Genitalhygiene bei Jungen

Geht es um die Genitalhygiene bei kleinen Jungen, sind Eltern oft etwas unsicher. Wie man den Penis reinigt und wann die Vorhaut bewegt werden darf

von Beatrice Sobeck, 25.01.2018

Von Kopf bis Fuß gewaschen – dabei sollten Eltern auch den Penis nicht vergessen


Wie reinigt man im Babyalter den Intimbereich bei Jungen?

"Babys Haut braucht nur warmes Wasser und einen weichen Lappen", sagt Dr. Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt in Düsseldorf. Am besten den Penis und Hodensack täglich waschen, vor allem auch die Hautfalten in den Leisten. Danach mit einem dünnen Tuch gründlich trocken tupfen. Dafür ­eignen sich Mullwindeln sehr gut.

Und was ist mit der Vorhaut?

Die lassen Eltern schön in ­Ruhe. Die Vorhaut von ­Babys lässt sich noch nicht zurückschieben. "95 Prozent aller Jungen kommen mit dieser physiologischen Vorhautverengung, auch Ph­imose genannt, auf die Welt." ­Dabei ist die innere Schicht der Vorhaut mit der Eichel verklebt.

Ist das nicht unhygienisch?

Im Gegenteil. "Die unbewegliche Vorhaut schützt die ­Eichel – zum Beispiel vor dem scharfen Urin", erklärt der Mediziner.

Wie lange bleibt das so?

Das ist unterschiedlich. Mit dem Wachstum dehnt sich auch die Vorhaut und löst sich allmählich von selbst von der Eichel. Ab dem ersten Geburtstag dürfen Mama oder Papa vorsichtig versuchen, ob und wie weit sich die Vorhaut bewegen lässt. Meist macht dies das Kind aber ganz von selbst. Neugierig spielt es mit seinem ­Penis, zieht daran oder dreht ihn hin und her – das sieht für Eltern vielleicht ­etwas rabiat aus, kommt der ­Natur aber sehr entgegen. ­"Zwischen dem dritten und fünften Lebensjahr sollte sich die physio­logische Verengung auswachsen", sagt Kahl.

Ist das Zurückziehen für das Kind unangenehm?

Nur, wenn die Vorhaut noch nicht vollständig gelöst ist. Dann sollten Eltern das Kind auch nicht drängen und nicht selbst versuchen, sie ­weiter zurückzu­­ziehen. Das kann sonst sehr schmerzhaft sein, denn in der Vorhaut ent­­stehen ­kleine Risse, die beim Abheilen winzige Narben hinter­lassen. "Daraus kann sich ­eine sogenannte erworbene Vorhautverengung entwickeln", erklärt Kahl.

Unter der Vorhaut ist so ein weißer Belag. Was ist das?

Dieses Sekret nennt man ­Smegma. Das Wort leitet sich vom griechischen Wort für ­Seife ab – es bildet einen Schutzfilm für die ­Eichel. Es entsteht erst, wenn sich die Vorhaut von der Eichel gelöst hat. Smegma besteht aus abgestorbenen Hautzellen, Urinresten und Bakterien. Es genügt, den Belag täglich unter fließen­dem lauwarmen Wasser abzuspülen. Bei mangelnder Hygiene bietet das Sekret einen Nähr­boden für Bakterien, es be­ginnt unangenehm zu riechen und kann zu Entzündungen führen.

Ab welchem Alter ­können ­Jungen die Genital­hygiene selbstständig ausführen?

Eltern können schon kleine Jungen dazu anregen, ihren Penis selbst zu reinigen – unter Anleitung. Mit fünf Jahren können Jungen das schon gut selbst, am besten beim Baden in der Badewanne oder in der Dusche. Wichtig: Nach dem Reinigen muss die Vorhaut wieder nach vorn über die Eichel geschoben werden.


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