Hirnhautentzündung: Gefahr im Kopf

Eine bakterielle Meningitis kann für Kinder lebensbedrohlich sein. Deshalb müssen Ärzte schnell handeln. Welche Anzeichen es gibt und welche Impfungen vorbeugen

von Julia Schulters, aktualisiert am 17.01.2017
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Notfall Hirnhautentzündung: Manchmal entscheiden Minuten über Leben und Tod


Schon der Name hat etwas ­Bedrohliches: Hirnhautentzündung – bei dieser Krankheit schrillen sofort die Alarmglocken bei ­Eltern. "Leider nicht völlig zu Unrecht", sagt Professor Hans-Jürgen Nentwich, ehemals Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin. Vor allem für Säuglinge und Kleinkinder seien manche Formen der Meningitis extrem gefährlich. Trotzdem kann der ehemalige Leiter der ­Zwickauer Kinderklinik Eltern beruhigen: "Gemessen an anderen Infektionskrankheiten treten schwere Hirnhautentzündungen heute sehr selten auf", sagt der Mediziner.

Dazu kommt: Wie bedrohlich ­eine Meningitis ist, hängt auch von den auslösenden Erregern ab. Grundsätzlich gilt: Viren verursachen oft harmlosere Formen, manchmal bleibt die Meningitis sogar unbemerkt – zum Beispiel im Zuge eines grippalen Infekts oder einer Mumpserkrankung. Wesentlich gefährlicher sind durch Bakterien verursachte Hirnhautentzündungen. "Sie können lebensbedrohlich sein", sagt Nentwich.

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Nentwich

Bakterien sind die gefährlicheren Auslöser

Hierzulande sind vor allem Bakterien wie Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b und Meningokokken die Auslöser. Seit Einführung der Pneumokokken-Impfung spielen Meningokokken bei Kindern die größte Rolle. Bis zu 160 Infektionen mit diesen Keimen werden dem Robert-Koch-Institut (RKI) jährlich bei Kindern ­unter 15 Jahre gemeldet.

"Zwei Drittel davon sind Hirnhautentzündungen, ein Drittel geht mit einer schweren Blutvergiftung einher", sagt Dr. med. Wiebke Hellenbrand von der Abteilung für Infektions­epidemiologie am RKI in Berlin.

Frau Wiebke Hellenbrand

Viele Menschen tragen Erreger in sich

In Deutschland gibt es vor allem zwei Typen des Bakteriums: Meningokokken der Serogruppen B – mit einem Anteil von gut 65 Prozent – und C. Beide werden durch Tröpfcheninfektion, also Hus­ten, Niesen oder Küssen, übertragen. Aber nicht jeder, der andere ansteckt, ist selbst erkrankt: "Wir gehen davon aus, dass fast zehn Prozent ­aller Menschen Meningokokken in sich haben, ohne Symp­tome aufzuweisen", sagt Hellenbrand. Die Statis­tiken des RKI zeigen: Besonders Säuglinge und kleine Kinder trifft eine Infektion. "Bei Babys kann sich das Immunsystem häufig noch nicht gegen die Erreger wehren", sagt der Bremer Kinderarzt Dr. med. Torsten Spranger.

Dr. Torsten Spranger

Auch Jugend­liche erkranken wesentlich öfter als ­Erwachsene. "Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass die Anzahl der sozialen Kontakte in dieser Zeit steigt", so Hellenbrand.

Meningitis: Zustand wird rasch schlechter

Die Erreger befallen die ­Hirnhäute und den sogenannten Liquor­raum (­siehe Grafik unten). Die Entzündung führt zu den typischen Beschwerden: starke Kopfschmerzen, hohes Fieber, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Muskelverspannungen. "Bei ­einer bakteriellen Meningitis verschlechtert sich der Zustand des Kindes von jetzt auf gleich extrem", erklärt Spranger. Daher gilt: "Wenn sich die Kleinen bei hohem Fieber plötzlich seltsam oder apathisch verhalten, sollte man sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren", so der Mediziner. Im schlimms­ten Fall könne die Entzündung zu ­­einer Blutvergiftung führen oder auf das Gehirn übergreifen. "Dann entscheiden manchmal Minuten über Leben und Tod", sagt Nentwich.

Daher erhalten Kinder oft schon beim Verdacht auf eine ­bakterielle Hirnhautentzündung ­Antibiotika. Um die Diagnose zu bestätigen, ist eine Lumbalpunktion nötig. Dazu entnehmen Mediziner etwas Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit aus dem Lumbalkanal am unteren Bereich der Lendenwirbelsäule. Meist werden die Patienten bis zu 24 Stunden unter Quarantäne gestellt. Engere Kontaktpersonen sollten sicherheitshalber Antibiotika bekommen und möglichst nachgeimpft werden.

Hirnhautentzündung: Impfungen bieten gewissen Schutz

"Rechtzeitig behandelt, stehen die Chancen gut, eine Meningitis in den Griff zu bekommen", sagt Nentwich. Dennoch: Circa zehn Kinder im Jahr sterben an einer Meningokokken-Meningitis, zehn bis 20 Prozent aller Betroffenen tragen Spätschäden wie geistige oder körperliche Behinderungen davon. "Deshalb sollten sich ­Eltern an die Impfempfehlungen halten", sagt Spranger. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch Ins­titut (STIKO) rät, Kinder bereits im ersten Lebensjahr gegen Pneumokokken und Haemophilus Influenzae Typ b zu impfen. Im zweiten Lebensjahr sollten sie gegen Meningokokken der Serogruppe C immunisiert werden.

Seit Januar 2013 ist ein Impfstoff gegen B-Meningokokken für Kinder zugelassen. Die STIKO empfiehlt sie allerdings nur bei spezifischen Grundkrankheiten. Für eine Entscheidung über eine generelle Impfempfehlung hält sie die bisher vorliegenden Daten noch nicht ausreichend. "Außerdem kann der Impfstoff nicht gegen alle Varianten der B-Meningokokken schützen, in Deutschland voraussichtlich gegen circa 82 Prozent, bei Säuglingen etwas weniger", so Hellenbrand.


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