Kleinteile in Körperöffnung: Was ist zu tun?

Schnell ist es passiert: Das Kind erwischt ein Kleinteil und steckt es in Nase, Ohr oder eine andere Körperöffnung. Wann Sie den Gegenstand entfernen können und wann der Arzt gefragt ist

von Julia Jung, aktualisiert am 25.08.2016
Kleinkind langt sich ans Ohr

Wo steckt das Teil? Wenn Eltern Ruhe bewahren, sagt das Kind eher, was passiert ist


Eben war alles noch da: Das Puppenstubenservice in Mini-Größe. Tellerchen, Tässchen, Gäbelchen, sorgfältig aufgereiht von der großen Schwester, bereit für das Teekränzchen. Doch plötzlich fehlt die winzige Keksdose. Verschwunden in der Nase des Dreijährigen. Er wollte doch nur riechen, ob auch wirklich Kekse darin sind, so ­seine Erklärung. Alarm im Kinderzimmer und gleich darauf auch bei den Eltern. Was tun?

Gegenstand in Körperöffnung: Keine Panik!

"Ruhe bewahren", sagt Lars Menzel, Leiter des Bildungsinstituts Mitteldeutschland der Johanniter-Akademie in Leipzig. "Das ist das Wichtigste, wenn Kinder sich Gegenstände in Körperöffnungen gesteckt haben." Sozialpädagoge und Rettungsassistent Menzel bildet unter anderem Erzieher in Erster ­Hilfe für Kinder aus und weiß, wie gefährlich Panik in solchen Fällen sein kann. Denn auch das Kind ist meist sehr erschrocken. Beginnt es zu weinen oder leugnet alles stur, wird die Sache nur noch brenzliger.

Lars Menzel

Deshalb sollten Eltern zunächst ruhig mit dem Kind sprechen und versuchen herauszufinden, was genau passiert ist. Manchmal hilft es, dass das Kleine einen Vergleichs­gegenstand sucht, um zu zeigen, was verschwunden ist. Wenn nichts zu sehen ist und das Kind nichts sagen mag oder es dies noch nicht kann, deuten etwa Rötungen im Ohr oder ­geschwollene Nasenschleim­­häute darauf hin, dass sich ­etwas am falschen Ort befindet. Bohrt das Kind häufig in der ­Nase oder im Ohr, kann das ebenfalls auf ­einen Fremd­körper hinweisen, genauso wie Niesen oder eine ein­seitige Atmung.

Fremdkörper in Po oder Genitalien: Zum Arzt

Steckt etwas im Po oder in den Genitalien, bleiben viele Kinder aus Scham stumm. Dann sollten ­Eltern aufmerksam werden, wenn die Kleinen sich ständig dort kratzen oder versuchen, den Gegenstand selbst zu entfernen. "Meist ist es kaum möglich, Fremdkörper aus dem After oder den Genitalien herauszuholen. Bitte dann gleich zum Arzt gehen", sagt Menzel.

Ob Ohr, Nase oder Popo – ­gene­rell gilt: Ragt der Gegenstand heraus und lässt er sich mit den Fingern entfernen, kann man das auch tun. Wer unsicher ist, sollte mit dem Kind lieber zum Arzt. Das gilt auch, wenn es blutet. Größere Kinder, denen etwas in der Nase festsitzt, dürfen sehr vorsichtig schnäuzen. "Allerdings können durch den Fremdkörper die Schleimhäute anschwellen, der Gegenstand lässt sich dann nicht mehr so leicht entfernen", so Lars Menzel. Auch dies ist meist schmerzhaft und ein Fall für den Arzt.

Spitze Dinge wie Nadeln oder Reißzwecken sollte ebenfalls nur ein Mediziner entfernen. Er kann auch erkennen, ob der Gegenstand eine Wunde hinterlassen hat, und diese entsprechend behandeln.

Gegenstand nicht mit Hilfsmitteln selbst rausholen

Bitte nie mit einer Pinzette oder einem anderen Werkzeug nach dem Gegenstand angeln – das verletzt leicht die empfindlichen Häute und Schleimhäute. "Einzig der Arzt kann den Gegenstand mit speziellen Instrumenten sicher entfernen", sagt Rettungsassistent Menzel. Beruhigend: Nur selten muss ein Kind ins Krankenhaus und das Teilchen operativ entfernt werden.

Teile verschluckt? Bei Atemnot ein Notfall!

Gelangen Gegenstände in die Luftröhre, kann dies gefährlich wer­den und im schlimmsten Fall zum Ersticken führen. Hustenreiz, ein pfeifendes Atemgeräusch und Atemnot sind Alarm-Symptome, bei denen Sie sofort die Notrufnummer 112 wählen sollten. Auch wenn Sie das Gefühl haben, die Situation könnte kritisch werden, im Zweifel immer die 112 wählen.

Am besten besuchen Sie einen Kinder-Erste-Hilfe-Kurs. Dort ­werden Ihnen verschiedene Notfall-Handgriffe gezeigt und geübt. Dies hilft ­Ihnen auch, in ­einer konkreten Notfall-Situation Ruhe zu bewahren.

Gerät etwas in den Magen des Kindes, was dort nichts zu suchen hat, gilt: Kein Erbrechen auslösen oder gar Abführmittel geben! Das kann die Speise­röhre ­schä­digen und greift den Magen unnötig an. Viele Sachen kommen von selbst nach einigen Tagen unten wieder heraus. Wenn das Kind Dinge wie Spül­maschinen-Tabs, Knopfbatterien oder ­spitze, scharfe Gegenstände verschluckt hat, bitte den Notarzt unter 112 rufen. Das ­Gleiche gilt, wenn das Kind Atemstörungen zeigt, krampft, würgt oder über Schmerzen klagt. Dann kann es zum Beispiel sein, dass sich etwas in der Speise­röhre verklemmt hat.


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