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Fragen zum Impfen: Sieben wichtige Antworten

Für Kinder sind viele Impfungen vorgesehen, die teils tödlichen Krankheiten vorbeugen. Doch manche Eltern haben Bedenken

von Peggy Elfmann, Barbara Weichs, aktualisiert am 20.11.2019

1. Kann man auf die Windpocken-Impfung verzichten, wie auch manche Kinderärzte meinen?

"Windpocken im Kleinkindalter verlaufen meist ohne Komplikationen. Todesfälle sind sehr selten", erklärt Professor Markus Knuf, Leiter der Klinik für Kinder und Jugendliche an den Horst-Schmid-Kliniken Wies­­baden. Allerdings: Treten Komplika­tionen auf, sind diese oftmals nicht unerheblich. "Neurologische Komplikationen sind gut bekannt. Es kann sich ­­eine Super­infektion entwickeln, das heißt, zur Infektion durch das Varicella-Zoster-Virus kommt noch ­eine bakterielle Infektion hinzu. Sie muss meist im Krankenhaus behandelt werden", sagt Knuf. Vorhersehen lässt sich dies jedoch nicht. Unter anderem aus diesem Grund hat die STIKO die Impfung in ihre Empfehlungen aufgenommen.

Auch Markus Knuf rät letztendlich dazu, auch aus einem weiteren Grund: "Wer ­keine Windpocken hatte, bekommt später ­keine Gürtelrose, die ebenfalls mit Komplikationen einhergehen kann." Trotzdem möchte der Experte Bedenken gegen die Impfung nicht leichtfertig vom Tisch wischen. Die Impfung schützt bis heute nicht hundertprozentig, manche ­geimpfte Kinder stecken sich trotzdem an. "Der Impfstoff ist noch verbesserungswürdig", sagt Knuf.

2. Warum soll ich mein Kind noch gegen Kinder­lähmung impfen lassen? Es gibt sie doch nicht mehr bei uns.

Das ist richtig, aber Eltern verreisen heutzu­tage bereits mit Babys und Kleinkindern beispielsweise in Länder, wo die Krankheit noch nicht ausgerottet ist. "Hier besteht potenzielle Ansteckungsgefahr", sagt Dr. med. Hedwig Roggendorf, Leiterin der ­Impfsprechstunde am Klinikum rechts der Isar in München. Hinzu kommt, dass aufgrund der vielen Kriege und Krisenherde auf der Welt Flüchtlinge zu uns ­kommen, die nicht gegen Kinderlähmung (Polio) geimpft sind. "Außerdem muss man lange über die Ausrottung einer Krankheit hinaus weiter gegen sie impfen, um zu verhindern, dass sie wieder auftritt", erklärt die Ärztin. Das von der WHO angestrebte Ziel, bis 2018 die Polio weltweit auszurotten, sei leider nicht erreicht worden. Neuer Termin ist 2023.

3. Sollte man sein Kind erst später gegen Masern impfen lassen,­ weil man es schonen möchte?

Ganz im Gegenteil! "Die Tendenz geht sogar dahin, Babys schon mit neun Monaten zu impfen", sagt Kinderarzt Markus Knuf. Also zwei Monate früher als die momentane STIKO-Empfehlung. Der Grund: Es werden zunehmend Frauen Mutter, die gegen Masern geimpft sind. Die Antikörper, die sie über den Nestschutz an ihr Kind weitergeben, verbleiben nicht so lange wie jene nach einer natürlichen Infektion. Das Baby kann dann früher gegen Masern geimpft werden, da die Leih-Antikörper nicht mehr vorliegen.

Diese würden die Wirkung der Impfung abschwächen. Masern sind zudem eine Krankheit mit einer relativ hohen Komplikationsrate und fatalen Folgen. Eine Spätfolge, die etwa sechs bis acht Jahre nach der Masern-Infektion eintreten kann, ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine tödlich verlaufende entzündliche Erkrankung des Gehirns. "Je früher ein Kind Masern hatte, umso wahrscheinlicher ist es, dass es an SSPE stirbt", so Knuf. Von 100 000 akut an Masern erkrankten Kindern unter fünf Jahren entwickeln etwa 20 bis 60 SSPE, so das RKI.

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4. Es gibt einen recht neuen ­Impfstoff gegen Meningokokken B, den die STIKO bisher nicht empfiehlt. Soll ich mein Kind trotzdem impfen lassen?

Meningokokken-B-Erkrankungen sind zwar selten (etwa 250 Fälle jährlich), aber sie verlaufen oft schwerwiegend. ­Etwa acht Prozent der Betroffenen sterben an der Erkrankung, zehn Prozent tragen Komplikationen wie Hörverlust oder Amputationen davon. "Die neue Impfung gegen Meningokokken B ist effektiv und gut verträglich", sagt Professor Ulrich Heininger, Leiter der Abteilung Pädiatrische Infektiologie und Vakzinologie am Universitätsspital in Basel. Dennoch hat die STIKO die Impfung noch nicht empfohlen. Der Grund: Noch liegen nicht ausreichend Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung vor.

