Hilfe bei Hämorriden und Analbeschwerden

Fast die Hälfte aller Frauen hat in Schwangerschaft und Wochenbett Probleme im Analbereich. Das ist sehr unangenehm, aber meist gut zu behandeln

von Julia Schulters, 19.05.2016

Eigentlich ganz schön ungerecht: Da liegen 40 Wochen Schwangerschaft hinter einem, die Geburt steht kurz bevor oder ist gerade erst überstanden, und dann tut es plötzlich auch noch da hinten weh. Es juckt, es brennt oder blutet am After. Unangenehm. Peinlich. "Aber alles ­andere als selten", sagt Dr. med. Bernhard Strittmatter, Proktologe und Chirurg aus Freiburg im Breisgau und Vorsitzender des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands. Immerhin: "Bis zu 60 Prozent aller Frauen haben um den Entbindungstermin herum Beschwerden im Analbereich", sagt er. Koloproktologische Erkrankun­gen nennen ­Experten das und meinen zum Beispiel ­Hämorriden, Analfissuren, Anal­ekzeme und Analvenenthrombosen. Probleme, über die man nicht allzu gerne spricht –  nicht mal mit dem Arzt.

Analprobleme meist gut behandelbar

"Wer zum Proktologen geht, hat in der Regel starke Schmerzen oder bereits einen langen Leidensweg hinter sich", sagt Stritt­matter. Dabei gibt es sogar ­­gute Nachrichten für Schwangere und Stillende: "Die meisten Enddarmerkrankungen kann man ­ohne größere Eingriffe behandeln", sagt er. Und: "Viele Probleme geben sich in den Wochen nach der Geburt wieder."

Aber warum haben gerade Schwangere und Wöchnerinnen so häufig Beschwerden im Anal­bereich? "Die Schwangerschaftshormone machen den Darm schlapp und sorgen für Verstopfung", erklärt Strittmatter. "Hinzu kommen anatomische Veränderungen des Beckenbodens. Das Kind, die Plazenta und die Gebärmutter drücken auf das Gewebe und die Gefäße im Analbereich."

Welche Erkrankungen die ­Folge sein können und was Frauen dagegen tun können, lesen Sie hier:

Hämorriden

Analbereich kann stark bluten

Jeder Mensch hat Hämorriden. Und die haben eine wichtige Funktion: "Das Schwellkörpersystem sorgt für eine Feinabdichtung am After", sagt Strittmatter. Von einem Hämorridalleiden sprechen Ärzte erst, wenn das Gefäßpolster vergrößert ist, etwa durch den schwangerschaftsbedingten Druck auf das Schwellkörpersys­tem oder starkes Pressen bei Verstopfung. Dann machen Hämorriden häufig auch Beschwerden: Der Analbereich juckt, brennt oder nässt, beim Säubern nach dem Toi­lettengang entdecken viele Patienten Blut am Klopapier. "Das Blut kann aber auch richtig spritzen oder tropfen, wenn eine Hämorride aufreißt", sagt der Prokto­loge. Egal wie stark es blutet: Es ist immer ein Grund, den Arzt nachsehen zu lassen. "In sehr seltenen Fällen können auch ernsthaftere Ursachen dahinterstecken", warnt Strittmatter.

Salben und Cremes lindern das Jucken

Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden. Juckt, brennt und nässt es am After, können Salben und Cremes mit betäubenden Wirkstoffen kurzfris­tig Linderung verschaffen. Auch pflanzliche Cremes mit Gerbstoffen, etwa Hamamelis, stillen den Juckreiz und wirken heilungsfördernd bei kleinen Verletzungen. "Nicht alle Mittel sind allerdings für Schwangere und Stillende geeignet", sagt die Apothekerin Dr. ­Nicola Hackmann-Schlichter aus Wiesloch bei Heidelberg. Betroffene Frauen sollten vor der Anwendung daher immer mit ihrem Arzt sprechen. In manchen Fällen verschreibt er Salben, Cremes oder Analtampons mit Kortison.

Maßnahmen gegen Verstopfung

Ist eine Verstopfung der Grund für das Hämorridalleiden, muss der Stuhl reguliert werden. Er sollte weich, aber geformt, der Toilettengang ohne Pressen möglich sein. Wichtig daher: "Ausreichend trinken und sich ballast­­stoffreich ernähren", sagt Nicola Hackmann-Schlichter. ­Experten empfehlen mindestens eineinhalb Liter Flüssigkeit am Tag, viel Obst, ­Gemüse und Vollkornprodukte.

Hilft das alles nicht, können ­Schwangere und Stillende versuchen, mit Quellstoffen wie etwa Indischen Flohsamenschalen oder geschroteten Leinsamen die Darmbewegungen anzuregen. "Die Stoffe können zum Beispiel zusammen mit einem Joghurt eingenommen werden", erklärt die Apothekerin. Danach mindestens ein großes Glas Wasser trinken.

Nach der Geburt erst einmal abwarten

Operiert werden Hämorriden in der Schwangerschaft nur im Ausnahmefall. "Das ist eigentlich nur bei einem Abszess unumgänglich" sagt Strittmatter. In der Stillzeit können blutende Hämorriden wieder verödet werden. Da sich die Hämorriden häufig in den ers­ten drei Monaten nach der Geburt zurückbilden, lohne es sich in der Regel abzuwarten.

Hämorriden, Analekzem, Fissur – was ist es?

