Herzinfarkt: Auch junge Frauen betroffen

Bei jungen Frauen steigt die Zahl tödlicher Herzinfarkte. Auch andere Herz-Kreislauf-Leiden nehmen zu. So schützen Sie sich

von Anne-Bärbel Köhle, aktualisiert am 28.09.2016

Kardiologen sehen ein steigendes Infarktrisiko bei jungen Frauen


Die Angst kommt oft nachts. Plötzlich stolpert das Herz, rast oder klopft wie verrückt. Hoffentlich ist das nichts Ernstes. Muss jetzt der Notarzt kommen? Als Herzrasen – medizinisch Tachy­kardie – bezeichnet man ­einen Herzschlag, der schneller ist als normal. Ab 100 Schlägen pro Minute sprechen Ärzte davon. In den meisten Fällen entpuppt sich das Phänomen als harmlos. Aufregung, Stress oder ­Vorfreude können die Gründe sein. Koffein,­ Nikotin oder manche Medikamente, etwa für die Schilddrüse,­ beschleunigen den Puls.

"Gelegentlich stecken Probleme mit Blut­salzen dahinter, etwa ein Kaliummangel", sagt Professor Jan Minners vom Herzzentrum Freiburg im Breisgau. In man­chen Fällen kann ein veränderter Hormonhaushalt die Herztätigkeit beeinflussen. Herz­rasen ist zum Beispiel eine typische, vorüber­gehende Erscheinung in den Wechseljahren. Auch wenn eine Frau unter­ Schilddrüsen­problemen leidet, kann sich das aufs Herz auswirken. "Der weibliche Monats­zyklus hingegen hat offenbar keinen Einfluss", erklärt Minners.

Junge Frauen rechnen selten mit einem Infarkt

Fast jeder Mensch hat schon einmal Herzrasen oder Herzstolpern erlebt. Vor allem unter Stress "tendieren wir dazu, genauer in uns hinein­zuhören und Unregelmäßigkeiten stärker wahrzunehmen", sagt Minners. Zum Beispiel nachts. Könnte harmlos sein.

Andererseits raten Kardiologen schon jungen Frauen, gut auf ihr Herz zu hören. Gerade sie kommen nämlich nicht im Traum auf die Idee, dass eine Herzerkrankung sie bedrohen könnte. Daher macht die Gruppe der Frauen ab 35 Herzspezialisten große Sorgen. Dazu kommt: In den letzten Jahrzehnten ist die ­Rate der tödlichen Infarkte zwar stetig zurückgegangen, bei den Männern um 42 Prozent, bei den Frauen aber nur um 37 Prozent. ­"Männer, das zeigen viele ­­Studien, haben­ ihre Überlebens­chancen über die Jahre viel deutlicher verbessern können als Frauen", sagt Minners.

Rauchen und Übergewicht erhöhen Herzinfarktrisiko

Für diese Entwicklung ist vermutlich eine ganze Reihe an Problemen verantwortlich. "Der Anteil rauchender Frauen nimmt immer noch zu", sagt Minners. Und auch was die Zahl Übergewichtiger betrifft, haben die Frauen in den letzten Jahren noch mehr zugelegt als die Männer.

"Dickleibigkeit erhöht das Risiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder ein sogenanntes metabolisches Syndrom zu entwickeln", erklärt Minners. Darunter verstehen Ärzte eine Kombination diverser­ Risikofaktoren wie zu viel Bauchfett, Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte. Die möglichen Folgen: Diabetes, Gefäß­verkalkung, Schlaganfall – und Herzinfarkt.

Symptome bei Frauen rechtzeitig erkennen

Dass Männer solche Attacken eher überstehen als Frauen, hat ­Gründe. So werden Symp­tome bei Frauen später erkannt und behandelt. Während Männer oft über ­typische Schmerzen in der Brust klagen, sind die Anzeichen bei Frauen oft unspezifischer. Ihnen ist übel, sie leiden unter Atemnot, haben Schmerzen im Bereich der linken Schulter. Weil sie selbst nicht mit einem Infarkt rechnen, warten sie oft ab – und rufen im Schnitt fast eine Stunde später als männliche ­Herzinfarktopfer den Arzt.

Auch die Ärzte merken gelegentlich nicht sofort, dass es sich um ­eine Infarktpatientin handelt. Wertvolle Zeit verstreicht. Deshalb, so Minners, müssen gerade Frauen besonders auf ihr Herz achten. "Beim geringsten Verdacht sollten sie ­­sofort den Arzt rufen, wenn es zu einem Druck in der Herzgegend kommt, der womöglich noch in Kiefer und Arme ausstrahlt", sagt der Kardio­loge. Auch unerklärliche Oberbauchbeschwerden gelten als ernstes Warnzeichen, ­­ebenso ein Gefühl von Schwindel oder ­eine Ohnmacht im Zusammenhang mit Herzstolpern. "Ein EKG ist schnell geschrieben", sagt Minners.

Diese Maßnahmen senken das Risiko

So beugen Sie vor: Nutzen Sie die Vorsorgeuntersuchung Checkup 35 beim Hausarzt. Sie können sie alle zwei Jahre machen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Dann wissen Sie über Ihre Blutfettwerte, Ihren Blutdruck und den Blutzuckerspiegel Bescheid. Ebenfalls wichtig: Übergewicht abbauen. Als optimal gilt bei Frauen ein Taillenumfang unter 80 Zentimeter. Ab 88 Zentimeter steigt bei ihnen das Infarktrisiko deutlich an, so die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie.

Zweieinhalb Stunden moderate Bewegung pro Woche halten Herz und Kreislauf fit. Wer unter­ einer Überfunktion der Schilddrüse leidet, sollte diese­ schnellstmöglich behandeln lassen. Die allerwichtigste Maßnahme sei jedoch, so australische Forscher, das Rauchen aufzugeben. Besonders im Zusammenhang mit der Pille werden die Glimmstängel zur tödlichen Gefahr.


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