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Hüftscreening beugt Spätschäden vor

Viele Säuglinge kommen mit Reifungsstörungen der Hüfte auf die Welt. Eine Ultraschalluntersuchung bei der U3 deckt sie frühzeitig auf

von Tanja Pöpperl, aktualisiert am 06.05.2019
Hüft-Screening

Schmerzfrei und nicht belastend: Hüft-Ultraschall beim Baby


Muskelspannung fühlen, innere Organe abtasten, Reflexe testen: Bei der Kindervorsorgeuntersuchung U 3 in der vierten bis sechsten Lebenswoche schaut der Arzt genau, ob der Säugling sich altersgerecht entwickelt. Besondere Aufmerksamkeit erhält dabei die Hüfte. Ein Screening per Ultraschall ist fester Bestandteil der Untersuchung, um Fehlbildungen oder Entwicklungsverzögerungen frühzeitig zu erkennen.

"Bei etwa drei bis fünf Prozent der Kinder zeigt sich im Ultraschall eine Hüftreifungsstörung, auch Dysplasie genannt", erklärt Prof. Dr. Peter Haber, Oberarzt an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Tübingen. Anhand festgelegter Standardwerte kann der Kinderarzt per Ultraschall vermessen, ob die Hüftgelenkspfanne genügend ausgeformt ist und dem Kopf des Oberschenkelknochens ausreichend Halt bietet. "Die Untersuchungsmethode ist für den Säugling völlig schmerzfrei und nicht belastend. Wird sie fachgemäß durchgeführt, liegt die Entdeckungsrate der Hüftdysplasien bei annähernd 100 Prozent", sagt Peter Haber.

Viele Kinder erhalten das Screening nicht

Dennoch kritisieren Experten der Deutschen Gesellschaften für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), dass 50.000 bis 70.000 Kinder pro Jahr bundesweit diese wichtige Untersuchung nicht erhalten. Warum das so ist, lässt sich nur vermuten. So gibt es nicht in allen deutschen Bundesländern eine gesetzliche Meldepflicht, sobald Eltern einen U-Termin versäumen. Zudem scheinen einzelne Kinderärzte die Hüftsonografie auszulassen, so die DGOU.

"Grundsätzlich werden Durchführung und Qualität der Hüftsonografien von den Kassenärztlichen Vereinigungen sorgfältig überprüft", sagt Dr. Anja Helmers, leitende Ärztin des Zentrums für Kinder- und Jugendorthopädie am Evangelischen Waldkrankenhaus Spandau in Berlin. "Kinderärzte müssen innerhalb festgelegter Zeiträume immer wieder Ultraschallaufnahmen samt Diagnose stichprobenartig zur Qualitätssicherung einsenden."

Auch Peter Haber, der für die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) Seminare zur Sonografie der Säuglingshüfte leitet, hält die bisherigen Maßnahmen der Überprüfung für angemessen. "Anhand der eingesandten Bilder werden Gutachten angefertigt. Fällt ein Kinderarzt durch eine fehlerhafte Diagnose auf, muss er die Teilnahme an einer Nachschulung nachweisen."

Spätschäden vermeiden

Eltern sollten auf jeden Fall alle U-Termine wahrnehmen und bei der U 3 darauf achten, dass die Hüftsonografie gemacht wird. Möchte der Kinderarzt die Untersuchung selbst nicht durchführen, können sie eine Überweisung zum Kinderorthopäden einfordern. "Studien zeigen, dass eine frühe Entdeckung und Behandlung von Hüftreifungsstörungen das Risiko für eine spätere Operation halbiert", so Haber.

Je nach Schwere empfehlen Ärzte konservative Therapien wie breites Wickeln, das Tragen einer Bandage, Beugespreizschiene oder Spreizhose. Auch wenn das Baby vielleicht fast 24 Stunden pro Tag mit gebeugten und gespreizten Beinen in eine starre Vorrichtung geschnallt ist: Die Therapie, die etwa drei Monate dauert, erspart den Kleinen viel Leid. Sie haben eine hohe Chance auf vollständige Ausheilung, müssen als Erwachsene nicht mit starken Hüft- und Rückenschmerzen, einer Früharthrose oder gar einem künstlichen Hüftgelenk rechnen.

"Eltern betroffener Kinder sollten einen Kinderarzt suchen, der viel Verständnis mitbringt und bei Fragen schnell erreichbar ist", rät Helmers. "Je besser der Arzt die Behandlung begleitet, desto eher halten die Eltern durch, auch wenn beim Säugling Probleme wie wunde Haut auftreten." Eine Angst kann die Expertin Müttern und Vätern nehmen: "Die Bewegungsentwicklung des Kindes leidet nicht. Da läuft ein biologisches Programm ab, sodass auch Kinder mit früherer Hüftdysplasiebehandlung normal sitzen, krabbeln und laufen lernen."


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