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Ist eine Narkose für Kinder gefährlich?

Wenn Babys oder Kleinkinder operiert werden müssen, fürchten manche Eltern Folgeschäden der Betäubung. Wo die Risiken liegen

von Beatrice Sobeck, aktualisiert am 03.07.2019
Anästhesie

Eltern sollten eine Operation nicht aus Angst vor der Vollnarkose herauszögern


Manchmal geht es nicht anders: Ein Kind muss operiert werden. Sei es etwa ein kleiner Eingriff, weil die Polypen stören, oder eine größere Operation, weil das Kind schwer krank ist. Damit das Kleine von alldem nichts spürt, bekommt es eine Vollnarkose. "Über die Narkose machen sich Eltern oft mehr Sorgen als um die Operation selbst. Dabei sind Narkosen heute so sicher wie nie zuvor", sagt Dr. Karin Becke-Jakob.

Die Anästhesistin ist Chefärztin der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin an der Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg und hat selbst schon Tausende Anästhesien bei Kindern vorgenommen. Allerdings, so sagt die erfahrene Ärztin, seien Kinder keine kleinen Erwachsenen, deshalb brauchen sie während einer Narkose eine besonders intensive Betreuung.

Erfahrung ist das Wichtigste

Das belegen auch die Ergebnisse der jüngsten Studien. Demnach seien die Narkosemittel, die heute verwendet werden, unbedenklich. "Vielmehr kommt es darauf an, die Qualität der Anästhesieführung zu verbessern", so Becke-Jakob. Damit meint die Medizinerin die Narkoseführung während eines Eingriffs und die Erfahrung der Anästhesisten, die Kindernarkosen durchführen.

Jährlich erhalten in Deutschland rund 800 000 Kinder eine Narkose, viele aber von einem Anästhesisten, der hauptsächlich Erwachsene behandelt. "Das liegt daran, dass es in Deutschland keine spezifische Weiter­bildung für Kinderanästhesie gibt. Hierzulande bilden wir Generalisten aus. Nach fünf Jahren Facharzt­ausbildung darf ein Anästhesist ­praktisch jeden Patienten narkotisieren. Und Kinder jedes Alters, wenn man 50 Narkosen an Kindern unter fünf Jahren nachweist", erklärt die Medizinerin.

Mindestens 200 Narkosen im Jahr

Das genüge aber nicht. "Es gibt Studien, die zeigen, dass ein Anästhesist mindestens 200 Kinder im Jahr behandeln sollte, um sie sicher versorgen zu können", sagt Becke-­Jakob. Sollte die Erfahrung des Anästhesisten für Eltern also ein Kriterium sein, das sie vor einem Eingriff erfragen? "Meiner Meinung nach ja. Vor allem bei einer Operation in einem Krankenhaus oder einer Praxis, in der eher selten Kinder behandelt werden. Im Zweifel sollten sich Eltern überlegen, ob sie den Eingriff in einer nächstgelegenen auf die Behandlung von Kindern spezialisierten Praxis oder Klinik vornehmen lassen", rät die Anäs­thesistin.

Die passende Ausstattung

Grundsätzlich haben Kinder ein höheres Risiko für Komplikationen bei Narkosen als Erwachsene. Das liegt daran, dass ihr Organismus weniger widerstandsfähig ist als der von Erwachsenen. Atmung, Körpertemperatur, Herz-Kreislauf-System – je jünger das Kind ist, umso mehr müssen sich viele Körperfunktionen erst noch entwickeln.

Wer Kinder narkotisiert, muss wissen wie ihr Organismus funktioniert. "So haben Kinder zum Beispiel einen viel höheren Sauerstoffverbrauch, gleich­­zeitig bringen sie aber weniger Reserven mit. Bei kleinen Pa­tienten stellt sich also viel schneller eine Mangelversorgung ein", erklärt Becke-Jakob. Um Komplikationen zu vermeiden, sei es umso wichtiger die richtige Ausstattung für den Notfall und eine ausreichende Erfahrung des Anästhesieteams mit Kindernarkosen zu gewährleisten.

An Standards halten

Um die Qualität der Kindernarkosen nachhaltig zu verbessern, komme es Becke-­Jakob zufolge darauf an, zum Beispiel die "10-N-Regel" einzuhalten. Hierbei handelt es sich um einen Qualititätsstandard zur Narkoseführung (www.safetots.org), der von führenden internationalen Anästhesisten erarbeitet wurde. Die Grundsätze beginnen bei "No Fear" – das Kind soll keine Angst haben – und reichen bis "No Pain" – keine Schmerzen. "Während einer Operation muss der Anästhesist darauf achten, dass alle Vitalwerte im Normbereich bleiben. Das gilt etwa für Blutdruck, Blutzucker, Sauerstoffsättigung oder Elektrolyte", erläutert Karin Becke-Jakob.

Kürzere Nüchternzeiten

Die 10-N-Regel empfiehlt zudem kürzere Nüchternzeiten. "Das Kind soll noch bis zwei Stunden vor Narkose­beginn klare Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder Saftschorle zu sich nehmen", so die Ärztin. Für die Zukunft wünscht sich die Nürnberger Kinderanästhesistin eine stärkere Zen­tralisierung von Spezialkliniken. "Besonders komplex vorerkrankte Kinder brauchen ein spezialisiertes Narkoseteam. Adäquate Strukturen können nicht flächendeckend in jedem kleinen Krankenhaus oder gar ambulant gewährleistet werden", sagt die Ex­pertin. Demnach müssten Risikokinder besser auf größere Kinderkliniken ­verteilt werden. So hätten die Kliniken höhere Fallzahlen und könnten für mehr Qualität und Sicherheit sorgen. "Außerdem würde sich eine Zentra­lisierung positiv auf die Ausbidung von Kinder­anästhesisten auswirken", erklärt Becke-Jakob und nennt hier unter anderem die Schweiz als Vorbild.

Gut vorbereitet in die OP

Trotz der angespannten Stimmung vor einer Operation sollten sich Eltern immer bewusst machen, dass der Eingriff im Sinne des Kindes vorgenommen wird. Gut zu wissen: Vor jeder Operation gibt es ein ausführliches Informationsgespräch mit dem Anästhesisten. "Klären Sie alle Fragen, sprechen Sie Unsicherheiten und Ängste an. Und informieren Sie den Anästhesisten ausführlich über den Gesundheitszustand Ihres Kindes", sagt Becke-Jakob. Dazu gehört etwa: Hat es eine Allergie? Ist es gerade erkältet? Hat es Fieber? Bekommt es Medikamente? Hat das Kind schon einmal eine Narkose bekommen?
All diese Informationen helfen, die Narkose so sicher wie möglich zu gestalten.


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