Aber Mückenstiche sind nicht mit Wespen- oder Bienenstichen zu vergleichen: Auf das Gift von Bienen und Wespen reagieren vergleichsweise viele Menschen allergisch. Ein Stich kann Betroffene in Lebensgefahr bringen. Allergiker müssen deshalb immer ein Notfallset mit sich tragen. Auf Mückenstiche sind so starke Reaktionen des Körpers ungewöhnlich und selten, weltweit sind nur wenige Fälle dokumentiert.

Wie kann ich meine Kinder vor Mückenstichen schützen?

Mücken werden von Kohlendioxid angelockt, das wir mit jedem einzelnen Atemzug ausstoßen. Sie lieben außerdem Schweiß, der voller körpereigener Gerüche steckt. "Wir können nicht aufhören zu atmen", sagt Werner. "Aber Waschen hilft zumindest ein wenig." Manche Menschen werden häufiger gestochen als andere. Dafür sind neben der ausgestoßenen Menge Kohlendioxids laut Studien auch die Gene und eventuell die Blutgruppe verantwortlich.

Um den Duft des Körpers zu übertönen, werden manchmal ätherische Öle empfohlen. Allerdings verfliegen diese schnell und helfen deshalb nur für kurze Zeit. Zudem reagieren einige Menschen allergisch auf Düfte. Auch für Kinder sind manche dieser Duftöle nicht geeignet.

Auch Mückenschutzcremes oder -sprays übertünchen den natürlichen Geruch. Diese Mittel werden in unterschiedlichem Maße über die Haut in den Körper aufgenommen. "Sie sind – je nach Inhaltsstoff – für Babys und Kleinkinder nicht geeignet, da es keine Studien zur Verträglichkeit gibt", sagt Michael Achenbach, Pressesprecher der Kinder- und Jugendärzte in Westfalen-Lippe. "Mittel mit dem Wirkstoff DEET sollten sogar erst ab dem Alter von 8 Jahren eingesetzt werden. Bei jüngeren Kindern ist das Risiko einer Gehirnentzündung gegeben." Für die Kleineren ist deshalb der klassische Mückenschutz mit Netzen vor dem Fenster oder ums Bettchen die beste Variante. "Achten Sie darauf, dass das Netz dicht ist. Mücken finden die kleinste Lücke", empfiehlt Werner.

Können Mücken gefährliche Krankheitserreger übertragen?

"Das ist eine komplizierte Sache", sagt Werner. "Die Gefährlichkeit einer Mücke beurteilt man danach, ob sie bestimmte Krankheitserreger aufnehmen und weitergeben kann." Und das ist für jede Mückenart unterschiedlich. Die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Niemand weiß genau, welche Art welche Krankheitserreger übertragen kann.

Fakt ist: "In Deutschland leben Mückenarten, die Krankheitserreger wie Viren oder Nematoden (Würmer) übertragen können", sagt Werner.

In den letzten Jahren sind in Deutschland Arten wie die Asiatische Tigermücke und die Asiatische Buschmücke eingewandert. Sie gelten als gefährlich, weil sie Erreger wie das Dengue-Fieber-Virus übertragen können. Sticht eine Tigermücke in Deutschland, wird sie – wie die anderen Mücken auch – für Juckreiz und Schwellungen sorgen. "Gefährlich würden diese Arten erst dann werden können, wenn sie auf einen Menschen treffen, der beispielsweise an Dengue-Fieber erkrankt ist, diesen stechen, dann die Viren aufnehmen und den Erreger später an das nächste Opfer weitergeben", erklärt Doreen Werner.

Bisher ist dieser Fall noch nicht eingetreten. Aber Mückenexperten halten die Gefahr für nicht zu vernachlässigen und versuchen, gefährliche Mückenarten wieder auszurotten.

Was hilft nach dem Stich?

Fängt ein Stich an zu jucken oder anzuschwellen, können Wärmeplättchen oder Mückenstifte helfen, die die Einstichstelle kurz erwärmen. "Durch das kurze Erhitzen wird das Eiweiß denaturiert. Es gerinnt, als würde man ein Ei kochen. Damit bietet es dem Immunsystem keine Angriffsfläche mehr", meint Werner.

Ist die Einstichstelle bereits angeschwollen, sollte man kühlen. Das reduziert die Durchblutung und den Juckreiz. "Neben einfachen Kühlpacks gibt es auch kühlende Salben oder Gels. Ich empfehle, diese im Kühlschrank zu lagern. So hat man einen doppelten Kühleffekt", sagt Achenbach.

Gerade bei Kindern ist das Kühlen wichtig. Kratzen die Kleinen die Stiche auf, können Keime in die Wunde gelangen und eine lokale Entzündung verursachen. Dann bilden sich kleine Eiterbeulen oder eine starke Rötung. Bei eitrigen Krusten oder sehr ausgeprägten Rötungen sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt.

Wann wird der Stich zum Notfall?

Eine schnelle Behandlung hilft in den meisten Fällen. Trotzdem: "Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn die Reaktion über den Ort des Stiches hinausgeht. Wenn zum Beispiel nach einem Stich ins Bein ein Arm anschwillt", erklärt Achenbach. Atmet das Kind hastig oder flach, wird ihm schwindlig oder übergibt es sich, sollte es so schnell wie möglich zu einem Arzt. Breitet sich eine Rötung und Schwellung über die Maßen aus, ist das ebenfalls ein Alarmzeichen.

Gefahren in den Tropen

In tropischen und subtropischen Ländern leben andere Mückenarten als in Deutschland, die gefährliche Krankheitserreger übertragen können. Dazu gehören die Erreger von Malaria, Gelbfieber oder der Japanische Enzephalitis. In diesem Fall kann der Schutz vor Mücken Leben retten. "Benutzen Sie ein mit Mückenschutzmitteln imprägniertes Moskitonetz. Versuchen Sie in klimatisierten Räumen zu bleiben, benutzen Sie Mückensprays und nehmen Sie in Ländern, in denen es Malaria gibt, Tabletten zur Prophylaxe", rät Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Vor der Abreise beraten dazu speziell ausgebildete Reisemediziner. Auch eng anliegende, dicht gewebte Kleidung, durch die Mücken nicht oder nur schwer hindurchkommen, beugt Stichen vor.

Normalerweise gelten in den Tropen Mückenschutzmittel mit dem Wirkstoff DEET als sinnvoll. "Für Schwangere und kleine Kinder sind sie nicht geeignet", warnt Schmidt-Chanasit. Schwangere und Stillende können alternativ Moskitomittel mit dem hautverträglicheren Wirkstoff Icaridin verwenden. Für Kinder ist es erst ab zwei Jahren geeignet.

Während es für manche von Mücken übertragenen Erkrankungen keine Medikamente oder Impfungen gibt, können Reisende sich vor anderen Infektionen schützen. So existiert beispielsweise eine Impfung gegen Gelbfieber. Genauere Informationen zum jeweiligen Reiseland gibt ein Tropenmediziner.

Das vor allem auf der Südhalbkugel verbreitete Zika-Virus ist besonders für schwangere Frauen gefährlich. Infizieren sie sich mit dem Virus, kann es zu Fehlbildungen beim Baby kommen. Schwangere sollten Reisen in Zika-Regionen möglichst vermeiden. "Frauen, die irgendwann einmal in einem Gebiet mit Zika-Viren waren, müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie nach der Rückkehr schwanger werden", sagt Schmidt-Chanasit. Für Eltern kleiner Kinder gilt: "Im ersten Jahr raten wir von Reisen in die Tropen ab", sagt Schmidt-Chanasit.


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