Analvenenthrombose

Blutgerinnsel am After

Sie wird fast immer mit Hämorriden verwechselt, ist aber viel schmerzhafter und tritt ganz plötzlich auf: die Analvenenthrombose. "Dabei handelt es sich um ein Blutgerinnsel in den Adern des Afterrands", erklärt Strittmatter. Zu erkennen ist die Thrombose an einem bläulichen Knoten, der sogar pflaumengroß werden kann. Etwa 20 bis 30 Prozent aller Schwangeren erkranken im letzten Schwangerschaftsdrittel daran. Die Ursache ist ein erhöhter Druck im Bereich der Beckenvenen, aber auch Verstopfung oder starke Presswehen können ­eine Analvenen­thrombose auslösen.

Oft mit starken Schmerzen verbunden

Gefährlich wie etwa eine Beinvenenthrombose ist die Analvenen­thrombose nicht. "Aber durch die starken Schmerzen ist der Leidensdruck enorm", sagt Strittmatter. Die schnelle Schmerzlinderung habe deshalb oberste Priorität. Welche Mittel während der Schwangerschaft und Stillzeit infrage kommen, weiß der Proktologe. Gleiches gilt für Salben, die die ­Stelle für ­einige Zeit betäuben können. "Vielen Patienten tut es gut, den Bereich zu kühlen", sagt Nicola Hackmann-Schlichter. Die Apothekerin empfiehlt dazu Eiswürfelkompressen oder Coolpacks, die in ein Tuch eingeschlagen werden.

OP ist nur selten nötig

Nach ein paar Tagen lassen die Schmerzen normalerweise nach. Innerhalb von zwei bis vier Wochen bildet sich der Knoten von alleine zurück. Ist die Throm­bose sehr groß und schmerzhaft, wird das Blutgerinnsel manchmal auch operativ entfernt. "Der Eingriff kann unter örtlicher Betäubung vorgenommen werden", erklärt Strittmatter. Der Wundschmerz sei meist weniger stark als bei einer Thrombose.

Analfissur

Schmerzhafter Einriss in die Afterhaut

Wenn der Toilettengang starke Schmerzen verursacht und es wäh­renddessen oder kurz danach im Analbereich blutet, liegt häufig ­eine Analfissur vor. "Viele Frauen haben das Problem im Laufe der Stillzeit", sagt Stritt­matter. Die Ur­sache auch hier: ein zu harter Stuhl. Dadurch kommt es zu einem schmerzhaften Einriss in die empfindliche Haut am Darmausgang. "Das Allerwichtigste ist daher, die Verstopfung in den Griff zu bekommen", sagt Apothekerin Hackmann-Schlichter. Quellstoffe wie Indische Flohsamenschalen oder Leinsamen eignen sich auch in der Schwangerschaft und Stillzeit zur Stuhlregulation (siehe auch Hämorriden).

Fissur kann schlimmstenfalls chronisch werden

Der Arzt kann Schmerz­mittel und Salben, Cremes, Analtampons und Zäpfchen verschreiben, die betäubend und heilungsfördernd wirken. Auch kurze, warme Sitzbäder tun häufig gut. "Das große Problem bei einer Fissur ist, dass der Schließmuskel verkrampft", sagt Strittmatter. Die Folge: Der Stuhl wird häufig zurückgehalten und noch härter, außer­dem wird das Gewebe weniger gut durchblutet. "Die Wunde heilt dadurch schlechter ab", sagt Strittmatter. Im schlimmsten Fall wird die Fissur chronisch. Um die Verkrampfung zu lösen, kann es hilfreich sein, den Schließmuskel mit einem Analdehner und einer betäubenden Creme zu dehnen. "Es gibt auch Salben, die den Schließmuskel direkt entkrampfen", sagt Strittmatter. Viele Mittel seien in der Schwangerschaft und Stillzeit allerdings nicht erlaubt.

Analekzem

Juckender Hautausschlag in der Aftergegend

Starker Juckreiz, Brennen, ein rötlicher Ausschlag zwischen den Pobacken: Das sind Symptome eines Analekzems. "Es tritt häufig in Verbindung mit ­­Hämorri­den oder Fissuren auf", erklärt der Proktologe. Deshalb sei es besonders wichtig, die Grunderkrankung in den Griff zu bekommen. Der Enddarmspe­zialist warnt davor, in Eigenregie mit ­Cremes und Salben zu experimentie­ren. Denn gegen viele der Präparate entwickeln Betroffene im L­­aufe der Zeit eine Kontaktallergie. Häufig verschreibt der Arzt ­eine kortisonhaltige Salbe. Sie sollte aller­dings nur wenige Tage verwendet und nach und nach durch eine weiche Zinksalbe ersetzt werden.

Auf richtige Analhygiene achten

Bei starkem Juckreiz können auch Sitzbäder mit gerbstoffhaltigen Zusätzen helfen. "Die Bäder sollten aber nur wenige Minuten dauern und nicht zu warm sein", sagt Nicola Hackmann-Schlichter. Ebenfalls wichtig: die richtige Analhygiene. "Am besten verwendet man weißes, sehr weiches Toilettenpapier", so die Apothekerin. Besser noch seien klares Wasser oder mit Wasser angefeuchtete, weiche Einmalwaschlappen. Und: "Beim Trocknen auf gar keinen Fall reiben, sondern ganz ­vorsichtig tupfen, damit die Haut nicht zusätzlich gereizt wird", rät die Pharma­zeutin.

Der Besuch beim Proktologen

Den Arzttermin schieben viele gerne vor sich her, wenn es um Probleme im Anal­bereich geht. Dabei lassen sich etliche Beschwerden leichter lindern, wenn man sie frühzeitig behandelt. Die Untersuchung findet ähnlich wie beim Gynäko­logen auf einem speziellen Behandlungs­stuhl statt. Sie dauert in der Regel nur wenige Minuten. Auf der Inter­net­seite www.coloproktologen.de gibt es ­eine Spezialistensuche nach Postleitzahl.


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