Hirsutismus: Was hilft bei starker Behaarung?

Frauen, die unter Hirsutismus leiden, haben dort Haare, wo sie eigentlich nur bei Männern wachsen. Meist spielen die Gene eine Rolle. Was sie dagegen tun können

von Julia Schulters, aktualisiert am 20.12.2016
Frau wachst ihr Bein

Manche Frauen tun sich schwer, ihre Körperhaare im Zaum zu halten


Zu Hippiezeiten hätten Frauen mit vollem Achselhaar und unrasierten Beinen kaum Aufsehen erregt. Heute ist Körperbehaarung out. Waxing­studios schießen selbst in Kleinstädten wie Pilze aus dem Boden, und der Lady-Shaver gehört für die meis­ten Frauen längst zum Badezimmerinventar. Wer mit stoppeligen Beinen und ungetrimmter Bikinizone ins Schwimmbad geht, wird schief angeschaut. Das Schönheitsideal: glatte, makellose Haut.

Wann ist viel Behaarung zu viel?

Umso mehr leiden Frauen, die überdurchschnittlich stark behaart sind. Bis zu zehn Prozent sind hierzulande davon betroffen, vermuten Experten. Aber wann ist eine Körperbehaarung übermäßig? "Ausschlaggebend ist das persönliche Empfinden", sagt der Stuttgarter Hautarzt Dr. med. Jens Tesmann. Er rät Frauen, zum Arzt zu gehen, wenn sie sich unwohl fühlen. "Nur so lässt sich feststellen, ob vielleicht krankhafte Ursachen dahinterstecken", sagt er.

Fast immer spielen die Gene eine Rolle. "Manche Frauen haben am ganzen Körper einfach dunklere und dichtere Körperhaare als andere", sagt Tesmann. Beschränkt sich der übermäßige Haarwuchs allerdings auf Körperstellen, an denen normalerweise nur Männer behaart sind, etwa der Oberlippe oder den Schenkelinnenseiten, sprechen Mediziner von Hirsutismus. Für das typisch männliche Verteilungs­mus­ter der Körperhaare ist vor allem ein Botenstoff verantwortlich: Testosteron. Was viele gar nicht wissen: Auch Frauen produzieren das männliche Sexualhormon, um beispielsweise Muskeln aufzubauen. "Bei vielen Hirsutismus-Patientinnen reagieren die Haarfollikel besonders empfindlich auf Testosteron", erklärt Tesmann. Das kann dann dazu führen, dass an empfindlichen Stellen vermehrt Haare wachsen.

Ursachen: Gene oder Hormone

Auch eine Hormonstörung ist manchmal für den Hirsutismus verantwortlich. "Zum Beispiel kann die körpereigene Produktion der Geschlechts­hormone oder ihre Verstoffwechselung beeinträch­tigt sein", erklärt Frauenarzt Dr. med. Jörg ­­Angresius aus dem saarländischen Neunkirchen. Dann kann es passieren, dass der Testosteron­spiegel steigt. Die Haar­follikel werden stärker stimuliert. Feines Flaumhaar wird dabei oft in borstiges, dunk­les Haar umge­wandelt.

Ob der Anteil männlicher Hormone zu hoch ist, können Ärzte mit einer Blutuntersuchung fest­stellen. Bei einer krankhaft erhöhten Hormonkonzentration kommt es darauf an, die Auslöser zu finden. "Insulinresistenz, Eierstockzysten und Neben­nierenerkrankungen können das Verhältnis männlicher und weiblicher Hormone durcheinanderbringen", erklärt Angresius. Auch das sogenannte polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) geht häufig mit Hirsutismus einher. Um die Tes­tosteronwirkung zu bremsen, kann der Frauenarzt eine Anti-Baby-Pille verschreiben, die einen hemmenden Effekt auf männliche Hormone hat. Frauen, die unter starker Gesichtsbehaarung leiden, kann ­eine verschreibungspflichtige Creme mit Eflornithin helfen. Der Wirkstoff greift direkt beim Haarwachstum an, wirkt aber nicht bei allen Frauen.

Dauerhafte Haarentfernung durch Lasern?

Eine dauerhafte Haarentfernung versprechen Laser­behandlungen oder Verfahren mit Blitzlicht. Sie zielen auf die Zerstörung der Haar-Wachstums­­zone ab. "Da man die Haare nur in einer bestimmten Wachstumsphase lasern kann, sind mehrere Sitzungen notwendig, um alle Haare zu erwischen", sagt Tesmann. Die Kosten sind nicht ohne: Je nach Körperstelle sollte man mit 50 bis 120 Euro pro Behandlung rechnen. Die Krankenkassen zahlen die Haarentfernung meist nicht.


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