Herpes: Ansteckung für Babys gefährlich

Herpesbläschen sind bei Erwachsenen keine Seltenheit. Was viele nicht wissen: Für Neugeborene kann Herpes gefährlich werden. Wie sich Eltern richtig verhalten

von Andrea Schmidt-Forth, 02.05.2016

Haben Eltern Lippenherpes, sollten sie ihr Baby nicht küssen


Ein wenig Fieber, Stress oder ein Schnupfen – schon kribbelt es wieder an der ­Lippe: Herpesbläschen sind läs­tig, jedoch in der Regel ­harmlos. "­Außer, Sie erwarten ein Kind oder haben ein Baby daheim. Dann sollten Sie eine Herpesinfektion nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnt Prof. Volker Schuster, Spezialist für Infektionen im Kindes- und Jugendalter am Universitätsklinikum Leipzig.

Je nach Zeitpunkt der Infek­tion und Typ des Virus kann Herpes für das Baby schmerzhaft oder gar bedrohlich werden. Bei Neugeborenen können die Erreger zum Beispiel Organe befallen und eine Gehirnentzündung auslösen. Ärzte unterscheiden zwei Herpes-Formen:

Genital- und Lippenherpes

1. Ein Genital-Herpes kann, wenn er akut ist, also etwa Bläschen im Ge­­nitalbereich da sind, von der Mutter auf das Ungeborene über­tragen werden und zu Fehlbildun­gen und einer Fehlgeburt führen. Daher ist er ein wichtiger Aspekt in der Schwangerenvorsorge. Viren vom Herpes Typ 2 sind in der Regel die Auslöser. Auch während der Geburt ist eine Ansteckung möglich. Zum Glück tritt eine Neugeborenen­infektion, die eine Blutvergiftung zur Folge haben kann, selten auf.

2. Mit dem Herpes labialis, ­also dem Lippenherpes, stecken sich weit mehr Babys und ­Kleinkin­der an. Auslöser ist meist der Herpes Typ 1 (Herpes sim­­plex). Reihenuntersuchungen er­gaben, dass 80 Prozent der Kinder bis zu ihrem zweiten Geburtstag Bekanntschaft mit dem Erreger machen. Bei Erwachsenen sind 98 Prozent infiziert.

Hat man sich einmal angesteckt, bleibt ein Herpesvirus ein Leben lang im Körper: "Es verkriecht sich im Rückenmark", sagt Schuster. Hält das Immunsys­tem das Virus in Schach, zeigen sich keine Symptome.

Schmerzhafte Mundfäule

Herpesbläschen wie Erwach­sene bekommen Kinder meist erst ab dem fünften, sechsten Lebensjahr. Bei Babys und Kleinkindern kann sich die Erstinfektion durch die sogenannte Mundfäule (Stoma­titis aphthosa) äußern. Typische Zeichen: vermehrter Speichelfluss, das Kind ist quengelig, mag weder essen noch trinken. "Schaut man in den Mund, sind Zahnfleisch, ­­Zunge und Backentaschen rot, geschwollen und weisen offene Stellen auf", so Schus­ter. "Solche ­Aphthen tun sehr weh." Je früher Eltern ihr Kind zum Arzt bringen, ­umso besser. Er kann die richtige Behandlung einleiten, etwa mit einem viren­hemmenden Mittel. Ansons­ten können nur die Symptome behandelt werden: zum Beispiel mit schmerzstillen­dem Gel, Ibuprofen oder Paracetamol. Doch das muss der Arzt entscheiden.

Wichtig: Das Kleine sollte genug trinken. "Verweigert es die Flüssigkeitsaufnahme, ist eine kurzzeitige stationäre Aufnahme im Krankenhaus die schonendste Behandlung", so Schuster. Nach vier, fünf Tagen klingen die Symp­tome meist ab.

Vor Ansteckung schützen

Während der Akutphase verzichtet man am besten auf Kontakt mit anderen. Die kleinen Patienten wollen dann meist nur ihre ­Ruhe haben, vor allem aber ist auch die Flüssigkeit in den Bläschen sehr ansteckend. Herpes wird zudem häufiger von einem Kind aufs andere übertragen als von Erwachsenen, etwa über Spielzeug, das Babys ausgiebig mit dem Mund untersuchen. Treten bei Erwachsenen ­typi­sche Zeichen wie Spannungsge­fühle an der Lippe auf oder sind bereits Bläschen da, sollten sie sich von Babys bis circa anderthalb Jahren fernhalten. Und wenn die Eltern selbst betroffen sind? Dann gilt:

  • Bläschen gut mit spezieller Creme oder Pflaster abdecken (siehe auch unten),
  • das Baby bitte nicht küssen,
  • auf gute Handhygiene achten, also regelmäßig mit Seife waschen.

Aufs Stillen muss keine Mutter verzichten, es sei denn, sie hat auch an der Brustwarze Herpes­bläschen. Das aber ist so gut wie nie der Fall.

Das hilft bei Lippenherpes

Sie spüren schon, dass Ihr Lippenherpes wieder anfängt zu blühen? Dann sollten Sie rasch aktiv werden, erst recht, wenn Sie Vater oder Mutter eines kleinen Babys sind. Kathy Hensen, Apothekerin aus Hamburg, sagt, was Sie bei leichten Herpesbläschen tun können:

  • Antivirale Cremes – zum Beispiel mit den Wirkstoffen Aciclovir oder Penci­vir – tragen dazu bei, dass sich die Erreger nicht weiter vermehren. Die Präparate möglichst schon beim ers­ten Kribbeln auftragen, teilweise gibt es sie auch getönt. Dazu am bes­ten immer ein Wattestäbchen verwenden, nicht die Finger, und anschließend gründlich die Hände waschen. Spezial­pflas­ter decken die Herpesbläschen ab und helfen so, dass sich deren ansteckender Inhalt nicht weiter verteilt.
  • Spezielle Salben mit Me­lissenextrakt oder Zink können, bei den ers­ten Anzeichen aufgetragen, ebenfalls zur Linderung der Herpesbläschen beitragen.
  • Extraschutz: Blüht der Herpes, hilft auch ein Mundschutz, die Übertragung der Viren auf das Baby zu vermeiden.

Schwangere und Stillende sollten die Therapie immer vorher mit ihrem Arzt abklären.


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