Frische Luft ist gut fürs Auge

Viel draußen zu sein beugt Kurzsichtigkeit bei Kindern vor. Wie dies zusammenhängt, erklärt ein Spezialist für Kinderaugenheilkunde

von Peggy Elfmann, 17.09.2015

Immer mehr Kinder werden kurzsichtig. Dem kann man vorbeugen, sagen Forscher, und zwar, indem die Kleinen viel Zeit draußen verbringen. Der Spezialist für Kinderaugenheilkunde Wolf Lagrèze erklärt den Zusammenhang.

Herr Professor Lagrèze, warum kann es Kinder vor Kurzsichtigkeit schützen, wenn sie viel draußen sind?

In der Netzhaut wird nicht nur das in das Auge einfallende Bild verarbeitet, sondern es ­befinden sich dort auch spezialisierte Sinneszellen. Diese messen, wie viel Licht ins Auge kommt. Wenn ein kindliches Auge, das ja noch im Wachstum ist, nur wenig Lichtsignale erhält, wird der Botenstoff Dopamin vermindert freigesetzt. Das führt dazu, dass der Augapfel über­mäßig in die Länge wächst – das Kind wird kurzsichtig.

Ist das so schlimm?

Ja, weil die Kinder zeit­lebens eine Brille benötigen. Etwa drei Prozent entwickeln eine hohe Kurzsichtigkeit von mehr als sechs ­Dioptrien minus. Das ist ein beträchtlicher Risiko­faktor für andere Augenerkrankungen wie zum Beispiel ein Glaukom oder eine Makuladegeneration.

Wie viel Zeit sollten Kinder also draußen verbringen?

Je mehr, desto besser. Studien haben gezeigt, dass bei Kindern, die weniger als ­eine ­Stunde täglich draußen spielten, das Risiko für Kurzsichtigkeit um 33 Prozent höher war als bei Kindern, die pro Tag mehr als zwei Stunden draußen verbrachten. 

Gibt es ein ­Zeitfenster für diese Entwicklung?

Entscheidend ist die Zeit zwischen sechs und 16 Jahren. Je früher man darauf achtet, desto sinnvoller ist es. Auch wenn das Kind schon eine Kurzsichtigkeit hat, lohnt es sich. Sie lässt sich damit zwar nicht heilen, aber das Fortschreiten verlangsamen. 

Verschwindet der ­schütze­n­de Effekt, wenn das Kind jetzt im Sommer eine Sonnenbrille trägt?

Nein. Eine ­Sonnenbrille ­filtert zwar 85 Prozent des Lichts, aber es gelangen darunter an einem Sonnentag auch noch circa 15 000 Lux auf das ­Auge, was immer noch einen schützenden Effekt hat. Das ist wesentlich mehr als in Innenräumen, wo man circa 500 Lux Beleuchtungsstärke hat.


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