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Entspannter Eincremen bei Neurodermitis

Für Kinder mit Neurodermitis ist Eincremen eine lästige Pflicht. Wie Eltern es schaffen, daraus ein Wohlfühlritual zu machen, und worauf es bei der Pflege ankommt, zeigt PTA Antje Kietz Familien in einer Leipziger Apotheke

von Peggy Elfmann, 28.05.2019

Wie Eltern aus der Neurodermitis-Pflege ein Wohlfühlritual machen können


Gepflegt und entspannt: Julian Riemschneider massiert seinen Sohn Anton sanft und cremt ihn dabei ein. Wichtig: Hals, Nacken und der Bereich hinter den Ohren. "Diese Stellen werden oft vergessen und entzünden sich dann", sagt Kursleiterin Antje Kietz.

Eine heimelige Stimmung

Leise Musik erklingt, es ist kuschelig warm, und Kerzen verbreiten eine heimelige Stimmung – nichts deutet an, dass es heute in der Petersbogen-Apotheke um ein schwieriges Thema für viele Familien geht. Seit zwölf Jahren leitet Antje Kietz hier Massagekurse für Babys und Kinder mit Neurodermitis. "Das Thema Eincremen ist oft mit Ängsten und Sorgen verbunden und er­zeugt Stress", erzählt die pharma­zeutisch-­technische Assistentin (PTA). "Mit der richtigen Massagetechnik und ein paar Tipps kann es zum Wohlfühlritual werden. Dabei möchte ich die Familien unterstützen."

Durch den Pflege-Dschungel

Nach und nach treffen die Mütter und Väter mit ihren Babys ein. Fünf Matten liegen am Boden, in der Mitte stehen Kerzen und jede Menge Lotionen und Cremes. "So sieht es bei den meisten Neurodermitis-­Patienten im Bad aus: Viele verschiedene Produkte stehen herum", sagt Antje Kietz. Sie weiß von den Kursen und aus der Beratung in der Apotheke, wie schwer es ist, die passende Pflege zu finden. Auch Maja und Julian R. kennen dieses Irren durch den Pflege-­Dschungel. Sie sind mit ihrem Sohn Anton zu dem Massagekurs gekommen." Die Hautärztin hat bei Anton die Diagnose Neurodermitis gestellt, eine Kortisonsalbe verschrieben, und das war es. Bei der Wahl der Pflegeprodukte wurden wir alleine gelassen", erzählt Julian R.. "Alles, was das Eincremen angeht, verunsichert mich: welche Salbe, wie oft, wie viel?", sagt seine Frau Maja.

Regelmäßige Eincremen ist wichtig

Das regelmäßige Eincremen ist für Neurodermitiker wichtig. "Es stellt den wesentlichen Grundbaustein einer jeden Neurodermitis­behandlung dar", sagt Dr. Annice Heratizadeh, Oberärztin an der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover. "Forschungen zeigen, dass die gesamte Haut mindestens einmal täglich behandelt werden sollte." Neurodermitis ist eine chronische Hauterkrankung, etwa zehn bis 20 Prozent der Kinder sind betroffen. Sie verläuft in Schü­ben: Akute Phasen wechseln sich mit Phasen ab, in denen die Haut gesund wirkt. "Sie ist es aber nicht. Auch, wenn keine Zeichen einer Entzündung vorliegen, braucht sie die Basispflege", so die Ärztin.

Schlaflose Nächte

Der sieben Monate alte Anton liegt auf der Matte. In den Händen dreht und schüttelt er eine kleine Cremetube, seine Wangen sind rosig. "Als er das erste Mal Ausschlag hatte, war das ein Schock", erinnert sich seine Mutter Maja. Am Bauch und auf den Wangen hatte er rote, entzündete Stellen. "Und nun?", habe sie sich gefragt und hilflos gefühlt. Auch André Sch. kennt dieses Gefühl gut. Sein Sohn Henri, sechs Monate, hat seit zwei Monaten Ekzeme im Gesicht. "Sie nässen und sind stark entzündet. Henri kratzt sich so sehr, dass wir alle schlaflose Nächte haben. Wir haben noch keine Creme gefunden, die hilft", erzählt er. Antje Kietz nickt und sagt: "Leider gibt es nicht die eine Neurodermitis-Creme."