Bekannt ist: "Das Erkrankungsrisiko ist im vierten und fünften Monat am höchs­ten", erklärt Heininger. Sowohl die STIKO als auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin sagen, dass ­eine Impfung für "Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung sinnvoll sein kann". Dazu gehören Kinder, die an einem Immun­defekt leiden oder Kontakt mit Erkrankten haben. Wer impfen ­möchte, sollte früh beginnen: Damit der Körper den kompletten Schutz entwickeln kann, sind mehrere Impfdosen notwendig. Etliche Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten.

5. Die Empfehlungen zur Grippe­impfung für Kinder sind nicht einheitlich. An welchen sollen Eltern sich orientieren?

Für den Infektionsschutz – und damit auch für Impfungen – verantwortlich sind die Landesgesundheitsbehörden. Die Empfehlungen der STIKO dienen ihnen als Basis für eine öffentliche Empfehlung. In der Regel orientieren sich diese an den STIKO-Richt­linien. Sachsen hat als einziges Bundesland eine eigene Impfkommission (SIKO) und zusätzliche Immunisierungen im Impfkalender. Ärzte müssen sich an die Empfehlungen des jeweiligen Bundeslandes ­halten. Die STIKO geht davon aus, dass gesunde Kinder gut mit dem Influenza-Erreger klarkommen.

"Ein erhöhtes Risiko für Infektionen haben Kinder mit Atemwegs-, Stoffwechsel- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen", sagt Pädiater Stefan Mertens aus Radebeul. Deshalb rät die STIKO für diese Kleinen zur jährlichen Grippe­impfung. Anders die SIKO: Sie empfiehlt die Impfung für alle ab sechs Monaten. "Die Erkrankung lässt sich nur eindämmen, wenn so viele wie möglich geimpft werden", erklärt Mertens.

6. Welche Impfungen sollten Eltern und Großeltern haben, um die Kleinen vor Ansteckung zu schützen?

An erster Stelle steht für Eltern und Großeltern die Impfung gegen Keuchhus­ten (Pertussis). "Säuglinge sind über den Nestschutz nicht ausreichend gegen diese hoch ansteckende Erkrankung geschützt", sagt Torsten Spranger, Kinder- und Jugendarzt in Bremen. Während Keuchhus­ten bei Erwachsenen relativ harmlos verläuft, kann er bei Babys zum Atemstillstand führen. Frauen sollten sich deshalb am besten bereits vor einer Schwangerschaft dagegen impfen lassen, werdende Väter, Großeltern oder andere wichtige Kontaktpersonen spätestens vier Wochen vor der Geburt des Babys. Nach neueren Empfehlungen der STIKO könne sich die Mutter wie bei der Grippeimpfung aber auch noch gegen Ende der Schwangerschaft impfen lassen. "Viele Erwachsene sind allerdings über das Risiko nicht aufgeklärt. Meist impfe ich die Eltern erst, wenn sie mit ihrem Baby zur U 3 zu mir kommen", sagt Spranger.

Eine weitere wichtige Impfung ist die gegen Grippe. Da ­junge Säuglinge nicht dagegen geimpft werden können, empfiehlt das RKI Frauen die Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel – falls in der Folgezeit die Grippesaison beginnt. "So beugen sie vor, dass sie selbst während der Schwangerschaft daran erkranken. Außerdem schützt die Impfung den Säugling nach der Geburt", erklärt der Kinderarzt. Gerade Großeltern über 60 sollten ebenfalls nicht auf die Grippeimpfung verzichten. Denn bei älteren Menschen verläuft die Erkrankung eher schwerer, außerdem könnten sie ihr Enkelkind anstecken.

7. Gilt eine Impfpflicht vor dem Kita-Start?

Der Bundestag hat kürzlich eine Impfpflicht gegen Masern beschlossen: Ab März 2020 müssen alle Kinder vor der Aufnahme in Kita, Schule und der Kindertagespflege nachweisen, dass sie wirksam gegen Masern geimpft worden sind. Kinder, die bereits in einer Gemeinschaftseinrichtung untergebracht sind sowie Mitarbeiter dieser Einrichtungen müssen den Impfnachweis bis Ende Juli 2021 erbringen. Kinder ohne Masernimpfung können vom Besuch eines Kindergartens ausgeschlossen werden. Gegen Eltern, die ihre dort betreuten Kinder nicht impfen lassen, kann ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro verhängt werden. Auch Kindertagesstätten riskieren ein Bußgeld, wenn sie nicht geimpfte Kinder betreuen.

Außerdem gilt eine verpflichtende Impfberatung. "Vor der Erstaufnahme in eine Kindertageseinrichtung ­sollen ­­Eltern einen Nachweis darüber erbringen, dass eine ärztliche Bera­tung in Bezug auf den Impfschutz des Kindes erfolgt ist", erklärt Sprecherin Jasmin ­­Maschke. Mediziner Ulrich Heininger meint dazu: "Ich finde das sinnvoll und hoffe, dass es zu einer Erhöhung der Impfraten führt." Gerade für Kinder, die viel Kontakt mit anderen Kindern hätten wie eben in ­einer Kita, sei ein guter Impfschutz wichtig.

Denn es ist nicht nur das eigene Ansteckungsrisiko erhöht: Geimpfte Kinder schützen andere Kleine, die sich (noch) nicht impfen lassen können. "Ich erlebe immer wieder, dass manche Eltern nicht wissen, dass es bei ihrem Kind eine Impflücke gibt", sagt Heininger.


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