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Hilfe, mein Kind hat Würmer!

Eltern graut es, wenn sie bei ihren Kindern im Stuhl Madenwürmer entdecken. Dabei sind sie relativ harmlos und können gut behandelt werden

von Barbara Weichs, aktualisiert am 20.03.2019

In unserem Expertenvideo erfahren Sie, wie sich Kinder mit Madenwürmern anstecken und welche Medikamente dagegen helfen


Geht es um dieses Thema, sieht man seinem Gegenüber sofort an, wie er dazu steht: IGITT! Gibt es etwas Ekligeres, als im Stuhl seines Kindes Würmer zu entdecken? Sich vorzustellen, dass sich in ihm Lebewesen tummeln, die dort nicht hingehören und ihm womöglich auch noch gefährlich werden? Nicole Dietz, Apothekerin aus Rüdesheim, hat Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Würmer.

Sind die Würmer und ihre Eier gefährlich für Kinder? 

Nein, denn meistens infizieren sich Kinder mit sogenannten Madenwürmern (lateinisch Oxyuren). "Diese Art von Parasiten ist harmlos. Sie machen unangenehme Symptome, mehr aber auch nicht", sagt die Apothekerin. Kinderärzte vermuten, dass sich nahezu jedes Kind einmal damit ansteckt. Gefährlich kann hingegen eine Infektion mit einem Fuchs- und Hundebandwurm werden, die jedoch nur äußerst selten vorkommt. 

Wie kommen die Würmer überhaupt ins Kind hinein?

Über den Mund. Die Wurmeier lauern an vielen Stellen: zum Beispiel auf ungewaschenem Obst, Gemüse und Salat oder in durch Hunde- oder Katzenkot verunreinigter Erde und Sand, etwa am Spielplatz. Sie können ebenso auf Spielsachen kleben. "Da gerade kleine Kinder gerne alles in den Mund stecken, sind sie besonders gefährdet", sagt Nicole Dietz. Und auch über die Luft können die winzigen Eier verteilt werden, zum Beispiel wenn Mama oder Papa die Bett­decke des infizierten Kindes morgens ausschüttelt. Die Eier werden dann eingeatmet und gelangen über die Luftwege in den Körper. Ihr Ziel: der Magen-Darm-Trakt.

Dort entwickeln sich innerhalb weniger Stunden die erwachsenen Würmer. Nach zwei bis drei Wochen sind die Würmer geschlechtsreif und paaren sich. Die männlichen Tiere sterben sofort danach ab, die Weibchen ein bis zwei Wochen später, sobald sie die Eier abgelegt haben. "Durch das Kratzen am Po gelangen die Wurm­eier unter die Fingernägel. Wäscht sich ein Kind seine Hände nicht oder nicht gut, isst es dann etwas oder steckt es sich seine Finger in den Mund, können wieder Eier in den Darm gelangen", erklärt die Apothekerin. Das Kind hat sich selbst erneut angesteckt. Re-Infektion nennen Mediziner diesen Vorgang. 

Wie merken Eltern denn, dass ihr Kind Würmer hat?

Die Kleinen kratzen sich häufig am Po oder klagen über Juckreiz (manchmal in Kombination mit Bauchschmerzen, der Wurmbefall ist dann bereits sehr ausgeprägt). "Vor allem nachts zeigt sich dieses Symptom, da die weib­lichen Würmer in den Falten am After Eier ablegen", erklärt Nicole Dietz. Zu sehen sind die Eier allerdings nicht. Ausgewachsene Tiere finden sich rund um den Anus oder auf dem Kot: Sie sind ein bis zwei Zentimeter lang, weiß und erinnern an Nudelstückchen.   

Müssen Würmer eigentlich immer behandelt werden?

Unbedingt! Auch wenn die Würmer nicht gefährlich sind, rät die Apothekerin dazu, die Parasiten zu bekämpfen: "Vermehren sich die Würmer immer weiter, kann das zu extremem Juckreiz führen, gegen den man nichts tun kann. Außerdem sind die Tiere ein Fremdkörper im Körper." Sobald der Verdacht besteht, dass ein Kind Würmer hat, würde sie aktiv werden. Der Kinderarzt untersucht dann Stuhlproben oder lässt den Tesa-Test machen: Dafür kleben Eltern ihrem Kind morgens, bevor es auf die Toilette geht, einen Streifen Tesafilm auf den After, ziehen ihn vorsichtig ab, geben ihn in ein Schraubverschlussglas und bringen dieses mit in die Praxis. Unter dem Mikroskop sieht der Arzt, ob sich Wurmeier darauf befinden.

Wie wird man die widerlichen Viecher wieder los?

Mit Medikamenten, die die Tiere abtöten. Es gibt die Mittel als Ta­blette oder Suspension. "Betroffene nehmen es einmal ein. Das genügt in der Regel", sagt die Apothekerin. Da das Medikament die am After abgelegten Eier nicht erreicht, sollte der Arzt nach zwei Wochen kontrollieren, ob das Kind tatsächlich wurmfrei ist. Wichtig währenddessen: ­darauf achten, dass sich der Nachwuchs gründlich die Hände wäscht, um die Re-Infektion zu verhindern.

Und: "Ich empfehle, dass die ganze Familie eine Wurmkur macht", sagt Nicole Dietz. Denn durch die leichten Übertragungswege ist es sehr wahrscheinlich, dass sich bereits alle angesteckt haben. Außerdem rät die Apothe­kerin, Bettwäsche, Handtücher, Wasch­lappen, Schlafanzüge, Unterwäsche und Kuscheltiere bei mindestens 60 Grad zu waschen. Morgens das Kind am besten gleich nach dem Aufstehen um die Afterregion herum sorgfältig abduschen. Die Betten nicht aufschütteln und die Schlafräume staubsaugen, Toiletten und Türklinken reinigen. Sinnvoll ist zudem, die Fingernägel kurz zu schneiden und regelmäßig zu säubern, damit sich keine Eier darunter ansammeln.

Kann man einer Ansteckung vorbeugen? Und wie geht das?

Ja! Und es ist ganz einfach. Die oberste Regel lautet: regelmäßig und gründlich mit Seife die Hände waschen, vor allem, wenn Kinder von draußen reinkommen, und natürlich immer vor dem Essen und nachdem sie auf Toilette waren. "Eltern müssen gerade Kleinkinder daran erinnern und ihnen am besten immer wieder zeigen, wie man es richtig macht, damit sie den Vorgang verinnerlichen", sagt Nicole Dietz. Obst, Gemüse und Salat vor dem Essen gründlich waschen. Haustiere bitte entwurmen lassen. "Spielsachen, die draußen waren, würde ich, vor allem wenn sie mit Erde und Sand in Berührung kamen, heiß abwaschen oder in die Spül­maschine zum Säubern stecken", rät die Apothekerin.

Darf ein Kind trotz Wurmbefalls überhaupt in die Kita?

Ja. Wenn die Würmer behandelt werden, spricht nichts dagegen. Würmer sind nicht meldepflichtig, betroffene Kinder dürfen also nicht aus der Einrichtung ausgeschlossen werden. Eltern sollten sich aber über­legen, ob sie Erzieherinnen und Eltern von befreundeten Kindern nicht trotzdem darüber informieren, da die Madenwurmeier ja hoch­infektiös sind. "Das wäre nur fair und verhindert, dass sich noch weitere Menschen damit anstecken", sagt Nicole Dietz. 


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