Mehr Pflege, weniger Kortison

"Welches Produkt der Haut guttut, ist individuell verschieden – und es kann von Tag zu Tag anders sein. Man muss sich da einfach durchprobieren." Antje Kietz weiß, dass viele Eltern sehr zaghaft cremen oder nur, wenn die Ausschläge extrem sind. "Dabei ist das genau die falsche Strategie", sagt sie. Kietz ermutigt die Eltern, morgens und abends das Eincremen mit einer Basispflege zu einem festen Ritual zu machen und dabei großzügig Salbe zu verwenden. "Die Entzündungsphasen sind dann kürzer und seltener", erklärt sie. Eine konsequente Basistherapie könne zudem den Bedarf an Kortison reduzieren.
Kombiniert mit einer Massage, profitieren die Kleinen doppelt.

Vergessene Stellen

"Den Hautkontakt beim Massieren genießen Babys besonders, er lässt sie entspannen. Und sie erleben ein schönes Hautgefühl, mal kein Jucken oder Kratzen. Das vermittelt langfristig ein positives Hautgefühl", sagt Antje Kietz. Damit die Eltern die Haut ihrer Kinder optimal pflegen können, gibt die Expertin ihnen ein paar Tricks an die Hand. Julian R. zieht seinen Sohn aus und probiert diese gleich aus. Er nimmt reichlich Creme in die Hände, beugt sich über Anton und streicht mit den Handflächen langsam über seine Wangen: erst über die rechte, vom Nasenflügel hinab zum Hals, dann über die linke. Der junge Vater verteilt etwas Creme zwischen Antons Nase und Mund sowie am Kinn. Danach cremt er den Bereich hinter den Ohren, den Hals und den Nacken sorgfältig ein. "Das sind die Stellen, die oft vergessen werden. Sie trocknen deshalb häufig aus, jucken und entzünden sich", erklärt Antje Kietz. Wichtig seien auch die Bereiche zwischen den Fingern und Zehen sowie die Hautfalten im Windelbereich. "Wird die Haut nicht behandelt, schuppt sie sich, und es entstehen Stellen, an denen Keime eindringen können."

Der kleine Anton strampelt freudig mit den Beinchen. Sein Vater umfasst ein Bein, streicht es mit sanften Bewegungen aus. Dann nimmt er einen Fuß, massiert jeden Zeh und verteilt dabei spielerisch die Creme. Anton hält ganz still. Er genießt die Rundum-Massage von seinen Eltern – und die freuen sich über den entspannten Hautkontakt. Seine Mutter kuschelt ihn danach in ein Handtuch und schmiegt sich an ihn. Das Eincremen war mal nicht mit Sorgen um die roten Stellen verbunden, sondern ein Wohlfühlritual. "Das machen wir jetzt regelmäßig", sagt Maja R..

Fünf Basics, die die Auswahl der Cremes erleichtern

Zur täglichen Behandlung eignen sich sogenannte Basispflege-Produkte. Auf diese Punkte sollten Sie dabei achten:
1. Inhaltsstoffe: Produkte für Neuro­dermitiker sollten Fett und Wasser enthalten und frei von allergie-auslösenden Inhaltsstoffen sein wie Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe, Wollwachs, Cetylstearylalkohole oder Nahrungsmittelbestandteile (etwa Erdnuss, Molke- oder Sojaprotein).
2. Alter: Urea (Harnstoff) kann Feuchtigkeit gut binden, er löst aber bei Kindern bis fünf Jahre ein unangenehmes, brennendes Gefühl aus und wird daher bei Säuglingen nicht empfohlen. Für Kleinkinder eignen sich allen­falls Pro­dukte mit niedriger Harnstoff­konzentration (zwei bis fünf Prozent).
3. Hautzustand: Die Basistherapie sollte stadienangepasst sein. Bei
chronischen Ekzemen braucht die Pflege einen höheren Fett­anteil. In akuten Krankheitsphasen hingegen einen höheren Wasser­anteil, oft ist Kortison notwendig. Kühlen mit Kälte, trocken (z. B. Coolpack) oder feucht (z. B. Spray), kann den Juckreiz lindern.
4. Körperstelle: Wichtig ist, dass das Produkt sich angenehm auftragen lässt. Dies kann sich von Körperstelle zu Körperstelle unterscheiden.
Häufig fühlt sich im Gesicht ein ande­res Produkt besser an als am rest­-
lichen Körper.
5. Jahreszeit: In den kalten Monaten ist die Haut trockener, dann sollte
die Basispflege mehr Fett enthalten.

Familien finden auch Unterstützung bei der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung (AGNES) unter www.neurodermitisschulung.de. Dort sind bundesweit und in Österreich Ärzte und Kliniken aufgelistet, die Schulungen anbieten und zum Thema Neurodermitis bei Kindern beraten.

Fachliche Beratung: Dr. Annice Heratizadeh, Hautärztin, und Antje Kietz, pharmazeutisch-technische Assistentin


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