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Kinderschuhe kaufen – aber richtig!

Viele Kinder tragen zu kleine Schuhe, ohne dass die Eltern dies bemerken. Worauf Sie schon beim Schuhkauf achten sollten

von Barbara Weichs, aktualisiert am 06.05.2019
Kind probiert Schuhe an

Zu klein? Zu groß? Zu schmal? Kinderschuhe kaufen ist oft ganz schön schwer


Eines vorneweg: Laufen lernt ein Kind am besten ohne Schuhe. "Barfuß laufen ist die natürliche und gesündeste Art des Laufens", sagt Dr. Wieland Kinz, Sportwissenschaftler und Leiter des Forschungsteams "Kinderfüße-Kinderschuhe" in Bregenz, Österreich. Der Kontakt zum Untergrund kräftigt die Fußmuskulatur und fördert den Gleichgewichtssinn. Dennoch: Sobald kleine Laufanfänger auch draußen unterwegs sind, brauchen sie in der Regel Schuhe, die die Füße vor Kälte und Verletzungen schützen. Wieland Kinz hat für Eltern vier Tipps, mit denen sie bestens für den Besuch im Schuhladen gewappnet sind:

1. Schuh sollte flexibel und leicht sein

Ein Kinderfuß ist extrem weich und flexibel, er lässt sich falten wie eine Faust. "Genauso sollte auch Babys erster Schuh sein", sagt der Wissenschaftler. Er rät, verschiedene Schuhe nacheinander in eine Hand zu nehmen, zu drücken, zu kneten und dann zu vergleichen: Wie biegsam ist das Material, wie biegsam die Lauf­sohle? Letztere sollte natürlich auch rutschfest sein. Polster oder Fußbett sind überflüssig.

Schablone zum Schuh

2. Die richtige Größe bestimmen

Ein Schuh passt dann perfekt, wenn der Fuß vorne nicht anstößt, sondern etwas Luft bleibt. Mindestens 12 und maximal 17 Millimeter sollte der Schuh innen länger sein als der Fuß (ein durchschnittlicher Daumen eines Erwachsenen hat genau diese Breite). Der Grund: "Die weichen und elastischen Füße dehnen sich überproportional aus, wenn sie auf den Boden aufgesetzt werden und das Körpergewicht tragen", erklärt Wieland Kinz.

Lässt sich die Sohle eines Modells herausnehmen, können Eltern selbst kontrollieren, ob die Größe passt. Stellen sie ihr Kind darauf, etwa einen Zentimeter vor den hinteren Rand, denn dort steht der Fuß dann auch im Schuh. Am besten bereiten sie jedoch schon zu Hause eine Schablone vor. Das Kind dafür auf ein Stück Karton stellen, den Fuß nachzeichnen, und an der längsten Zehe etwa 17 mm dazugeben. Den Abdruck ausschneiden. Lässt sich die Schablone leicht und flach in einen Schuh legen, passt dieser.

"Unbedingt von beiden Füßen eine Schablone machen, denn der größere ist entscheidend", sagt Wieland Kinz. Auch mit der bekannten Daumenprobe können Eltern prüfen, ob genug Luft im Schuh ist – wenn sie folgendermaßen vorgehen: dem Kind die Schuhe anziehen, es hinstellen, mit dem einen Daumen die Druckprobe machen, während die andere Hand quer über Fuß und Zehen liegt. Das ist wichtig, weil die Kleinen sonst instinktiv die Zehen zurückziehen. Ist ein Daumenbreit Platz? Sehr gut! An den Ballen und an der Ferse muss der Fuß gut gehalten werden, er darf im Schuh nicht hin- und herrutschen.

3. Verschluss zum Engschnallen

Idealerweise lassen sich Babys erste Schuhe schnüren oder haben Klettverschlüsse. "Die Schuhe lassen sich so gut an den Füßen fixieren", sagt Wieland Kinz. Schuhe zum Reinschlüpfen sind für Laufanfänger nicht geeignet. Sie müssten perfekt passen, da das Kleine die Schuhe ansonsten ständig verliert.

4. Atmungsaktives Material

Leder, so die Erfahrung von Wieland Kinz, ist vor allem für Großeltern, die ihren Enkeln das erste Paar Schuhe finanzieren wollen, ein Qualitätsmerkmal. In einer Studie hat der Wissenschaftler jedoch herausgefunden, dass das Naturmaterial oft mit Kunststoff beschichtet und damit nicht mehr luftdurchlässig ist. Genau das wäre jedoch ideal für Kinderschuhe. "Es spricht nichts gegen moderne Funktions­materia­lien, bei denen die Atmungs­akti­vität garantiert ist."

Wann braucht das Kind größere Schuhe?

"Kinder bis zehn Jahre können nicht beurteilen, ob ein Schuh passt", sagt Wieland Kinz. In seinen Studien in Kindergärten hat er Kinder getroffen, die bis zu fünf Größen zu kleine Schuhe trugen. Die Kleinen zu fragen funk­tioniert also nicht.

Der Experte rät zu folgendem Lifehack: nach dem ersten Schuhkauf über mehrere Monate hinweg einmal im Monat die Fußlänge des Kindes messen. Wachsen die Füße etwa 1,5 Millimeter pro Monat, wie bei den meisten Kindern im Alter von ein bis drei Jahren, wird nach circa vier Monaten ein neues Paar fällig – vorausgesetzt, das Kind hatte ursprünglich Schuhe mit dem empfohlenen Spielraum von 17 Millimetern bekommen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen reduziert sich das Längenwachstum der Füße auf etwa einen Milli­meter im Monat. "Unsere Studien haben gezeigt, dass nur bei 2,5 Prozent der Kinder mit einem größeren Längenwachstum zu rechnen ist", so Kinz.

Er rät zu­dem, regelmäßig die Füße des Nachwuchses anzuschauen: Rö­tungen, Druckstellen oder Hornhaut an unüblichen Stellen deuten auf nicht passende Schuhe hin.

Und was, wenn das Kleine seine Schuhe ständig auszieht? Eigentlich ein Grund zum Freuen, wie Experte Wieland Kinz sagt. "Das ist ein Zeichen von biologischer Intelligenz: Das Kind weiß, was ihm guttut."

Neu oder gebraucht?

Von 800 Eltern, die Wieland Kinz und seine Mitarbeiter befragt haben, zieht die Hälfte ihrem Kind gebrauchte Schuhe an – und fühlte sich schlecht dabei. Ganz ohne Grund, wie der Wissenschaftler betont: "Wir konnten bei unseren Untersuchungen nicht feststellen, dass orthopädische Probleme von einem Kind aufs andere übertragen werden. Auch wegen der Hygiene muss man sich keine Gedanken machen." Eine Einschränkung gibt es allerdings: Die Sohlen sollten nicht einseitig abgelaufen sein.


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